Gute Kosmetik muss nicht teuer sein

Ob High-End oder preisgünstige Pflegeprodukte – es gibt für beides gute Argumente. (Foto: Getty Images)

Teuer ist nicht gleich besser: Das gilt auch in der Beautybranche. Auch wenn ich als Beautybloggerin unglaublich gerne über exotische Inhaltsstoffe schreibe und mich regelmässig von luxuriös verpackten Produkten verführen lasse, kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass es grossartige Feuchtigkeitscremen für weniger als 10 Franken gibt, und mein aktueller Lieblings-Nagellack kostet nicht mal fünf Franken

Eine ganze Reihe von Budget-Marken wie The Ordinary aus Kanada, Yves Rocher oder auch Made in Sephora machen zurzeit ihren Luxus-Konkurrenten ganz schön die Hölle heiss dank wirksamen Wirkstoffen in Budget-Ausführung, und genau die Dosierung dieser «Actives» ist in der Hautpflege der Schlüssel. In jeder Preiskategorie genügt meist ein Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe: Je weiter hinten die fett angepriesenen Powerplayer-Wirkstoffe aufgezählt werden, desto tiefer ist ihre Konzentration im fertigen Produkt.

Bei der Wahl eines neuen Beautyproduktes kann man sich aber auch folgende Frage stellen: Wie lange bleibt es auf meiner Haut? Je länger, desto hochwertiger können – und sollten – die Inhaltsstoffe sein. (Genauere Informationen für Konsumenten gibts in der sogenannten INCI-Liste [International Nomenclature Cosmetic Ingredients]. Diese kann u.a. hier als PDF heruntergeladen werden, sowie als App für iOS oder Android.)

Voll Budget: Hier dürfen Sie ruhig auf Günstiges setzen

  • Seifen und Shampoos: Reinigungsprodukte haben einen Job zu erfüllen: Schmutz und Talg sanft zu entfernen. Da man beim Reinigen von Haut und Haar in der Regel keine (teuren) Pflegewirkstoffe zufügen kann, kann man hier getrost auf günstige Produkte setzen.
  • Mascara: Wachse, Pigmente und Fasern kosten nicht viel und lassen sich auch in günstige Formulierungen verpacken, zum Beispiel von Maybelline, Essence oder NYX. Und selbst eine teure Mascara sollte aus hygienischen Gründen nach drei Monaten ersetzt werden.
  • Sonnenschutz: Sowohl mineralische wie auch chemische Sonnenschutzfilter müssen die Haut auf möglichst verträgliche Art vor UV-Strahlung schützen. Ihre Wirksamkeit wird sowieso geprüft – ob in teurer oder günstiger Verpackung – und Sonnencremen von Discountern wie Lidl oder Spar schneiden in Tests sehr gut ab.

Pro Luxus: Wo es sich lohnt, tiefer in die Tasche zu greifen

  • Lidschatten: Make-up-Pigmente sind teuer. Je intensiver ein Lidschatten pigmentiert ist, desto länger hält er auf dem Augenlid und desto schöner ist in der Regel das fertig geschminkte Resultat. Teurere Brands sind auch ergiebiger.
  • Gesichtspflege: Aktive Wirkstoffe wie Fruchtsäuren, Vitamine oder Koffein kosten deutlich mehr als Feuchtigkeitsträger wie Glyzerin oder Hyaluronsäure. So packen in der Regel teurere Marken auch mehr dieser teuren Rohstoffe in ihre Pflegeprodukte. Besonders bei Anti-Aging-Produkten lohnt sich die Investition in ein etwas teureres Produkt also durchaus.
  • Pflegespülung und Haarmasken: Conditioner und Masken sind Emulsionen (das heisst, dass sie Öle oder Wachse enthalten, die sich nicht mit Wasser vermischen). Deshalb haften die pflegenden Inhaltsstoffe auch nach dem Ausspülen am Haarschaft. Gerade bei langem oder chemisch behandeltem Haar liefern teurere Produkte oft schlicht das schönere Resultat.

Diese Tipps basieren auf meiner Erfahrung als Beautybloggerin und Viel-Testerin, die jährlich Hunderte Kosmetikprodukte (aus allen Preisklassen) anwendet sowie auf Gesprächen mit Dermatologen und Kosmetikerinnen.

11 Kommentare zu «Gute Kosmetik muss nicht teuer sein»

  • Michael sagt:

    Discounter wie Spar? Excuse me? Spar hat gehobenere Preise.

  • maia sagt:

    Wofür benötigt man Anti-Aging-Produkte? Ich habe noch von keinem gehört, das etwas nützt. Pflegespühlung kann man problemlos mit verdünntem Essig ersetzen und machen nur die Haare schwer (eben gerade wegen den Ölen und Wachsen, die kaum mehr auspühlbar sind. Es gibt also noch ein seh viel grösseres Sparpotenzial, aber Noldi Schwarz aht vermutlich schon recht: Damit lässt sich nichts verdienen.

  • Jacques sagt:

    Bebe-Produkte sind vielfach hochwertig, und nicht allzu teuer. Schon wegen dem ‚Image‘ gut getestet und mild. Ich verwende als Mann oft mildes Bebe-Shampoo (Produkt Geschmackssache), da ich oft die Haare wasche.

  • tststs sagt:

    Eigentlich ist es so:
    Ein günstiges Produkt wurde aus günstigen Rohstoffen hergestellt.
    Ein teueres Produkt KANN, MUSS aber nicht aus teureren Stoffen hergestellt werden. Und hier wird es eben als Endkunde schwierig: Dazu braucht man Einblick in die Herstellungsprozesse, nur so kann ich erfahren, ob das zusätzliche Geld für hochwertige Stoffe verwendet wird, oder ob ich einfach den Namen mitbezahle.

    (Wobei natürlich nicht gilt: günstig=schlechter)

    • Jacques sagt:

      @tststs: Ich hatte vor längerer Zeit (70-er) eine 4 jährige Drogistenlehre absolviert. Da lernt man u.a., Basisprodukte wie ‚Cold Creme‘ oder gar med. Salben selbst herzustellen. In der Gewerbeschule hatten wir einmal viele Produkte nach div. Kriterien im Labor getestet. Liste wurde nicht veröffentlicht. Jana (dazumals) von Migros schnitt sehr gut ab. (Stammte ev. von Juvena). Kosmetika sind Pflegemittel (es gibt schon versch. Qualitäten), aber keine Wundermittel. Der höhere Preis, wenn gerechtfertigt, ist meist die Parfümierung. Eben – wie bei Parfums. Da gibt es tatsächlich teure Inhaltsstoffe. (z.B. Rosenöl).

  • Marta sagt:

    Also, Hyaluronsäure ist weder billig noch einfach irgend ein Feuchtigkeitsspender. Es wird sowohl im Labor zur Züchtung von Haut als auch in der Medizin bei Wundauflagen verwendet, weil es bei der extrazellulären Vernetzung der Haut eine wichtige Rolle spielt.
    Wohingegen Haut auch gut ohne Fruchtsäuren und Koffein leben kann.
    Tja, dieser Artikel ist dann wohl postfaktisch.

    • Jacques sagt:

      Koffein wirkt aber innerlich und (seit einiger Zeit) auch äusserlich angenehm. Stimuliert Durchblutung und prickelt angenehm auf der Haut. Wirkt aber nur kurz. (Halbwertszeit). Etwa im Haarwasser, nützt es nichts – schadet es sicher auch nicht. Einfach frisch.

  • Henriette sagt:

    Ich bedanke mich für diesen sehr infomativen Beitrag. Ich werde beim nächsten Einkauf ihre Tipps beherzigen.

    • Noldi Schwarz sagt:

      Geanu das ist der Zweck dieser Blogs. Heriette, wenn Sie wüssten was die Dame mit ihren Empfehlungen verdient, würden sie ihren Einkauf wohl sein lassen.

      • Henriette sagt:

        Lieber Noldi, da kennen sie mich schlecht, ich bin eine bekennende Kosmetikkonsumentin, ohne Schminke gehe ich nicht einmal in die Migros. Seit ich Geld verdiene, ist das so, enden wird das hoffentlich erst mit meinem Ableben.

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