Best of: Schädliche Intimrasur

Die Autorin ist in den Ferien. Deshalb publizieren wir Postings aus den vergangenen Monaten, die besonders viel zu reden gaben. Dieses erschien erstmals am 4. Dezember 2016.

Von Kopf bis Fuss

Kein Trend, sondern ein Muss: Intimrasur bei Frauen. Foto: VladimirFLoyd (iStock)

Nur kein Härchen zu viel! Vor allem für jüngere Leute sind Haare am Körper und besonders im Intimbereich «igitt». Mädchen beugen sich so nicht selten dem Gruppendruck und wollen den jungen Männern gefallen, die Haare im Schambereich, auch bei sich selber, hässlich finden. Und es wird alles unternommen, um wirklich glatt und haarlos zu sein. Vom Rasieren übers Waxen bis zum Einsatz von Enthaarungsmitteln, Lasern und Elektrolyse wird alles gegen den haarigen Feind unternommen, der als unhygienisch und unattraktiv gilt. Nackte Tatsachen sind nicht nur in der Pornoindustrie beliebt, sondern auch bei den Stars und Sternchen: So erregte das Model Chrissie Teigen vor kurzem grosse mediale Aufmerksamkeit, als es sich auf dem roten Teppich untenrum entblösste. Ob Zufall oder Absicht, darüber kann gerätselt werden.

Ist die Totalrasur also nur Geschmackssache? Nein, nicht nur. In letzter Zeit äussern sich immer mehr Ärzte kritisch zur Haarlosigkeit. So fordert die amerikanische Ärztin Emily Gibson, Direktorin des Studenten-Gesundheitszentrums an der Western Washington University: «Unsere Obsession mit haarlosen Genitalien muss aufhören!» Auf Alternet.org schreibt sie: «Schamhaar hat eine Funktion. Es ist ein Schutzkissen gegen Reibung, bietet Schutz vor Erregern – und ist nichts, wofür man sich schämen muss.»

Auch die Zürcher Frauenärztin Ivrea Florio hat das Gefühl, dass der Druck, haarlos zu sein, zunimmt: «Schon lange kann man hier nicht mehr von einem Trend reden, sondern von einem Muss.» Ähnlich wie ihre amerikanische Kollegin sieht sie Gefahren, die mit der Intimrasur verbunden sind und gewisse Vorteile der Schamhaare:

  • Schamhaar schützt gegen mechanische Reibung, die diesen empfindlichen Teil des Körpers irritieren kann. Es sorgt auch dafür, dass weniger Bakterien und andere Erreger in die Scheide eindringen. Zudem dämmt es den Wärmeverlust der Haut.
  • Je grösser die Kontaktfläche der Haut ist, desto einfacher können sich sexuell übertragbare Krankheiten übertragen, zum Beispiel Herpes. Zudem ist die Haut im Schambereich oft durch das häufige Rasieren, Epilieren und Waxen mechanisch gereizt und irritiert. Dazu kommt dann noch die mechanische Reibung beim Sex: Auf einer so beanspruchten Haut können Bakterien und Pilze leichter anhaften. Wenn die Reizungen dann noch im feuchten und warmen Milieu entstehen, freuen sich Keime, Pickel und Genitalwarzen.
  • Durch das Rasieren können kleinste Verletzungen entstehen, die sich zu Haarbalgentzündungen oder kleinen Abszessen entwickeln. Ausserdem häufen sich Phlegmone, eine sich diffus ausbreitende Infektionskrankheit der Weichteile, an Schamlippen, Hoden und Penissen. Durch die Verwendung von Lasern kann es auch zu Verbrennungen kommen.
  • Die Theorie, dass Schamhaare unhygienisch sind, stimmt nicht. Bei normaler Körperhygiene sind Schamhaare nicht schmutziger als Kopfhaare.
  • Schamhaar kann durchaus die sexuelle Attraktivität steigern. Neben dem Schutz vor Keimen hat die Behaarung die Funktion, Pheromone zu verteilen, die die sexuelle Anziehungskraft auf den Sexualpartner fördert.

Wer trotzdem auf haarlos setzt, sollte unbedingt eine konsequente Hautpflege betreiben. «Dies mit rückfettenden und unparfümierten Produkten», sagt Ivrea Florio.

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