Kann ein T-Shirt die Haltung verbessern?

Da hilft wohl auch kein T-Shirt mehr: Büroangestellter in Nussgipfel-Haltung. Foto: istock/gilaxia

Funktionelle Kleidung soll durch spezielle Muskelstimulationen dafür sorgen, dass sich Rückenprobleme und Verspannungen verbessern. Verantwortlich dafür sind die in den Kleidungsstücken integrierten Neurobänder, die wie Kinesiologie-Tapes wirken. Die junge Firma Anodyne vertreibt diese neuartigen Shirts, BHs und anderen Kleidungsstücke in Europa. Die sogenannten Posture Shirts, haltungskorrigierende T-Shirts, kommen aus den USA. Dort hat sie Fabian Hofmann, heute Geschäftsführer von Anodyne in der Schweiz, auch entdeckt. Der ehemalige Spitzensportler litt während des Studiums selber unter den Folgen des zu langen Sitzens und suchte nach Möglichkeiten, seine Beschwerden zu lindern.

Als Schreibtischtäterin mit (zu) wenig Bewegung gehöre ich definitiv zum Zielpublikum. Obwohl ich mich immer wieder auf meine Haltung konzentriere, erschrecke ich manchmal, wenn ich mich im Spiegel sehe. Wie mir schon mein Lehrer während meiner Schulzeit unter die Nase rieb: «Du hast die Haltung eines Nussgipfels.» Vor allem wenn ich müde bin, finde ich es anstrengend, während längerer Zeit aufrecht zu sitzen. Die Folge: Ich leide regelmässig unter Nackenverspannungen und Kopfweh.

Erinnerung an Spanx-Unterwäsche

Dabei merke ich, dass ich mich besser und selbstbewusster fühle, wenn ich eine aufrechte Haltung einnehme. Die enge Verbindung zwischen Körper und Psyche wird wissenschaftlich immer wieder untersucht. Man kann sich die Reizverarbeitung des Körpers in Beziehung zur Psyche als Netzwerk vorstellen, das von allen Seiten angreifbar und somit auch modellierbar ist. Deshalb ist es möglich, durch einen aufrechten Gang auch die Informationen zu beeinflussen, die unser Körper an das Gehirn weiterleitet.

Die Posture-Shirts von Anodyne. Foto: instagram.com/anodyne.dach

Ich beschliesse also, ein Shirt zu bestellen. Anodyne bietet an, das ausgesuchte Stück 14 Tage kostenlos zu testen. Wichtig ist der perfekte Sitz. Das Produkt muss körperanliegend sein, damit die Neurobänder genügend Zug ausüben können.

Als ich das schwarze, elastische T-Shirt in den Händen halte, erinnert es mich an meine figurformende Spanx-Unterwäsche. Das Anziehen ist etwas umständlich, aber danach sitzt das Shirt wie eine zweite Haut, und zaubert – ein hübscher Nebeneffekt – eine schlanke Silhouette. Etwas euphorisiert mache ich einen Fehler: Ich trage das Shirt am ersten Tag viel zu lang und fühle mich am Abend dadurch etwas eingeengt. Dabei wird empfohlen, die Kleidung anfänglich höchstens eine Stunde zu tragen, damit der Körper sich an das Oberteil gewöhnen kann.

Fazit

In den 14 Tagen, an denen ich das Shirt regelmässig getragen habe, hat sich meine Körperhaltung sichtbar verbessert. Ich litt weniger unter schmerzhaften Nackenverspannungen. Ob es die Wirkung des Shirts war oder einfach das bessere Bewusstsein für meinen Körper, ist schwierig zu sagen. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass diese Art der sanften Muskelstimulation eine positive Wirkung hat. Ich behalte mein Shirt jedenfalls. Natürlich ersetzt es kein Rückentraining, aber es erinnert mich daran, mich wieder mehr zu bewegen.