So wecken Sie ihre Sport-Glücksgefühle

«Ich bin halt ein Bewegungsmuffel» ist oft nur eine Ausrede. (Foto: iStock)

Ich war immer neidisch, wenn meine sportlichen Freunde von ihrem «Runner’s High» schwärmten. Ich habe diesen Laufrausch nie erlebt, da ich weder über die nötige Ausdauer noch den Willen oder die Kondition verfüge, mich so auszupowern. Mein Rezept für die Ausschüttung stimmungsaufhellender Hormone war bis vor kurzem, neben Schokolade, tägliche Meditation. Für mich der Garant für innere Gelassenheit.

Eine durchaus gute Sache im stressigen Alltag. Aber in den letzten Monaten fehlte es mir zunehmend an Energie und Schwung. Wenn man die 50 überschritten hat, täglich viele Stunden am Computer sitzt und sich eher wenig bewegt, spürt man den Mangel an körperlicher Aktivität immer stärker. Im Innersten verurteilte ich mich für meine Bequemlichkeit. Was ich natürlich nie zugegeben hätte. Meine Ausrede war stets: «Ich bin halt ein Bewegungsmuffel.» Was so allerdings nicht der Wahrheit entsprach. Bis Mitte 20 war ich begeisterte Skifahrerin, machte Eiskunstlauf und ging ins Ballett. Aber irgendwann wurde alles andere wichtiger.

Einsichten und Vorlieben

Für diese Serie wollte ich herausfinden, ob es möglich ist, die Glücksgefühle, die sportliche Aktivitäten früher bei mir auslösten, wiederzubeleben. Natürlich nicht mehr im gleichen Masse – man muss schliesslich realistisch bleiben. Aber ich weiss noch genau, wie mich der Fahrtwind auf langen Velotouren berauschte, wie Volleyball am Strand viel Spass machte und wie Jazzgymnastik mein körperliches Selbstbewusstsein und meine Haltung aufbaute.

Zuerst aber musste ich mir nun überlegen, welche Gründe dazu geführt hatten, dass ich so faul geworden war. Und was mich motivieren könnte, es dieses Mal besser zu machen. Eine wichtige Einsicht war: Ich hatte sportliche Bewegung in den letzten Jahren immer mit dem Besuch von Fitnessstudios verbunden. Alle machten Krafttraining, also machte ich es auch. Aber ich mochte weder die Nähe in den engen Studios noch den Schweissgeruch noch die Anmache. Mir gefiel die Bewegung in der Natur, Aktivität, verbunden mit Musik und Tanzen, oder alles, was mit Wasser zu tun hat. Sprich, sportliche Betätigung muss für mich mit einem sinnlichen Aspekt verbunden sein. Und so entstand…

Mein 7-Punkte-Plan:

1. Realistisch bleiben: Ich fordere, aber überfordere mich nicht. Aus mir wird auch nach fünfmal Training pro Woche kein Instagram-Fitness-Model.

2. Ich wähle nur Sportarten, die ich wirklich mag. Pilates mit einer Freundin, Tanzen, Schwimmen, Velofahren.

3. Meine Trainingszeiten werden so seriös eingehalten wie berufliche Termine.

4. Treppen statt Lift, Auto nur im Notfall. Hinaus mit den Hunden.

5. Ich nehme Rücksicht darauf, dass ich kein Morgenmensch bin, und trainiere nur am Nachmittag oder Abend.

6. Ich fordere mich kontinuierlich und lasse meine Fortschritte von einem befreundeten Personal Trainer alle zwei Wochen überprüfen.

7. Es gibt keine Ausreden. Weder das Wetter, der Heuschnupfen noch eine schlechte Nacht.

Fazit: Nach acht Wochen regelmässiger Bewegung fühle ich mich energetischer, beschwingter und weniger müde. Und selbstbewusster, weil ich mein Programm konsequent durchgezogen habe. Dass ich zwei Kilo abgenommen habe, ist eine nette Zugabe. Und je länger ich trainierte, desto mehr verwandelte sich die Pflicht in eine Art Glücksgefühl. Kein Runner’s High, aber eine tiefe Zufriedenheit, dass ich meinen Körper wieder besser spüre.

Im ersten Teil der Glücksserie sprach die Autorin mit über 80-Jährigen über ihre Wünsche und Leidenschaften: So beschreiben alte Menschen das Glück.