Best of: Wenn im Bett nichts mehr läuft

Es sind Sommerferien, auch für unsere Autorin. Deshalb publizieren wir einige Beiträge, die besonders viel zu reden gaben. Dieser Beitrag erschien erstmals am 25. Oktober 2017.

«Will er mich noch? Will ich ihn noch?»: Carey Hart und Popstar Pink. Foto: Ignat, Bauer-Griffin, GC Images

Pink ist ein Popstar, der dafür bekannt ist, selten ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Ob in ihren Songs oder in Interviews, die 38-Jährige erzählt über persönliche Erfahrungen mit Drogen, Zurückweisung oder Liebeskummer. Allerdings nie auf vulgäre Art, bei der sich schnell einmal das Gefühl einstellt, dass sie nur auf billige Publicity aus ist, sondern so authentisch, dass man glauben könnte, sie sei eine Kumpelfreundin, bei der man gerne sein Herz ausschütteten würde. Die MTV Video Music Awards 2016 nutzte Pink, um ihrer damals sechsjährigen Tochter Willow von der Bühne hinunter Mut zuzusprechen. Dies, weil das Mädchen das Gefühl habe, es sei «ein hässlicher Junge mit langen Haaren». Pinks Rede wurde so zur starken Botschaft gegen Bodyshaming.

Zweifel am Partner und an sich selbst

Ein paar Monate später war Pink wieder in den Schlagzeilen mit einem noch heikleren Thema: der zeitweisen sexlosen Beziehung. Eine Partnerschaft, in der zwar Liebe, Körperkontakt und Zärtlichkeit da sind, aber eben der Sex fehlt. So offenbarte sie in einem Interview mit dem britischen «Guardian», dass sie und Ehemann Carey Hart, mit dem sie seit 16 Jahren – mit Unterbrüchen – zusammen ist, auch schon längere Durststrecken im Bett «überlebt» hätten. «Manchmal gibt es Zeiten, da hast du ein Jahr lang keinen Sex. Und du fragst dich: Ist das das Ende?», gestand sie.

Pink ist noch keine 40, rein statistisch gesehen eine Frau auf dem Höhepunkt ihrer Sexualität. In einer Umfrage der Verhütungs-App Natural Cycles unter 2600 Frauen zeigte sich, dass die Gruppe der Frauen mit 36 plus mit dem souveränsten Körpergefühl ausgestattet ist. Wenn also eine attraktive Frau wie Pink so offen über ihr Sexleben berichtet, warum ist es dann für andere Frauen und Männer so schwierig oder beinahe unmöglich, selbst im engsten Kreis offen über dieses Thema zu reden? Vielleicht, weil unsere Sexualität so stark mit unserem Selbstwert und Selbstverständnis zusammenhängt. Und Fragen, wie sie Pink sich selber gestellt hat: «Will ich ihn, will er mich noch?», eine grosse Tragweite haben können.

Die Wahrheit ist: Fast allen geht es so

2010 gaben im Report des Kinsey Institute zwischen 10 und 40 Prozent der Befragten an, trotz Beziehung oder Ehe kaum oder sogar nie Sex zu haben. Meiner Meinung nach ist diese Zahl völlig untertrieben. Ich weiss praktisch von keiner langjährigen Beziehung, von keinem Paare, das 15, 20, 25 Jahre oder noch länger zusammen ist, das noch regelmässig Sex hat. Und diese Beziehungen sind sicher genauso gut, schwierig, anstrengend oder langweilig wie andere Beziehungen auch.

Vertrauen und viel Nähe führen dazu, dass eine (langjährige) Beziehung spannungsloser werden kann. Und Sex braucht Spannung und Gegensätze, damit er lustvoll ist. Oder, wie eine meiner besten Freundinnen sagt: «Man kann in einer langjährigen Beziehung nicht gleichzeitig grosse Sicherheit und eine Amour fou erleben. Weil sich dies gegenseitig ausschliesst.»

Am Ende des Tages muss jedes Paar für sich herausfinden, wie es seine Intimität leben will. Aber es tut gut, wenn eine coole Frau wie Pink eine Realität aufzeigt, wie sie in unserer übersexualisierten Welt an der Tagesordnung ist.

11 Kommentare zu «Best of: Wenn im Bett nichts mehr läuft»

  • Hans Minder sagt:

    Am Sexleben muss man in der Partnerschaft genauso „arbeiten“ wie an der Beziehung selbst. Viele denken, dass der Sex in einer Beziehung ohne eigenes Zutun attaktiv bleiben sollte….oder wenn er nach jaherlanger Beziehung an Attraktivität verliert, einfach einschläft. Dies ist tatsächlich der Fall, wenn man für einander nichts mehr tut und sich fürsorglicher um die Karosserie seines Autos kümmert als um das Wohl des Partners. Wer ein Leben lang in einer Beziehung Sex haben will, der darf sich nicht auf die eigen Lust konzentrieren sondern muss vor allem die Erfüllung des Andern ins Auge fassen.

  • Ernesto sagt:

    Ich bin seit 16 Jahren verheiratet und wir haben 2x plus die Woche Sex. Meine Frau mag meine Massagen und bedankt sich danach jeweils mit etwas Offenheit. It works fine for us!

  • Ralph Christen sagt:

    Ich bin 60jaehrig und 36 Jahre verheiratet und habe jede Woche Sex onhe jemals eine durstzeit ausstehen zu mudassem.

  • Sidi F sagt:

    27 Jahre verheiratet. 2x die Woche mit viel Leidenschaft- irgendwo im Haus. Sind wir tatsächlich die Ausnahme, die die Regel bestätigt??

  • Maike sagt:

    Mein Mann und ich haben Latex für uns entdeckt. Das hat unser Privatleben – Tag und Nacht – wieder interessant gemacht.

  • Mario Kasper sagt:

    Warum spricht niemand wie es wirklich ist ? Wenn die Männer noch steh kraft haben und immer wollen und könnten , genau in dieser Zeit will die Frau nicht und hat dann sonst alle Ausreden .
    Wenn der Mann dann Körperlich (ohne immer wieder zu Üben , lauft die Maschine nicht mehr) , geschwächt ist , dann kommt genau die Frau mit dem Wunsch . . . jetzt möchte ich . Schon komisch wie das Theater ablauft in dieser Frau – Mann Beziehung !

    • P.H. sagt:

      In Sachen Sex wird gelogen dass sich die Balken biegen, 2 – 3 x die Woche Sex und dann noch 20 Jahre und länger verheiratet. Solche Aussagen entsprechen mehrheitlich einem Wunschdenken der Kommentatoren/innen. Der einzige Kommentar der ziemlich sicher der Realität entspricht stammt von ihnen. Ich kenne welche die sind etwas über ein Jahr verheiratet und da läuft bereits nichts mehr, er besucht Prostituierte! Für Männer ist es das beste unverheiratet zu bleiben, dann hat man als Mann ein 100% ein erfüllteres Sexleben! Und wenn es nicht klappt, kann man sich eine neue Partnerin suchen ohne in die Gefahr zu laufen auch noch Unterhaltszahlungen zahlen zu müssen wenn man sich trennt.

  • Kurt sagt:

    Früher haben sich die Ehepaare über die Singles lustig gemacht, die angeblich viel seltener Sex hätten. Lug und Trug. Dabei ist es kein Geheimnis, dass die Mehrheit der Frauen nach der Geburt der Kinder keinen Sex mehr wollen.

  • Joerg Bucher sagt:

    Mit ihrem Bestseller ‚Angst vorm Fliegen‘ , ging Erica Jong diese knifflige Thematik vehement an. Erfrischend tabulos. (In der Kritik galt sie als weiblicher Henry Miller).
    Dreiecksbeziehung, wie im Roman, als Loesung ? Auch in solcher erschlaffen knisternde Spannungen. Ueberdruss und Langeweil als Zeitfrage.
    Wenn das Hellodernde zur Flamme wird. Doch spaeter die harrliche Glut.
    Durchwaermend fuehlsam Zaertliches und gluehend, vertiefter innerer Zuneigung. Die nie erkaltende wache Bereitschaft, einander liebevoll zu stuetzen.
    Verstaubt altmodische ‚Innere Werte‘ ? Sie sind sind prickelnd zeitlos !
    Und durchaus wegsam zu neuen Ufern funkelnder Erotik und glitzernder Sexualitaet… .

    • Lili sagt:

      Sehr schön formuliert. Sie lieben!

      • Joerg Bucher sagt:

        Herzlichen Dank, Lili !
        Schoepfen wir doch wieder mehr aus unseren
        eigen innewohnenden Kreativkraeften !
        Hin zum Quell von Eigensinn und Originalitaet.
        Vorzuege, die sanft und heimlich lehren, die Ellbogen nur beim Sport zu gebrauchen… .

Kommentar

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