Best of: Wie schnell kann ein Mann wieder Sex haben?

Dieser Beitrag erschien erstmals am 23. März 2017.

In der «absoluten Phase» ist der Mann für erotische Reize nicht empfänglich. Bild: Raisa Durandi

Wieso können einige Männer mehrmals hintereinander Sex haben, wohingegen andere gleich nach dem ersten Mal fast einschlafen?

In den Sechzigerjahren haben die Sexualforscher William Masters und Virginia Johnson die physiologischen Reaktionen von Frau und Mann auf sexuelle Stimulierung erstmals in einem Modell festgehalten. Dieser sogenannte sexuelle Reaktionszyklus besteht aus den vier distinkten Phasen Erregung, Plateau, Orgasmus und Resolution – auch Refraktärphase genannt. Dabei beschreibt die Refraktärphase den Zeitraum nach einem Orgasmus, in dem der Körper in seinen ursprünglichen unerregten Zustand zurückkehrt und in dem ein weiterer Orgasmus physiologisch unmöglich ist.

Einige Experten teilen die Spanne weiter in eine «absolute Phase», bei welcher der Mann nicht einmal für die ausgefallensten sinnlichen Reize empfänglich ist – und in eine «relative Phase», bei der gewisse erotische Reize wieder den erwünschten Effekt zu erzielen vermögen. Die Dauer der Refraktärphase variiert bei Männern stark und ist von einer Vielzahl von Faktoren abhängig.

Ein Hormon im Fokus

Generell haben ältere Männer eine längere Ruhepause. Sie kann zwischen 12 und 24 Stunden dauern, bei einigen sogar einige Tage. Bei gesunden Männern zwischen 22 und 31 Jahren gilt laut wissenschaftlichen Studien eine Refraktärphase von 19 Minuten als die statistische Norm. Aber auch hier gibt es Ausnahmen. Denn natürlich spielt auch die seelische und körperliche Verfassung zum Zeitpunkt des Koitus eine Rolle. Doch nicht nur: Denn die Experten sind sich nach wie vor nicht ganz sicher, was diese starken Unterschiede in der Dauer der Refraktärphase zwischen den einzelnen Personen bewirkt. Sie vermuten als grundsätzliche Ursache hormonelle und neurochemische Veränderungen, die unmittelbar nach dem Orgasmus auftreten.

Hauptakteur scheint dabei das Hormon Prolaktin zu sein, welches kurz nach dem Orgasmus vermehrt ausgeschüttet wird. Dabei scheint das vermehrte Prolaktin nach dem Sexakt das psychische Gefühl der Sättigung und Befriedigung hervorzurufen. Durch eine negative Rückkoppelung wirkt es dabei gleichzeitig hemmend auf die Sexualzentren im Gehirn, sodass die Erregung abflacht und Sex vorerst kein Thema mehr ist. Auch beeinflusst es peripher die Erektionsfähigkeit, indem es die Entspannung der glatten Muskulatur im Schwellkörper des Penis verhindert.

Bei Frauen ist es anders

Beide Mechanismen bewirken letztlich, dass eine erneute Erektion unmittelbar nach dem Samenerguss bei den meisten Männern nicht möglich ist. Es gibt Fallstudien von multiorgastischen Männern, welche innerhalb von Minuten zwei bis drei Orgasmen haben können. Bei diesen Probanden fand sich in der Tat kein Anstieg des Prolaktinwerts nach der Ejakulation. Zwar gibt es keine offiziell genehmigten Präparate, die zur Verkürzung der Refraktärzeit eingesetzt werden, Berichten zufolge können jedoch PDE-5-Hemmer wie Viagra und Cialis die Spanne erheblich senken.

Frauen haben übrigens keine Refraktärphase wie sie die Männer kennen. Sie können sich aber nach dem Orgasmus müde und ermattet fühlen (auch postkoitale Müdigkeit genannt), was ebenfalls zu einem temporären Desinteresse an sexuellen Aktivitäten führen mag.

Sexualwissenschaftlerin Andrea Burri beantwortete einmal wöchentlich eine Leserfrage zum Thema Sexualität und Liebe.