Ein Leiden namens Einsamkeit

Von Kopf bis Fuss

Beruflich erfolgreich, privat einsam: Joaquin Phoenix im Film «Her». Foto: PD

Mit der Einsamkeit ist das so eine Sache.

Wenige Menschen würden wohl, wenn man sie fragt, ehrlich zugeben, dass sie sich allein fühlen. Und gemeint ist nicht das punktuelle Alleinsein, das wir durchaus geniessen, weil wir dann endlich mal Zeit für uns haben. Diese Form des Alleinseins beinhaltet ja, dass unsere Lieben (etwa am Abend) zurückkommen.

Müssten wir ein Bild eines einsamen Menschen zeichnen, dann wäre das für viele ein alter Mensch im Heim, der sehnlichst auf Besuch wartet, der nie kommt. Dieses Bild ist zwar nicht falsch, aber es zeigt nur einen Teil der Realität. Aktuelle Zahlen aus Grossbritannien und Frankreich belegen, dass allein in diesen zwei Ländern nahezu 20 Millionen Menschen angeben, dass sie sich häufig oder ständig allein fühlen. Besonders betroffen sind junge Mütter, Geschiedene und über 60-jährige Menschen. Und dies in allen sozialen Schichten.

Ein gesellschaftliches Tabu

Auch althergebrachte Klischees stimmen nicht unbedingt: Nicht jeder Single ist einsam, und nicht alle gebundenen Menschen sind geborgen. Denn Alleinstehende können sich in einem Freundeskreis aufgehoben fühlen, während eine Partnerschaft kein Garant ist, dass man sich nicht allein fühlt.

Einsam zu sein, ist eines der letzten gesellschaftlichen Tabus. Denn welcher aktive und/oder beruflich erfolgreiche Mensch gibt zu, dass er trotz aller Beschäftigungen eine quälende innerliche Leere fühlt? Schliesslich sind wir ja vernetzt und online, und wir haben Dutzende von «Freunde» auf Facebook.

Darauf, dass grassierende Einsamkeit nicht nur ein persönliches, sondern ein gesellschaftliches Problem ist, hat man in Grossbritannien jetzt reagiert. 9 von 66 Millionen Briten fühlen sich häufig einsam. Staatssekretärin Tracey Crouch ist für Sport und Zivilgesellschaft zuständig und wird auch bald Ministerin für Einsamkeit. Sie sei stolz, ein Problem anzugehen, das «eine generationenübergreifende Herausforderung» darstelle, sagte Crouch.

Psychische und körperliche Folgen

Einsamkeitsgefühle können zu Depressionen, Angstkrankheiten oder Zwängen führen. Neu ist die Erkenntnis, dass auch körperliche Leiden wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Demenz die Folge sein können, schreibt der Psychiater Manfred Spitzer in seinem Buch «Einsamkeit – die unerkannte Krankheit».

Wissenschaftlich untersucht werden in diesem Zusammenhang auch:

  • Die Schwächung des Immunsystems: Bei einer Untersuchung unter US-Studenten zeigte sich, dass jene, die sich selber als «einsam» bezeichneten, weniger Antikörper bildeten. Durch die geschwächte Abwehrkraft steigt das Risiko, an Infekten zu erkranken.
  • Kreislaufprobleme: Einsamkeit belastet unser Herz. Angstzustände können zu vermehrter Ausschüttung von Cortisol führen. In der Folge kann der Blutdruck steigen. Wenn dieser Zustand chronisch ist, schädigt er das Herz.
  • Schlechter Schlaf: Einsame Menschen schlafen oft lange nicht ein und wachen früher auf, weil sie negative Gedanken und Sorgen wecken. Tagsüber fühlen sie sich oft gerädert.

Die Grenzen zwischen Gefühlen des Alleinseins und der Einsamkeit sind fliessend. Wie schwer sie belasten, ist individuell und auch eine Sache der Erfahrung, wie gut man im Laufe seines Lebens gelernt hat, mit diesen Gefühlen umzugehen. Vor allem junge Leute sollten merken, dass soziale Medien in vielen Fällen keine echten Freunde ersetzen können. Wichtig ist auch, dass man sich Einsamkeitsgefühle eingesteht und sie nicht durch Aktivität oder Kompensationen überdeckt. Und wenn der Druck zu gross wird, sollte man sich nicht scheuen, (professionelle) Hilfe zu suchen.

Den dritten und wohl schwersten Schritt würde ich als Lebensaufgabe bezeichnen. Nämlich anzunehmen, dass es im Leben immer Phasen von Einsamkeit gibt, die man aushalten muss. Oder, wie der grosse Schauspieler und Regisseur Orson Welles sagte: «Wir kommen allein auf die Welt, wir leben allein, wir sterben allein. Nur Liebe und Freundschaft können uns für einen Augenblick die Illusion verschaffen, nicht allein zu sein.»

77 Kommentare zu «Ein Leiden namens Einsamkeit»

  • Raimondo Civetta sagt:

    Meine Empfehlung: die Welt des Tangos kennen lernen.

  • boerny sagt:

    tja unsere sozis sind halt auch nur steuergeldzweckentfremdemde asoziale die jeden wunsch der asylanten bezahlen..wenn sich ein schweizer dasselbe nicht leisten kann bekommt er rein gar nichts..wir leben auch in einem europa mit absolut behinderten mitmenschen denen die eigenen leute scheissegal sind aber für solche quasi den sklaven spielen

  • SEKALEC Zoran sagt:

    Europa besitzt 2 Gesellschaften . Eine ist kapitalistisch, leistungsbezogen und zu individuell/selbstverliebt. Die andere ist beziehungsorientiert und verbindlicher/authentischer. Der deutschsprachige Raum ist eine „Religion der Arbeit“. Andere Europäer sind Geniesser des Seins, des Zwischenmenschlichen, der Freundschaften. Beides hat Sonnen- und Schattenseiten. Fazit: ein einfaches Leben macht glücklicher.

    • Hans Müller sagt:

      „Der deutschsprachige Raum ist eine „Religion der Arbeit“. Andere Europäer sind Geniesser des Seins, des Zwischenmenschlichen, der Freundschaften. “ Klischierter und falscher geht’s kaum noch. Einschlägige wissenschaftliche Publikationen entkräften Ihre sozialromantische Vorstellung der „geniessenden anderen Europäer“ vs. deutschsprachiger Europäer. Es wird zwar durchaus nicht viel gearbeitet im deutschsprachigen Raum. Aber damit hört der Wahrheitsgehalt Ihrer Aussage auch schon auf. Auch wenn’s sozialverträumt hübsch klingt.

  • Billary sagt:

    Die Einsamkeit wird zum Problem, wenn aus der Langeweile keine Kreativität und Ideen mehr quellen.
    In der Schweiz ist die Problematik meines Erachtens trotz bester Bildung weit verbreitet.
    Ironie: Passt auch zu unseren tollen alles umfassenden sozialen Kompetenzen und Kontakten.

  • Paolo Martinoni sagt:

    Ich für mein Teil bin sehr gerne alleine und die Vorstellung, rund um die Uhr umgeben zu sein von Menschen, ist mir ein Graus. Ich kann mehrere Tage in Folge verbringen, ohne ein Gespräch zu führen. Früher, als ich noch Single war, habe ich auch Wochen in Schweigsamkeit verbracht – ohne mich einsam zu fühlen. Es war sehr schön, erholsam, wohltuend. Ich habe gelesen, gelernt, bin spazieren gegangen im Wald, habe auf dem Sofa liegend meine Gedanken schweifen lassen. Ein Genuss sondergleichen …

  • Marco sagt:

    Die engste Beziehung im Lebens vieler ist leider das eigenen Display geworden. Man shoppt online, bucht online Tickets, kommuniziert online, netflixt stundenlang und hat nur noch FB, Instagramer & ‚Influencer‘ als Freunde. Die Technologiefimen machen uns abhängig, sie versklaven uns und verkaufen es als ‚Zeitgewinn‘. Wir opfern dafür stundenlang Lebenszeit und reale Menschen, reale Freunde, reale Kommunikation, reale Umarmungen. Wir erledigen online die Bank-und Postgeschäfte, buchen online die Ferien, lernen online Sprachen, ja wir studieren und diagnostiziern online, bestellen die Medis in der Online-Apotheke, skypen und whatsappen und fragen uns gleichwohl die ganze Zeit, warum wir uns bei all dem trotzdem so einsam fühlen.

  • Monique Schweizer sagt:

    Für Harvard Studie wurden 15.000 Menschen im Alter zwischen 18 und 28 Jahren zu ihrem Sozialverhalten befragt
    Die Untersuchung hat einen signifikanten Ausschlag gezeigt. Intelligente Menschen sind gerne alleine, es stört sie überhaupt nicht, wenn sie nicht ständig von Freunden umgeben sind.

    Die Forscher vermuten, dass intelligente Menschen fokussiert auf langfristige Ziele hinarbeiten, soziale Interaktionen dabei aber hinderlich, weil ablenkend und störend empfunden werden.
    .
    Von dem her ist alles relativ zu betrachten und die individuellen Präferenzen sind zu berücksichtigen!

    • Juliette sagt:

      Da scheinen mir die Forscher intelligent zu sein. Oder anderes gesagt nicht so abwägig ihre Theorie. Um so wütender wird wohl so ein längerfristig zielgerichtetorientierter Mensch, wenn in Krisensituation an andere angewiesen, seine Entwicklung und das erreichen seinen Zielen dann von Dilettanten oder sonst andersartig grenzüberschreitenden Menschen unterbrochen und oder verunmöglicht wird. Irgendwann bleibt auch er möglicherweise lieber einsam.

      • Juliette sagt:

        abwegig sorry

      • Billary sagt:

        Genau.
        Total abwegig.
        Von A bis Z.
        Intelligenz oder doch eher Dummheit.
        Harvard entzückt mehr dumme als intelligente Gläubige. Zudem ohne genauste Details und nähere Umstände würde ich keiner Studie trauen, die ich nicht selbst geschrieben oder gelogene Antworten entgegen genommen hätte.
        Frau Schweizer meint immer alles noch besser zu wissen als die Realität schon her gibt.

      • Juliette sagt:

        Ja, die (Not)lügen, die können harmlos sein aber auch essentiell, billary

      • Juliette sagt:

        Wenn man sich selbst belügt soll er es von mir aus tun, wenn man andere belügt gibt chaos

      • Juliette sagt:

        Gopf. BC

      • Billary sagt:

        Das mit dem Lügen ist so eine Krux, denke ich. „Lügen“ sind in der Welt doch Standard. Basierend auf widersprüchlichen Ansichten und keiner effektiv gemeinsam definierten wesentlichen Realität? Alle haben doch Ihre eigene meist richtige Sicht auf die Dinge (relativ). Wissenschaft ist doch weitgehend von vordefinierten Konstanten und angepassten bequem bestimmbaren Werten aufgebaut. (Z.B. kein Tag hat wirklich 24 Stunden) 🙂 Es bleibt schwierig eindeutig unmissverständlich zu sein. Menschliche Probleme und Sorgen werden wohl auch konstant bis zum Schluss bleiben.

      • Juliette sagt:

        Meinen Sie vielleicht wenn einer sagt das blau ist grün? Dafür gibt es einheitliche Farbcodes und sonst meine ich wenn ich stelle eine eindeutige konkrete Frage (ohnehin schon mit Vorahnung aus Erinnerungen) dann erwarte ich eine eindeutige richtige Antwort. Nun, wenn jemand ausweicht und mich hinters Licht führt mit Notlüge aus Angst kann es dann später Folgen haben. Da fällt mir ein Angst ist ein schlechter Ratgeber. Das übrige kann ich ihnen zustimnen. Fakt ist im moment, dass ich zu diesem Zeitpunkt Kommentar schreibe☺

      • Juliette sagt:

        Abgesehen davon wurde mir damit die freie Wahl verweigert, die Vorbereitung auf die Tatsache ebenso und nicht zuletzt auch Misstrauen damit ausgesprochen:-)

      • Billary sagt:

        Substanziell zumindest für mich bleibt:
        Alles auf der Welt ist Torheit nur nicht die Heiterkeit.

      • Juliette sagt:

        Torheit aber passiert aus Heiterkeit..

      • Billary sagt:

        Falsch!
        Torheit ist das logische Resultat im dualen System des menschlichen Seins.
        Heiterkeit hilft Menschen, daran nicht ganz zu verzweifeln.

      • Juliette sagt:

        Ja gut, ich habe dabei mehr oder weniger an Fussball gedacht aber im Grunde genommen haben Sie schon Recht. Aber auch die Heiterkeit muss von irgendwo her kommen..

      • Billary sagt:

        Da haben Sie sicher Recht.
        Ohne Instinkt oder Bewusstsein kann es keine Heiterkeit noch sonst irgend eine durch Bildung erfassbare Torheit (Wahrheit) geben, denke ich. 🙂 Alles Liebe, Juliette.

      • Juliette sagt:

        Ohne Selbstliebe, die Liebe zu eigener Heimat zu eigener Kultur – es positiv zu sehen und verstehen – wäre alles nichts. Sonst ich persönlich bin sogar mit denken vorsichtiger geworden. Manchmal
        gelingt es mir besser manchmal weniger gut aber dann mahne ich mich aber in manchen Dingen bin ich halt möglicherweise renitent ☺Auch weiter toi toi toi Billary

      • Billary sagt:

        Mit sich selbst im reinen (lieben) zu sein, ist sicher sehr wichtig. Die weiteren Lieben die Sie anführen, sind mir zwar auch vertraut, aber ehrlich betrachtet ziemlich suspekt wie der Sinn von Ehre dem Vaterland. Das eigene Denken ist in der Welt in der wir Leben unabdingbar. Ohne Denken fehlt jegliches Bewusstsein. Kein Gefühl, gar nichts. Denke oft, für ein Land mit angeblichen Dichtestress, herrscht hier doch sehr viel Einsamkeit. 🙂 L.G. Wettbewerb

      • Juliette sagt:

        Vielleicht gerade das macht das Land so einmalig.

      • Billary sagt:

        Kann sein. Die Einmaligkeit der Einsamkeit diese Landes und Volkes liest sich unter anderen auch deutlich an den Suizid Raten usw. ab. Besonders auffällige Heiterkeit eher weniger. L.G. Unanständig Teuer und Reich.

      • Juliette sagt:

        Billary, wir können uns hier nicht ewig unterhalten aber es hat mich gefreut Sie ‚kennenzulernen“:-)
        noch einmal alles gueti!☺

  • Paolo Martinoni sagt:

    Mir fällt noch Folgendes ein: Wir im Westen und erst recht in der Schweiz begegnen unseren Mitmenschen sehr oft, fast immer mit Misstrauen. Und dieses Misstrauen ist die Wand, die uns von unseren Mitmenschen trennt, eine Wand, die wir selber errichten. In unserem jewiligen Gegenüber sehen wir lieber den Feind als den Freund, den Profiteur als den Helfer, ein Problem als ein Glück – es sei denn, wir wollen ihm etwas andrehen bzw. zu Geld kommen. Und am grössten ist die Wand zwischen Mann und Frau, zwischen den Geschlechtern, wird doch inzwischen jeder Mann a priori für einen Lüstling gehalten … 🙂

  • Thomas Hauser sagt:

    Kompliment, ein hervorragender Artikel Frau Aeschbach! Als uneigennütziger Verein haben wir das Problem ebenfalls schon länger erkannt und betreiben seit ca. über einem Jahr erfolgreich die Plattform sozialkontakt.ch. Die Plattform ist ein guter Anfang um der Einsamkeit entgegenzuwirken und um neue Leute kennen zu lernen. Die Nutzung der Plattform ist selbstverständlich kostenlos.

  • Paolo Martinoni sagt:

    Das, was zu Einsamkeit bzw. zu einem Gefühl von Einsamkeit führt, wird den meisten von uns anerzogen bzw. als gut, erstrebenswert eingetrichtert: Ehrgeizig-Sein, Besser-Sein als seine Mitmenschen, Hart-Sein, Unnachgiebig-Sein, Unermüdlich-Sein, Nützlich-Sein, damit Macht und Geld sich auch verwirklichen lassen. Und uns Männern werden Gefühle eh nicht zugestanden, nicht wirklich, nicht uneingeschränkt, und schon gar nicht die „weiblichen“, so dass wir nur selten, nur dann ganz ehrlich sind, uns nur dann so zeigen, wie wir sind, wenn es uns gut geht. Geht es uns schlecht, behalten wir es für uns, spielen etwas vor … Einsamkeit ist vor allem dort anzutreffen, wo Macht herrscht, ganz oben, obenauf!

    • julia müller sagt:

      N u r dort, wo Macht herrscht? Weiss nicht. Mein Onkel (Pater) hat mir mal erzählt, ein ältere Frau käme fast jeden Tag zu ihm zur Beichte – damit sie wenigstens so mit jemandem sprechen könne, habe sie ihm anvertraut. Im Einkaufszentrum sehe ich jedes Mal fast zur gleichen Zeit den gleichen Mann alleine am gleichen Tisch es Kafi trinke, ich denke, der Grund ist ,dass er so das „pulsierende Leben“ noch ein wenig spüren kann und sein Tag gestaltet/strukturiert ist. Könnte noch sehr viele Beispiele aufzählen.
      Man sollte auch unterscheiden zwischen selbst gewählter/freiwilliger Einsamkeit (in Kommentaren unten beschrieben) und vom Schicksal aufgezwungener/nicht selbst gewählter/unfreiwilliger Einsamkeit. Das sind zwei Paar Schuhe. Das erträgt sich mit grosser Sicherheit nicht gleich gut.

  • Claudia sagt:

    Ich war bis 30 immer wieder über längere Zeit single. Mal fand ich es toll, mal weniger. Aber seit damals fühlte ich mich nie wieder alleine, ich habe mit 35 eine eigene Familie gegründet und seit damals liebe die Momente sobald ich alleine bin. Eigentlich wünsche ich mir sogar noch mehr Zeit alleine…
    Ich glaube, ich habe mich so sehr ans alleine sein gewöhnt, dass ich Zeiten alleine mit mir sehr geniesse. Und persönlich glaube ich, tut es jedem gut über gewisse Zeiträume alleine zu sein.

  • Gabriella sagt:

    Ich war schon als Kind gerne alleine und bin es heute wieder. Nach einem intensiven Familienleben mit drei Kindern und ständig Besuch, habe ich nach der Scheidung herausgefunden, dass für mich persönlich und für meinen inneren Frieden das Alleinsein das einzig wahre ist. Es gibt Menschen, die werden schon als Einzelgänger geboren. So wie es Menschen gibt, die sich nur in eine Gesellschaft wohlfühlen. Sicher treffe ich mit Freunden, bin aber jedes Mal froh um die Stille und Ruhe bei mir zu Hause.
    Das hat auch damit zu tun, dass ich schlecht filtern kann und alle Schwingungen aufnehme. Das ermüdet und laugt mich aus.
    Aber wie schon jemand hier kommentiert hat, ab 17 Uhr, nach der Arbeit, gehört der Rest des Tages mir. Und ich geniesse es jeden Tag aus Neue.

  • Theobald Fankhauser sagt:

    Das ist mitunter ein Grund weshalb das horizontale Gewerbe sowie die Call-Girls/Boys laufen. Den Besuchern geht es oftmals nicht um Sex, viele möchten einfach nur reden und sich im Arm einer anderen Person geborgen fühlen.

  • Werner Boss sagt:

    Vor wenigen Tagen hörte ich einem Gespräch von gescheiten Leuten im Fernsehen zu, welche die zwischenmenschlichen Vorgänge erörterten. Beide Parteien waren sich einig, dass sie sich weitgehend von Humorvollen Leuten angezogen fühlten und sich von den übrigen sachte distanzierten, selbst wenn diese aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage seien, humorvoll zu sein! Das war vielleicht ehrlich, aber aus meiner Sicht eine Schande für unsere Gesellschaft, welche so schleichend verroht und das erst noch mit dem Segen der teuer bezahlten Gebildeten!

    • Warner Bros:-) sagt:

      Da muss ich Ihnen zustimmen. Doch es muss an der Bildung liegen. Schauen Sie sich nur die Wirtschaft an. Bestmöglich grösste Profite herauszuholen. Und wieviel von humanitären Berufen sind wirklich mindestens mässig empathisch? Und mit zunehmend schlechten Erfahrungen zieht es sich immer weiter bis das Vertrauen vollkommen weg ist. Doch ohne Vertrauen geht nichts. Was nun?

    • Veronica sagt:

      Diese Haltung trifft man auf vielen Fören en sie sulchen in Selbstzufriedenheit.

  • Mike sagt:

    Ich frage mich oft, wieviel davon mit unserem Social Media-Konsum zu tun hat. Ich beobachte das an mir selbst – weil man durch Facebook & Co. das Gefühl hat, ständig mit allen in Kontakt zu sein, sinkt das Bedürfnis, sich mit Freunden zu treffen und etwas zu unternehmen, und mit der Zeit sieht man sich weniger und weniger. Dazu kommt das typische Phänomen Ü40, dass der Freundeskreis schrumpft und kaum noch neue dazukommen.

  • Heinz sagt:

    Am einsamsten habe ich mich immer in Beziehungen gefühlt. Das Gefühl der Einsamkeit ist immer auch an ein Gefühl der Machtlosikeit gekoppelt.

    Bei mir hat es klick gemacht, als ich mir selber meine unzulänglichkeiten und versäumnisse verziehen habe. Seither bin ich wieder in guter Freundschaft mit mir und habe mich nun fast 7 Jahre nie mehr Einsam gefühlt.

    Einzig eine Liebesbeziehung habe ich nicht mehr geschaft aufrecht zu erhalten. Mir ist inzwischen recht Rätselhaft wie eine romantische Liebesbeziehung eigentlich schadlos überstanden werden soll.

    • Hanspeter Niederer sagt:

      „Bei mir hat es klick gemacht, als ich mir selber meine unzulänglichkeiten und versäumnisse verziehen habe.“ Selbstannahme sehe ich ebenfalls als einen zentralen Punkt, um es gut mit sich selbst zu haben. Als Input für Sie folgender Gedanke: haben Sie denn den Mut, sich einem Partner gegenüber so zu zeigen, wie Sie wirklich sind oder können Sie das erst sich selbst gegenüber? Wer seein Innerstes vor dem Partner verstecken „muss“, wird nie Vetrautheit und Verbundenheit erleben können.

  • Ursus sagt:

    Eisamkeit ist nicht unbedingt mit „Leiden“ gleichzusetzen. Ich empfinde das Alleinesein am Abend oder am Wochenende als befreiend und anregend. Der gewollte und bewusste Rückzug ins private Schneckenhaus ist für mich eine der letzten noch verbliebenen Freiheiten in einer kommerzgesteuerten Leistungsgesellschaft, die das menschliche Miteinander durch „Kommunikation“ und „Effiezienz“ ersetzt hat.
    Nein, ich leide nicht, ich such die Einsamkeit.

  • Markus Reichmuth sagt:

    Schönes Zitat von Orson Welles, was soll man da noch anfügen? Die Literatur zum Thema wächst trotzdem, auch Peter Sloterdijk mischt mit. Wenn das Thema eine Kugel wäre, leuchteten schon recht viele Spotlights auf… Lassen wir uns von diesen anregen, verlieren dabei Zeit und Umfeld aus den Augen – und geniessen die Einsamkeit in vollen Zügen!

    • Hanspeter Niederer sagt:

      Orson Welles hat sich geirrt. Wenn wir lieben können und erfahrene Liebe auch zuinnerst annehmen können, sind wir nicht allein. Mit „Liebe“ meine ich nicht Bewunderung, Faszination, Abhängigkeit, Hörigkeit.

  • Veronica sagt:

    Frau Aeschbach unterscheidet in ihrem Blog richtigerweise zwischen „Alleinsein“ (gewollt und gewünscht) und „Einsamkeit“ (ungewollt und ungewünscht). Alleinsein ist etwas Tolles. Zeit für sich zu haben und keine Rücksicht nehmen zu müssen. Allerdings ist das eine Gratwanderung, denn aus dem genwünschten Alleinsein kann sehr schnell Einsamkeit entstehen, wenn nicht laufend ein stabiles soziales Umfeld gepflegt wird. Einsam sind denn auch meistens Leute in schwierigen Lebenssituationen (Krankheit, Armut, Alter). Für sie ist es umso schwieriger, damit zurecht zu kommen. Analog zum Sprichwort „Spare in der Zeit, so hast du in der Not“ gilt es halt auch hier: Wie kann ich erwarten, dass ich anderen Menschen wichtig bin, wenn ich mich immer unverpflichtet und unverbindlich verhalten habe?

  • Bornand Marlise sagt:

    Ich liebe interessante Menschen. Nicht langweilige oder frustrierte aber interessante und liebenswertige Menschen. Sie sind jedoch selten. Also sehe ich nicht viele Leute und lese lieber ein gutes Buch, informiere mich über alles, und wandere mit meinem Hund. Wenigstens ER ist loyal und ehrlich und fröhlich. Wenn man kein inneres Leben hat une keine Spiritualität, kann ich mir vorstellen dass man sich langweilt. Nehmen sie doch 2 Büsis : sie werden Freude haben heimzukommen und freude haben aufzustehen : immer ist jemand liebenswertes da und freut sich, wie Sie sich auf freuen werden. Alle Gute.

  • Mona sagt:

    Viele Menschen haben es nie gelernt, allein zu sein. Dabei ist der Friede und die Ruhe mit sich selber das Schönste, was es gibt.

    • Frieda Model sagt:

      Ich habe meinem Exmann mal gesagt er könnte eine Zeit lang doch allein leben bevor er wieder (nach unserer Scheidung heiratet). Er hat gesagt er kann nicht allein sein und er will auch nicht allein sein! So haben wir uns scheiden lassen erst dann wenn er feste Freundin gefunfen hat und zog zu ihr. Und es gab Frieden.

    • Pius Tschirky sagt:

      Bin auch dieser Meinung, Mona. Man kann alles, aber auch gar alles lernen oder eben sich daran gewöhnen. Sehnsüchte aber bleiben auch immer.

      • Veronica sagt:

        Aber Sehnsüchte führen nicht gleich zu Einsamkeit. Man entscheidet selber ob es schöne, wenn auch vielleicht melancholische, Errinnerungen oder Verhängnisse werden.

    • Bornand Marlise sagt:

      genau ! Wenn man ein reges inneres Leben hat und sich an allem positivem Freuen kann ist es einem niemals langweilig. Ein liebes Tier macht es noch schönen zuhause.

  • Sophie Marten sagt:

    Ich (Langzeit-Single) habe mich in meinem ganzen Leben immer nur wirklich einsam gefühlt, wenn ich in einer Gruppe von Menschen war. Wenn ich plötzlich gespürt habe, dass mich gar nichts mit diesen Menschen verbindet.

    • Martin sagt:

      So etwas habe ich jetzt von anderen noch nie gehört. Aber mir geht es genauso. Ich geniesse mein Single-Dasein zutiefst. Das heisst aber nicht, dass ich jegliche Gesellschaft meide. Meistens denke ich aber im Nachhinein, ich hätte nichts verpasst, wenn ich stattdessen meinen Keller aufgeräumt hätte.

      • Carolina sagt:

        Ich schliesse mich dem an! Je älter ich werde, desto öfter fühle ich mich fast entfremdet in Gruppen von Menschen. Meine Familie bedeutet mir sehr viel, aber ich habe zunehmend das Bedürfnis, mit mir allein zu sein. Allerdings: kann man Alleinsein trainieren? Wie ist es, wenn man mal alt und krank wird? Wird dann nicht das (frei gewählte) Alleinsein unter Umständen zu Einsamkeit?

    • Maru sagt:

      SM: Wie wahr! Genauso geht es meinem Mann und mir. Wir sind am liebsten allein zu zweit und geniessen das sehr, denn oft haben wir – genau wie Sie – ebenfalls gespürt, dass uns mit den meisten Menschen rein gar nichts verbindet.

      • Carolina sagt:

        Sorry, aber ‚allein zu zweit‘ ist nochmal etwas ganz anderes, Maru. Der Härtetest (Verzeihung, wenn ich das so sage) steht da aus, nämlich wenn der/die andere nicht mehr gemeinsam allein sein will.
        Im Alter kommt wirkliche Einsamkeit eben oft auf, wenn der Partner verstirbt oder sehr schwer krank wird. Viele Menschen sind in Partnerschaften nicht einsam, egal wie diese nach aussen hin aussieht. Wenn der Partner weg ist, kann man sich nichts mehr vormachen – dann (wieder) zu erlernen, dass Alleinsein ein Segen sein kann, ist leichter gesagt als getan.

  • Pius Tschirky sagt:

    Super haben Sie das geschrieben, Frau Aeschbach. Soviel ich weiss, sagte es Rilke auch so. Er sagte eben, dass wir tief in unserer Seele wohl unser ganzes Leben einsam sein werden.

  • Michel sagt:

    Ich war sehr lange in einer Beziehung und lebe jetzt seit 4 Jahren allein. Es ist mit 50 offenbar nicht leicht eine passende Frau zu finden. Immer alleine zu sein, dass macht schon etwas mit einem. Zumal ich noch das Pech habe, dass ich es auf der Arbeit auch nicht schön habe aber suchen sie mal mit 50 eine neue Stelle. Am meisten fehlen mir die Gespräch abends, niemand hört zu, niemand ist da. Manchmal erwische ich mich dabei, wie ich Selbstgespräche führe. Nach so einer Trennung müssen sich die Leute offenbar für eine Seite entscheiden und da ich weggezogen bin, hat sich fast niemand für mich entschieden. Als Single wirst du aber auch ganz selten eingeladen, warum weiss ich auch nicht. Es ist wie es ist, ich nehme das so an, es war ja auch mein Entscheid so zu leben.

    • Eve sagt:

      Lieber Michel, das Leben wird wieder schön. Glauben Sie mir. Alles ändert sich mal und nichts bleibt wie es ist.

      Lernen Sie ein neues Hobby wie singen, ein Musikinstrument, Malen oder treten Sie einem Sportclub bei.

      Mit 50 sind Sie körperlich und mental noch sehr jung.

    • MO sagt:

      Es gibt heutzutage sehr viele Möglichkeiten, Menschen jeden Alters kennenzulernen; Ferien und Events für Singles, Dating Websites, ect. Dazu braucht es zwar Mut und man muss mit Rückschlägen rechnen, aber ich kenne einige Männer und Frauen in meinem Familien und Bekanntenkreis, welche erfolgreich wieder einen Partner/in gefunden haben – sogar mit 70 Jahren! – für eine feste Beziehung oder einfach, um gemeinsam Abende, Wochenenden und Ferien zu verbringen. Seien sie mutig und zuversichtlich, es lohnt sich!

    • Silvia sagt:

      Lieber Michel Auch ich kenne das. Gehen Sie gerne in Museen? Lese soeben von der Museumsnacht in Bern. Geben Sie sich einen *Ruck“ und gehen Sie hin. Es ist auch schön, nur für einen Moment mit netten und/oder interessanten Menschen ins Gespräch zu kommen. Auch wenn es dann „nur“ dabei bleibt. Silvia

    • Hanspeter Niederer sagt:

      „Manchmal erwische ich mich dabei, wie ich Selbstgespräche führe.“ Was haben Sie denn gegen Selbstgespräche? Wer keine Selbstgespräche führt, mit dem stimmt etwas nicht! Betreffend Job würde ich Ihnen anraten, sich auf Stellen zu bewerben und auch Spontanbewerbungen zu senden an Firmen, welche Ihnen gefallen. Man weiss ja nie. Ich habe jedenfalls mit einer Spomtanbewerbung mit 54 Jahren eine Stelle gefunden.

    • Michael sagt:

      Schaffen Sie sich ein Haustier an – wenn sie bedingungslose Zuneigung wollen einen Hund, wenn sie spüren wollen, gemocht zu werden eine Katze. Mit einem Hund im übrigen beim hundelen, Sie glauben garnicht wie schnell man da Kontakt bekommt.
      Und wenn sie als neuer Single von den ehemaligen Freunden nicht mehr eingeladen werden, machen Sie sich nichts draus. Das waren dann auch keine echten Freunde.
      Machen Sie es wie Eve es Ihnen rät – gehen Sie raus, unternehmen Sie etwas, tun Sie unvernünftige Dinge die sie immer schon machen wollen, treten sie einem Sportclub bei oder lernen Sie, Motorrad fahren. Mit einem Tourer steht Ihnen die Welt offen. Kontakte garantiert.

    • Dita sagt:

      Aller Anfang ist schwer, lieber Michel.

  • Ralf Schrader sagt:

    Ich bin mit Sicherheit nicht der Einzige, welcher seit der Pubertät mehr Zeit allein, als in Gesellschaft verbringen möchte. Ich kann mit zwar Menschen vorstellen, welche Einsamkeit als belastend empfinden. Es gibt aber auch das Gegenteil. Länger als 1 h am Tag und das nur einmal in der Woche ertrage ich die Anwesenheit anderer Menschen schon lange nicht mehr.

    • Eve sagt:

      Wenn Sie sich dabei ok fühlen, warum nicht. Ich habe einen kleinen, aber engen Freundeskreis und empfinde es als schön. Die Abende gehören aber mir alleine. Immer und das ganze Jahr durch. Ab 16h ist Schluss mit anderen.

      Ich denke es geht um die eigene Regenerationszeit. Diese ist bei allen anders und individuell.

      Vor der Einsamkeit im Altersheim muss sich niemand fürchten. Das ist wie eine WG und man ist mit Sicherheit nicht alleine, ob man dann einsam ist, weiss man aber nicht.

    • barbara sagt:

      es geht um ein gefühl, nicht darum, wieviel zeit sie allein, resp. in gesellschaft verbringen. einsamkeit zu spüren oder eben nicht, hat nur mit sich selbst zu tun und nichts mit dem gegenüber.
      als ich mich zu zweit immer einsamer fühlte, habe ich mich getrennt, habe das gefühl eine zeitlang durch aktivismus verschiedenster art verdrängt, irgendwann habe ich mich dem gefühl gestellt und nicht nur einfache zeiten erlebt. heute ist mein leben so aufgegleist, dass ich mich nie einsam fühle.
      ich finde, es ist ein thema, bei dem es sich sehr lohnt, dran zu bleiben, sich ehrlich damit zu beschäftigen und immer wieder neu zu spüren und zu handeln.

      • Eve sagt:

        Ja, ich bin ganz auf Ihrer Seite. Selbst sehr gerne alleine seit ich ein Teenager bin, habe ich früh auf Qualität statt Quantität gesetzt. Ehrlicherweise muss man auch sagen, dass nicht alle Menschen im Umfeld lieb oder nett genug zu einem sind. Distanz ist auf jeden Fall angebracht, nur schon aus emotionalem Selbstschutz. Allerdings wäre es schade für einen selbst, wenn man die Fähigkeit verliert im Umgang mit anderen. Die Frage wie gehe ich mit meinem Umfeld um, ist so ein bisschen wie alle anderen Fertigkeiten. Man verlernt sie und genau das ist schade.

    • Solitude sagt:

      Genau so ist es bei mir auch. Schon als kleines Mädchen sagte ich zu meinen „Gspänli“, wenn sie zu mir zum Spielen kamen schon bald: „Jetzt müend ihr aber wider goo, ich will jetzt allei si“. Als Teenager lernte ich dann meinen jetzigen Mann kennen, den ich als einzigen Menschen rund um die Uhr und mit Freude um mich haben kann und will. Ich bin auch diejenige, die Gäste nach einem Weilchen noch so gerne wieder ziehen lässt und die selber bestimmt niemandem je auf den Wecker fallen wird, weil sie zu lange bleibt.

  • Eve sagt:

    Dazu kann ich nur Robin Williams zitieren: Ich dachte immer, das Schlimmste, was einem im Leben passieren kann, ist allein und einsam zu enden. Das ist es aber nicht. Das Schlimmste im Leben ist, mit Menschen zu enden, die einem das Gefühl geben, einsam zu sein.

Kommentar

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