Brauchen kurvige Frauen ein eigenes Magazin? Nein!

Dass Attraktivität keine Frage der Masse ist, beweist Top-Model Ashley Graham. Aber warum muss sie in die Kategorie «Plus Size» eingeordnet werden? Foto: Marina Rinaldi

«Plus Size» ist gerade schwer im Trend. Doch was bedeutet «Plus Size» – auf Deutsch weniger charmant Übergrösse genannt – genau? Tatsächlich ist es ein dehnbarer Begriff. Bei den meisten Designern ist ein Model bekanntlich bereits ab Grösse 38 ein «Plus», und damit ein No-go. Im Kleiderhandel fängt die «Übergrösse» bei Grösse 44 an.

Viele Frauen sind es heute leid, einem Idealbild zu folgen, das uns Influencerinnen in sozialen Medien präsentieren, und fordern selbstbewusst mehr Diversität, wenn es um den weiblichen Körper geht. Dieses Selbstbewusstsein äussert sich auf verschiedene Weise: Sei es, dass Sanduhr-Models wie die US-Amerikanerin Ashley Graham sehr gefragt sind.

In Filmen wie «Embrace – Du bist schön» wird mit dem Körperwahn abgerechnet. Und sogar Hollywood hat die kurvige Frau entdeckt: Die Stand-up-Comedian, Schauspielerin und Drehbuchautorin Amy Schumer nimmt momentan das fragwürdige Schönheitsideal im Film «I feel Pretty» auf die Schippe.

Vor zehn Jahren noch unvorstellbar

Weil sich mit dem neu entdeckten Segment der fülligeren Frauen viel Geld verdienen lässt, ist diese Kundin gefragt wie noch nie. Neben Online-Modeshops haben auch renommierte Modeschöpfer diese entdeckt. Roberto Cavalli, der für seine sehr figurbetonten Roben bekannt ist, brachte erfolgreich eine Übergrössenkollektion auf den Markt. Das Luxuskaufhaus Saks Fifth Avenue in New York bietet äusserst erfolgreich Teile von Chanel, Dolce & Gabbana und Yves Saint Laurent jenseits der Grössen 42 bis 44 an. Vor zehn Jahren wäre dies noch unvorstellbar gewesen.

Und nun gibt es also ein neues Magazin für kurvige Frauen (Achtung, nie «mollig» sagen, das ist verpönt!). Es heisst – ach, wie überraschend – «The Curvy Magazine» und unterscheidet sich von anderen Heftli nur darin, dass praktisch alle Frauen, die auf den redaktionellen Seiten gezeigt werden, füllig oder dick sind. Und sogar die eher spärliche Werbung folgt teilweise dieser Vorgabe.

«The Curvy Magazine» hat seinen Ursprung in den USA und entstand aus einem Blog. Laut der Chefredaktorin der deutschen Ausgabe, Carola Niemann, sollen hier sogenannte «role models» Inspiration bieten. Wie beispielsweise die Inhaberin einer PR-Agentur, die in einer Homestory präsentiert wird: eine runde «Powerfrau» (!). Ihre Story ist übertitelt mit: «Wändestreichen ist meine Liebeskummertherapie.»

Ist es Absicht oder Zufall, dass die Macherinnen unbewusst in die eigene Falle alter Vorurteile gestolpert sind? Dick = unglücklich? In der Rubrik «Diversity» wird übrigens – ausgleichende Gerechtigkeit – ein sogenannter «Hammerkerl» vorgestellt. Alex ist ein echt hipper Typ mit Pferdeschwanz und soll als Plus-Size-Male-Model Erfolg haben.

Sind nur noch ausgeprägte Figuren interessant?

Nachdem ich das Heft aus dem Händen gelegt habe, fühle ich mich etwas erschlagen. Die Botschaft «Kurven sind schön» wird mir quasi auf jeder Seite eingehämmert. Am Ende ist das doch nur eine weitere Schublade, in der wir Frauen «versorgt» werden sollen. Hier die Dicken, dort die Dünnen. Und was ist eigentlich mit der Durchschnittsgrösse 40/42? Wir sind langweilig.

Heute scheinen nur noch ausgeprägte Figuren interessant zu sein. Aber vielleicht hat ja bald einmal ein kreativer Kopf eine Idee und bringt ein neues Magazin mit dem inspirierenden Titel «Voll normal, ey!» auf den Markt. Ich kann auch darauf verzichten.

37 Kommentare zu «Brauchen kurvige Frauen ein eigenes Magazin? Nein!»

  • Michaela Brunner sagt:

    Gesunde Menschen empfinden wir intuitiv als schön. Wir sind evolutioniär geprägt, dass wir auf die Reize von gesunder Schönheit ansprechen, damit sich zur Art-Erhaltung die Gesündesten am besten vermehren. Auch in der Tierwelt ist das so. Übergewicht ist nie gesund & nie schön, auch wenn es mit Euphemismen wie „kurvig“ schöngeredet wird. Übergewichtige Frauen und Männer sind nicht kurvig, sondern genau das Gegenteil davon, sie sehen aus wie kurvenlose puddigartige Fleischberge. Die meisten Frauen finden Männer mit kräftigen Armen und mit muskulöser Brust hingezogen. Männer sind von markanten Füdli, Hüften und Brüsten angezogen, erst recht, wenn die schlanke Figur einen Blick auf die Geschlechtsteile der Frau ermöglicht. Bei Dicken verdeckt das Fett alles Erotische und Reizvolle.

  • Kurt Seiler sagt:

    Hab gelegentlich auch Übergewicht um die 10 bis 15 Kilo.
    Da ist nichts Erlesenes dabei.
    Es ist und bleibt ein Versagen wenn man das Essen nicht im Griff hat.
    Dick sein ist nie schön und vor allem ungesund.

  • Benjamin Zibble sagt:

    ..dabei würde wohl kaum jemand darauf aufmerksam geworden wenn nicht die Marketingabteilungen der Konzerne dauernd irgendwas finden würden… diese alle Ideal werden uns allen doch von Geburt an vorgekaut serviert… die Verunsicherung und Hatz nach sofortiger Aufhebung angeblicher Missstände gleich mit… auf der anderen Seite fanden es Teile unserer Ahnen so richtig schick mit schwarzen verfaulten Zähnen rumzulaufen um zeigen zu können das man sich teuren Zucker leisten konnte…

  • Claude Fontana sagt:

    Wenn eine Frau eine andere Figur hat, als die Rolle, von der der Stoff abgewickelt wird, ist doch bei den meisten „Designern“ nur noch „Überforderung“ vorhanden. möglichst 2meter gross, damit man nicht viel reste abschneiden muss, und möglichst dünn, damit man Laufmeter Spart.
    Kurven sind Göttlich. deswegen ist Sonne Mond und Fussball rund. All die silikonlippen, Brüste und Hinternpolster sind ja keine schlankmacher. Die wollen nur, was andere haben, Neid existiert auf beiden Seiten.

  • R. Wenger sagt:

    Eine schön schlanke Frau erfreut das Auge. Aber schön schlank muss sie sein, mit weiblichen runden Formen. Keine ausgemergelte Stabheuschrecke. Als zeitloses Beispiel erwähne ich die Venus von Esquilin.

  • Hansjürg sagt:

    Einen Magerhacken kann ich nicht ansehen. Rubensfülle ist mir gar zu viel. Selbst die Models auf den Bildern dieses Artikels sind mir schon etwas zu „stark“. Die einzige Frau, die mir mit ihren Kurven gefällt, habe ich vor einigen Jahren geheiratet.

  • Jessas Neiau sagt:

    Kurvig ist also das neue Dick. Wohl bekomm’s.

  • Morgan Schwab sagt:

    Doch. Ich bin den Magerwahn leid. Ich gehöre auch zu den kurvigen Frauen. Rubensfrau eben. Ja und ? Ich will auch Kleidung haben – Kleidung die nicht bei Size Zero beginnt. Warum muss Frau, wenn sie Mode mag, Size Zero haben ? Ich pfeife auf Lagerfeld und Co, denn Ulla Popken hat die Antwort drauf. Hosen, T-Shirts.. alles was die kurvige Frau will, gibts. Nur warum muss das so überzogen teuer sein ? Gehts vielleicht auch mal günstiger ? Normalpreise. Wir sind ganz normale Menschen, nur dass wir eben kurvig sind.. Kurvige Frauen ! Macht endlich Kleider so, dass es jede und jeder tragen kann, die nicht bei Size Zero sind. Und nicht bei 42 oder 44 endet.. sondern einfach alle Grössen anbietet. Genauso auch bei Schuhen. Ich bin kleinwüchsig, kurvig, und ich gehöre dazu !

  • Peter sagt:

    Wenn es so ein Magazin gibt, müsste es nicht dann auch ein Magazin – nennen wir es mal Spacky – für die ganzen abgehungerten Models wie z.B. Frau Beckham geben ??

  • Didi Herrmann sagt:

    Eine Frau muss an den richtigen Stellen dick sein, dann störts nicht, im Gegenteil. Also am Po und am Busen. Das schlimmste sind ein dicker Bauch und kleine Brüste, solche Frauen haben voll verloren.

    • Hans Hödli sagt:

      Völlig Ihrer Meinung. Bei Männern ist die richtige Stelle die Brieftasche.

      • Kim sagt:

        Nein, die Geborgenheit und die starken Hände.

        @Hermann: was für eine widerliche Ansicht

      • Hansjürg sagt:

        @Kim, also doch! Ich lernte meine Frau als Student kennen und hatte folglich nicht viel Geld und am Schluss nur Schulden. Nach unserer Hochzeit gestand mir meine Frau: „Von jetzt an muss ich nie wieder Angst haben.“

      • Kim sagt:

        @Hansjürg: nur ein Mann kann einem das Gefühl von Sicherheit und Liebe geben. Beschützt werden, eine starke Schulter zum Anlehnen, der Fels in der Brandung. Für alles andere kann Frau heutzutags selbst sorgen.

      • Hansjürg sagt:

        @Kim, dafür bin ich da!

      • Kim sagt:

        @Hansjürg: so lieb. Genau das was ich liebe. Schade haben wir uns im Leben nicht getroffen.

    • R. Wenger sagt:

      Didi Herrmann: Wohlgeformte Brüste sind nicht übergross. Eine Frau soll nicht an eine Hochleistungs-Milchkuh erinnern. Viele meiner Geschlechtsgenossen verwechseln Qualität mit Quantität.

      • Didi Herrmann sagt:

        @Kim
        Warum halten Sie meine Ansicht für widerlich? Haben Sie etwas gegen dicke Frauen? Ich bitte Sie, dicke Frauen nicht zu diskriminieren.

      • Kim sagt:

        @Didi: wegen dem: Das schlimmste sind ein dicker Bauch und kleine Brüste, solche Frauen haben voll verloren.

        Das fand ich schon etwas extrem. Solche Frauen haben nicht „voll verloren“.

        Selbstverständlich finde ich als Frau, sämtliche Formen toll.

    • Clara Müller sagt:

      Eine Frau muss gar nix, nicht mal Ihnen gefallen. Zum Glück!

      • Didi Herrmann sagt:

        @Clara
        Doch, muss sie. Sie muss mir schon gefallen. Also wenn sie nicht in stolzer Einsamkeit verbleiben will. Ewige Einsamkeit ist wohl für die wenigsten eine erstrebenswerte Option.

      • Hanne sagt:

        Nun Didi, Sie sind zum Glück nicht der einzige Mann auf der Welt. Zudem gibt auch lesbische Frauen und Frauen, die Single bleiben wollen. Eine Frau muss gar nichts, genauso dürfen Sie auch als Didi Herrmann durch die Welt stolzieren – auch wenn Sie mir bestimmt nicht gefallen.

  • Zufferey Marcel sagt:

    Auf jeden Fall nähern wir uns der Normalität, so wie sie uns alltäglich auf den Strassen begenet: In der Summe also zweifellos ein Fortschritt. Wobei mollig halt eben schon das Nonplusultra ist.

  • Nick Scherer sagt:

    Schlank sein und bleiben
    Hat mit Selbstdisziplin zu tun!
    Schlank ist und bleibt immer schöner als curvy !
    Gilt sowohl für Frauen als auch für Männer.
    Noch besser ist schlank mit Muskeln.

    • Heidi sagt:

      … und wie schaut dieser … Schreiberling aus? ( ◠‿◠ )

      • Claude Fontana sagt:

        Der Bauch ein Sixpack, oder vom Sixpack geformt? 🙂
        Die beiden Frauen im Artikel gefallen mir optisch zumindest Sehr gut. Aber ich hab eher einen Gesichts-tick, als einen Gewichts-tick. wer 48 kg bei 174 cm sein will, Nur zu. ich brauchs nicht um glücklich zu sein.

    • Clara Müller sagt:

      „Schlank ist und bleibt immer schöner als curvy!“
      Ansichtssache … Wieso schreiben Sie nicht „Ich finde schlank ist und bleibt immer schöner als curvy!“, sondern verkaufen Ihre Vorlieben als das Nonplusultra? Sind sie die Stil- und Gesundheitspolizei?

  • Kim sagt:

    Solche Frauenmagazine sind Verkaufskataloge mit Produkteempfehlungen, getarnt mit wenigen intellektuellen Themen im Stil von „wie werte ich mein Sexleben mit meinem Liebhaber und Ehemann. Mehr dann auch wieder nicht.

  • Jacques sagt:

    Wie man sieht, schon beim Gedanken daran verwirrt (Einkäufr).

  • Jacques sagt:

    Das Leben ist ungerecht. „Und was ist eigentlich mit der Durchschnittsgrösse 40/42? Wir sind langweilig.“ – MeToo –

    • Jacques sagt:

      Schon als ‚Jeune Homme‘ hatte ich Problemi mit Jeans = 37. 36 zu eng; 38 zu weit. Gab es nur bei Intersport Lee Cooper; für mich teuer 😉
      Fazit: weniger Hosen, dafür Passende. heute ab Stange diese Lee oder lee Cooper.

    • Jacques sagt:

      Aber ‚Jeunes Filles‘ sparten auch in meiner Jugend. Superminis und Hot-Pants.

    • Jacques sagt:

      Damen aus dieser Zeit tragen nun Midi-Maxi. Dafür schöne Dessous. Ich kenne nur „La Perla“ bei Beldona (wie Bella Donna). das erleichtert etwas die seltenen Einkäufr. Signore -prego o subito?

Kommentar

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