Die Depression, die vom Darm kommt

Von Kopf bis Fuss

Sie machte den Darm «gesellschaftsfähig»: Die Medizinerin und Autorin des Bestsellers «Darm mit Charme», Giulia Enders. Foto: Franziska Krug (Getty)

Noch vor wenigen Jahren war alles, was mit dem Darm oder mit der Verdauung zu tun hatte, ein Tabu. Doch das hat sich definitiv geändert. Was mit Giulia Enders’ Millionenseller «Darm mit Charme» vor vier Jahren begann, hat viele Nachfolger gefunden, die mit so k(n)ackigen Titeln wie «Alles Scheisse?», «Krebs – und trotzdem lacht der Darm» oder «Schlau mit Darm» an den Erfolg der jungen Medizinerin anknüpfen wollen.

Doch ganz so neu ist das Interesse an dem Verdauungsorgan nicht, das eine Länge von etwa sieben bis acht Metern hat und eine Oberfläche von 400 bis 500 Quadratmetern aufweist. Schon in sehr frühen Kulturen zog man Parallelen zwischen seiner reibungslosen Funktion und unserer Gesundheit. Schon Hippokrates vertrat 300 v. Chr. die These: «Der Tod sitzt im Darm.»

Heute weisen immer mehr aktuelle Studien darauf hin, dass der Darm nicht nur für unser Immunsystem wichtig ist, sondern auch einen Einfluss auf unsere psychische Gesundheit hat. Allerdings stecke die Forschung noch in den Kinderschuhen, sagte Aletta Kraneveld, Professorin für Pharmakologie an der niederländischen Universität Utrecht, gegenüber dem Wissenschaftsportal Spektrum.de. Tatsächlich interessiert sich die Wissenschaft erst seit etwa zehn Jahren für die Kommunikation zwischen Gehirn und Darm.

Der Bauch produziert Glückshormone

Das Bauchhirn ist ein riesiges Nervengeflecht und sitzt in den Wänden unserer Verdauungsorgane zwischen den Muskeln. Es bildet dort eine dünne Schicht, die aus 100 Millionen Nervenzellen besteht, vier- bis fünfmal mehr als das Gehirn oder das Rückenmark. Wissenschaftler sind sich mittlerweile sicher, dass das Bauchgehirn eine Art Kopie unseres Gehirns ist. Darauf deutet vor allem hin, dass in beiden Organen dieselben Hormone, Botenstoffe und Rezeptoren wirken. Auch die Nervenzellen sind identisch.

Wie die Kommunikation zwischen Darm und Hirn allerdings genau abläuft, darüber gibt es noch keine Gewissheit: «Ich vermute, eine Veränderung der Darmflora schlägt sich auf die Aktivität des Immunsystems nieder», sagt Aletta Kraneveld. Jedenfalls weisen Humanstudien darauf hin, dass depressive Verstimmungen mit einer Zunahme von Entzündungsstoffen einhergehen.

Der Zusammenhang zwischen unserer Laune und Glückshormonen wie Serotonin und Dopamin ist unbestritten. «Was allerdings wenige Menschen wissen, ist, dass 95 Prozent des produzierten Serotonins in der Darmschleimhaut hergestellt werden», sagt der Psychiater Josef Hättenschwiler. «Von dort geht es in den Blutkreislauf, kann aber die Bluthirnschranke nicht passieren und so nicht direkt die Stimmung beeinflussen». Ist die Darmflora durch bestimmte Bakterien gestört, kann sich das über zum Teil noch unbekannte Mechanismen auf die Stimmung negativ auswirken.

Aktiv zur Darmgesundheit beitragen

Es ist also durchaus vorstellbar, dass Depressionen nicht zuerst mit der Hirnaktivität in Verbindung stehen, sondern dass der Darm der Verursacher ist. «Vor allem eine ungesunde Ernährung fördert schädliche Darmbakterien», sagt Kraneveld. «Gesunde Kost kann die Symptome verringern, aber diese muss der Patient langfristig durchhalten.»

Aber nicht nur ungesunde Ernährung, sondern auch Stresshormone können die Nerven- und Immunzellen im Darm beeinflussen. Das beweisen Krankheiten wie beispielsweise der Reizdarm. Vielen Darmerkrankungen kann man vorbeugen, indem man versucht, Stress, Anspannung und Ärger zu vermeiden. Zusammen mit einer ausgewogenen Ernährung, dem Verzicht auf Nikotin und zu viel Alkohol sowie genügend Bewegung kann so jeder Mensch zu seiner Darmgesundheit beitragen.

Giulia Enders arbeitet übrigens nicht an einer Fortsetzung des Bestsellers «Darm mit Charme», der in 40 Ländern erschienen ist. Aber es gibt jetzt eine aktualisierte Neuauflage mit einem neuen Zusatzteil. Und auch die angehende Doktorin ist ausserordentlich an der Darm-Hirn-Verbindung interessiert, und dies bei Menschen. «Vorher gab es fast nur Studien an Tieren. Es ist zwar cool, wenn man endlich weiss, wie man den Stress seiner Haustiermaus verringern kann – aber letzten Endes wollen wir wissen: Was passiert bei uns Menschen, wenn es um unsere Laune, Stress oder depressive Verstimmungen geht?», sagte Enders gegenüber Stern.de.

40 Kommentare zu «Die Depression, die vom Darm kommt»

  • Metzger sagt:

    Frikadelle und Bürger ist das selbe Fleisch, nur die Form ist anders!!!!!!!
    Ob Rind oder Schwein, oder gemischt, spielt keine Rolle!!!!!
    Musste ich Mal loswerden als Metzger.

  • andy sagt:

    Mir scheint die Fixierung auf den Darm als Auslöser von Depression sehr eng und wenig sinnvoll. Der menschliche Organismus soll doch als ein Ganzes betrachtet und schlussendlich gelebt werden. Der Tod (Krebs etc.) begleitet alle Lebewesen. Bin zwar kein Fachmann oder Arzt. Dennoch glaube ich viel mehr, dass der Gesundheit eben konstant Sorge getragen werden sollte. Ausgewogene Ernährung, möglichst viel Bewegung und nicht zuletzt sind auch positive Lebenseinstellung mit Liebe, Gedanken, Träumen und Wünschen hilfreich ein rundum zufriedenes Sein zu erleben und wiedergeben.

  • Thomas Schmid sagt:

    Wow welche Erkenntnisse! Für mich mit Morbus Crohn revolutionär. Gut für mich muss ich mich in Zukunft nicht dauernd rechtfertigen wieso ich erschöpft bin und mit Depressionen kämpfe.

    • Simon Bieler sagt:

      Ich habe mal etwas von kolloidalem Silber gehört..aber ich selbst habe damit keine Erfahrung.

      • Simone Michels sagt:

        Das Silber kenne ich auch und nehme es täglich nach der Zahnpflege. Ferner nehme ich jeden Tag hochwertige Probiotika und Präbiotika zu mir. Mein Darm dankt es mir.

  • Ludwig Zeier sagt:

    Deswegen ist Colon-Hydro-Therapie
    so wertvoll. Eine Therapie welche den Mächtigen im Gesundheitswesen gar nicht passt und seit Jahren systematisch aus dem Leistungskatalog verdrängt wird.

    • Simon Bieler sagt:

      In Wikipedia steht , dass es für die Beeinflussung von Krankheiten keine wissenschaftlich anerkannte Belege existieren.

      • Ludwig Zeier sagt:

        Ja das passt. Auch mit Wikipedia kann mit die Leute für blöd verkaufen. Einfach selber ausprobieren, wenn man den Mut dazu hat.:-) Z.B. liegt bei Kopfschmerzen das Problem im Darm.

    • Christian Belthram sagt:

      Grundsätzlich kann man sagen: Wenn eine alternative Behandlungsmethode einen Eintrag im Online-Lexikon Psiram (www.psiram.com) hat, dann ist es Quacksalberei und Abzocke. Die Colon-Hydro-Therapie hat einen Eintrag dort.

      • Ludwig Zeier sagt:

        @Christian Belthram
        Na, dann nennen Sie mir mal eine alternative Behandlungsmethode die nicht auf Psyram steht. Die Betreiber sowie die Autoren dieser Webseite sind ja anonym. Ja wer hat denn da etwas zu verbergen ???

    • Simon Bieler sagt:

      Danke. Ich passe. Im moment.

  • Hanspeter Niederer sagt:

    Die immer wieder bemühte „ausgewogene Ernährung“ ist eine eigentlich nichtssagende Worthülse – ausser sie weist auf die quasi flächendeckend praktizierte ungesunde tierproduktelastige Fehlernährung hin. Wer sich über die Folgen tierproduktelastiger Ernährung im Blutbild informieren will, sei ein Schockvideo auf Youtube empfohlen: nach „SIVJschweiz“ suchen und Beitrag über Dunkelfeldmikroskopie anklicken. En Guetä !

    • Hans sagt:

      Ausgewogene Ernährung ist für jede Person individuell.
      Aber nicht Alle sind Ihrer Meinung, wenn es um die Verteufelung von Tierprodukten geht. Auch Ärzte nicht.
      Ja, da geht es selbstverständlich auch um Interessenskonflikte der Nahrungsmittelindustrie, Pharma, dem Gesundheitswesen und den „Begierden“ und Gewohnheiten der Esser.
      Darum halte ich dagegen, und zwar mit der Banting-Ernährungsvariante von Dr. Timothy „Tim“ Noakes «Medical aspects of the low carbohydrate lifestyle», der Doku «The Magic Pill (2017)», Nina Teicholz‘ «The Big Fat Surprise» oder der Real Meal Revolution von Jonno Proudfoot.
      Es gibt genügend Informationen, um sich selber schlau zu machen. Aber es ist viel schwieriger, sich auf eine ausgewogene, gesunde Ernährung umzustellen.

  • mengold sagt:

    die verbindung darm zu hirn funktioniert auch in der gegenrichtung, siehe das sprichwort “ das (problem) macht mir bauchweh.

    • Karl-Heinz Failenschmid sagt:

      Gehn sie zu einem Volkslauf oder auch Marathon. Da muss nahezu jeder plötzlich schnell noch mal. Und es ist keine Vorsorge, nein, der Darm bzw. die Blase melden sich tatsächlich.

  • Hanspeter Moesch sagt:

    Im Falle von Giulia Enders hätte der Titel ihres Buchs auch der sein können: „Charme mit Darm“. Ich habe ihr Buch mit Begeisterung gelesen, denn der Inhalt ist auch für den Laien nachvollziehbar und verständlich gut geschrieben.
    Im Gespräch mit einem Buchhändler der Buchhandlung in Basel am Bankenplatz erfahre ich: Giulia Enders Buch war 2017 das meist verkaufte Buch in dieser Buchhandlung. Beachtlich, dieser Bucherfolg!

  • Martin sagt:

    Naja, ich bin kein Arzt, aber so falsch kann es nicht sein. Schliesslich nehmen wir über den Darm die Nährstoffe auf und die haben bestimmt einen Einfluss auf unsere Gemütslage. Ich frage mich immer noch, woher wohl der Spruch stammt: „Was ist denn dem/der über die Leber gelaufen?“

  • Ella sagt:

    Was müsste man dann essen um eine Depression, schon im Keim, vorzubeugen ?

  • Peter Kunz sagt:

    Google?
    Hat der einen Magen?
    Hmm!

  • kaul sagt:

    Ob der akademischen gegenseitigen korrekturen, wer was besser weiss – ihr lieben leute – verpasst ihr den kern des artikels! – think!

  • Ralf Schrader sagt:

    Wenn schon, dann bitte 86 Mrd. 100 Mrd. galt bis vor knapp 10 Jahren, war aber auf Grund falscher Hochrechnung entstanden.

  • zweistein sagt:

    Sensation ! Die Lügenmedien entdecken den Darm. 100 Punkte !

    • Ralf Schrader sagt:

      Lügenmedienmässig begann es gleich im 1. Satz:

      ‚Noch vor wenigen Jahren war alles, was mit dem Darm oder mit der Verdauung zu tun hatte, ein Tabu.‘

      Das Bauchhirn war den Anatomen des 17-18. Jahrhunderts wohlbekannt und seitdem die bisher immer noch unbewiesene Hypothese, Serotonin wäre ursächlich an Depression beteiligt, in der Psychiatrie aufkam, war dessen Stoffwechsel ausreichend bekannt.

      Also, alles uralter Hut laienverständlich aufbereitet.

      • Marcus Ballmer sagt:

        Sie sollten mit dem Kopf denken, Zweistein, und nicht mit dem Teil, das hier Gegenstand der Diskussion ist.

  • Lucas Cannolari sagt:

    Es wäre hilfreich, wenn Wellness-Experten sich möglichst nicht zu medizinischen Themen äussern würden. Leider stimmt wie so oft vieles hier nicht.

    • Silvia Aeschbach sagt:

      Lieber Kommentar-Schreiber, Sie haben durchaus recht. Als Wellnessschreiberin-bitte auf Ihre Rechtschreibung achten- ist man in der Tat etwas beschränkt, also was die Intelligenz betrifft und so. Und weil ich das natürlich eingesehen habe, durfte ich Fachleute zitieren, die hoffentlich vor Ihren Augen Gnade finden. Schöne Sunntig!

  • Jacques sagt:

    Zu Hippie-Zeiten gab es auch den Gruss: „Geht es Deiner Verdaung gut; alles gut“. Es gibt gibt ja auch eine Nervenverbindung, den Vagusnerv (Sympathikus, Parasympathikus, wie vegetatives Nervensystem). Darum können wohl die Nerven auch auf den Magen schlagen. (Die einten reagieren mit Blockade, andere bekommen Heisshunger). Habe darüber schon im „Spiegel“ unter Medizinisches gelesen.

  • Peter Huber sagt:

    Sehr geehrter Herr Stoffer. Ich habe das auch sofort gesehen und wollte einen Hinweis auf diesen Fehler schreiben, als ich auf Ihren „völligen Schwachsinn“ stiess, in dieser Art dreinzuhauen. Dass Sie Glücksgefühle haben, wenn Sie so auftreten ist das eine, bei anständigen Menschen erzeugen Sie Ärger, will sagen: Stress. Aber Menschen können lernen und vielleicht haben Sie sich das letzte Mal in dieser Weise auf Kosten anderer, auch der Autorin, gehen lassen. Einen schönen Tag wünsche ich Ihnen.

  • werner boss sagt:

    Mag man sich über die Anzahl Neuronen streiten, ich finde diesen Bericht sehr zutreffend! Man denke nur alle schichtarbeitenden, welche keine Möglichkeit haben ein für sie persönlich passendes Essen zu geniessen! Das zerrt an der Lebensqualität! Manchmal ist es aber auch der blosse gesellschaftliche Druck, welcher das richtige Essverhalten behindert.

  • Chris Stoffer sagt:

    „Es bildet dort eine dünne Schicht, die aus 100 Millionen Nervenzellen besteht, vier- bis fünfmal mehr als das Gehirn oder das Rückenmark.“

    Das ist völliger Schwachsinn. Das Gehirn hat gegen 100 Milliarden Neuronen, also 1000-mal mehr als die 100 Mio des Darms. Hätte man durch eine einfach Google-Suche herausfinden können…

    • Jennifer sagt:

      Schwachsinn hin oder her, Hauptsache ist, irgendwas hat der Darm auch mit dem Gemüt zu tun. Das haben wir ja vorher nicht gewusst. Tatsache ist wohl, dass beim bestehenden Überangebot an sog. Lebensmitteln gar nicht soviel dabei ist, was dem Körper auf die Dauer wirklich guttut. Wenn ich im Supermarkt die extreme Auswahl an Produkten sehe, denke ich: künstlich, dickmachend, überzuckert, stoffwechselbelastend, tierleidverursachend, umweltschädlich… Aber wenn alle nur noch Biosalat und -gemüse aus heimischer Produktion essen, gibt es einen Engpass. Im Darm weniger, aber sonst. Jedenfalls muss man schon auf die Ernährung achten. Bin froh, hab ich Burger usw. nie gemocht. Finde auch total ekelhaft, wie Leute dauernd öffentlich was mampfen, z. B. im ÖV. So ist der Darm bestimmt nicht happy.

      • Chris Stoffer sagt:

        Ein Burger ist völlig ok, solange Sie in selbst machen, also das Hackfleisch kaufen und selbst zum Burger machen.

        Es ist auch heute relativ einfach gesund zu essen. Einfach nichts kaufen, dass „industriell verarbeitet“ wurde. Dazu gehört zb. der Fertig-Burger, Cornflakes, fruit loops und der ganze Quatsch (ungezuckerte Haferflocken nehmen), fruchtsäfte (sehr ungesund! Zucker!), Chips, Guetzli, usw.
        Das Hauptproblem ist, dass all diese Fertigprodukte Zucker drin haben und die Faserstoffe entfernt wurden für bessere Haltbarkeit.

      • Jennifer sagt:

        Chris Stoffer – Selbstgemacht wäre es aber eine Frikadelle. Kein Burger! Eine Rösti ist ja auch kein Kartoffelgeschnetzeltes, und ein Fondue kein Käseeintopf. Oder?
        Völlig „o.k.“ ist gar nichts mehr. Wahrscheinlich war es das nie. Doch jetzt macht die Zivilisation m. E. wirklich einen Salto, und das drückt sich u.a. in Ernährungs- und Verdauungsproblemen aus, die man bei denen feststellt, die in einem nie zuvor dagewesenen Überfluss leben. Einen Reizdarm kann man sich in der Steppe nicht erlauben.
        Ach so, „Faserstoffe entfernt“?! Wie bitte? Wo? Dem möchte ich mal nachgehen.

  • Markus Scheu sagt:

    Das „Bauchhirn“ ist entwicklungsgeschichtlich wesentlich älter als das „Hirnhirn“. Es sind auch nicht 4-5x mehr Nervenzellen als im Hirn – das Gehirn besteht aus etwa 100 Milliarden Nervenzellen (entsprechend etwa der Zahl Sterne in dem uns bekannten Universum). Das als Ergänzung zum interessanten Thema.

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