Essen Sie nur das, worauf Sie Lust haben!

Entspricht nicht dem Hollywood-Klischee: Die ungeschminkte Schauspielerin Drew Barrymore isst nach eigener Aussage «nur das, worauf ich Lust habe». Foto: Instagram drewbarrymore

In der westlichen Welt grassiert ein Ernährungswahn, der immer absurdere Blüten treibt. Für viele Menschen werden die Besser-Esser-Gruppierungen zu einer Art Ersatzreligion, der Teller wird zum Schmelztiegel von Emotionen, Profilierung und Selbstinszenierung. Doch statt auf Versprechen von Ernährungsgurus der diversen kulinarischen Disziplinen wie Low Carb, No Carb, Slow Carb, Flow Carb, Yo Carb, Vegan, Pegan, Paleo oder Clean Eating reinzufallen, kann man gesunde Ernährung ganz einfach umsetzen: intuitiv essen!

Die Beweise fehlen

Unterzieht man die aktuelle Studienlage der aktuellen Ernährungswissenschaften einer kritisch-objektiven Analyse, frei von Ideologien und Lobbyismus, dann ergibt sich ein klares Fazit: Es gibt keinen einzigen Beweis für gesunde Ernährung. Niemand weiss, welche Lebensmittel dick und krank machen oder gesund und schlank halten. Stattdessen gilt: Essen ist so individuell wie der Fingerabdruck.

Es gibt daher so viele gesunde Ernährungen, wie es Menschen gibt, denn: Jeder Mensch is(s)t anders. Vertrauen Sie beim Essen also nur auf sich selbst, auf Ihren eigenen Körper – denn wer ausser Ihrem Organismus sollte besser wissen, welche Nährstoffe Sie benötigen? Niemand! Essen Sie daher nur dann, wenn Sie echten Hunger haben, und zwar nur das, worauf Sie Lust haben, was Ihnen schmeckt und was Sie gut vertragen – so einfach ist intuitives Essen.

Körperintelligenz fördern

Empfehlenswert ist dabei auch Folgendes: Lassen Sie sich immer wieder von bis dato unbekannten Genüssen inspirieren und probieren Sie stets Neues aus der lukullischen Vielfalt, die sich uns heute bietet. Denn diese kontinuierliche Erweiterung des Nahrungsspektrums erweitert auch gleichzeitig Ihre individuelle kulinarische Körperintelligenz, das heisst, das Wissen des Körpers vom Wert unterschiedlicher Nahrung (gespeichert im Kopf- und Bauchhirn, dem enterischen Nervensystem) wird grösser.

2016 kam eine Studie der Obesity Society nach Analyse der Daten von mehr als 60’000 Probanden (männlich/weiblich) zu folgendem Ergebnis: Intuitives Essen (IE) korreliert in umgekehrter Weise mit Übergewicht und Fettleibigkeit. Der Zusammenhang, «je mehr IE, desto weniger Übergewicht und Adipositas», unterstreiche die Wichtigkeit von IE. Obwohl keine Kausalität dieser Beziehungen abgeleitet werden kann, deuten die Daten darauf hin, dass IE eine relevante Rolle sowohl bei der Prävention als auch bei der Behandlung von Fettleibigkeit spielt.

Gut für die emotionale Stabilität

Ein systematischer Review untersuchte insgesamt 24 Studien. Das Ergebnis: IE ist bei erwachsenen Frauen mit zahlreichen psychosozialen Faktoren positiv assoziiert, so beispielsweise mit weniger Essstörungen, einem besseren Körpergefühl und mehr emotionaler Stabilität.

Bereits 2015 konnten Wissenschaftler zeigen: Frauen mit einem hohen IE-Level haben einen signifikant niedrigeren BMI als Frauen mit mittlerem und niedrigem IE-Level. Um ein gesundes Gewicht zu erreichen, sei IE besser als «restriktives Kalorienzählen».

Das letzte Wort haben die Autoren einer Studie der Academy of Nutrition and Dietetics von 2014, die zusammenfassend feststellen, dass in Untersuchungen, in denen zu IE ermutigt wurde, positive Effekte auf die Probanden beobachtet werden konnten: Ungesunde Verhaltensweisen zur Gewichtskontrolle werden aufgegeben, die metabolische Fitness wird verbessert, die Zufriedenheit mit dem eigenen Körper, die Selbstachtung und die psychische Gesundheit gesteigert sowie Psychostress gemindert.

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