Wie lange dauert der sexuelle Akt?

Wer hat an der Uhr gedreht? Im Bett spielt Zeit eine grosse Rolle. Foto: Raisa Durandi

Mein Mann kommt bereits nach zwei Minuten Geschlechtsverkehr, und das seit Jahren. Entspricht dies dem Durchschnitt? Was können wir tun, um den Höhepunkt vielleicht ein wenig hinauszuzögern?

Die Zeit ab dem Einführen des Penis in die Vagina bis zur Ejakulation nennt man Intravaginale Ejakulations-Latenzzeit,  kurz IELT. Diese dient bei Studien und in der klinischen Diagnostik als Definitionskriterium beim vorzeitigen Samenerguss. Sie weist einen abgrenzbaren Start- und Endpunkt auf und ermöglicht so objektive Vergleiche.

Der vorzeitige Samenerguss betrifft ungefähr ein Drittel aller geschlechtsreifen Männer. Natürlich stellt sich sofort die Frage, was «vorzeitig» eigentlich bedeutet: Eine Minute? Zehn Minuten? Nach wie vor existiert keine einheitliche Definition davon, doch folgende zentrale Aspekte finden sich in fast allen Definitionen wieder: kurzer Geschlechtsverkehr, verminderte Kontrollwahrnehmung, persönlicher Leidensdruck und Belastung in der Beziehung.

Alles unter einer Minute gilt als kurz

Als kurze Ejakulations-Latenzzeit wird dabei heute gängigerweise die Ejakulation, welche immer oder fast immer vor oder innerhalb von etwa einer Minute nach Einführung des Glieds in die Scheide erfolgt, verstanden. Vor diesem Hintergrund würde Ihr Mann das objektive Kriterium für einen vorzeitigen Samenerguss nicht erfüllen. Aber was für den einen Mann vorzeitig ist, mag der andere als normal empfinden und umgekehrt. Oft entsteht das Gefühl, unter vorzeitigem Samenerguss zu leiden, auch durch unrealistische Annahmen über die Dauer des Geschlechtsverkehrs.

Dazu haben Urologen der Universität Köln eine interessante Studie durchgeführt: Sie verglichen die Dauer des Geschlechtsverkehrs von Männern, die mit ihrem Sexualleben unzufrieden waren und angaben, unter vorzeitiger Ejakulation zu leiden, mit jener von gesunden Männern. Das Ergebnis war verblüffend: Bei Männern mit vorzeitigem Samenerguss dauerte der Geschlechtsverkehr durchschnittlich 2:32 Minuten, bei den gesunden Versuchsteilnehmern 3:01 Minuten! Also eigentlich ein minimer Unterschied.

Zwei Möglichkeiten zur Verzögerung

In einer anderen länderübergreifenden Studie, welche in der Bevölkerung durchgeführt wurde, fand sich eine durchschnittliche Ejakulations-Latenzzeit von 5:24 Minuten, wobei es doch signifikante Unterschiede zwischen den Ländern gab. Die Dauer des sexuellen Akts kann aber natürlich auch bei einer einzelnen Person variieren. So gibt es Zeiten, in denen ein vorzeitiger Samenerguss nichts Aussergewöhnliches ist, wie z.B. zu Beginn einer neuen Beziehung oder nach längerer Enthaltsamkeit.

Um den Sexualakt zu verlängern, gibt es grob gesehen zwei Möglichkeiten: eine medikamentöse Behandlung etwa mit Dapoxetin, welches für die Behandlung von vorzeitigem Samenerguss in der Schweiz zugelassen ist. In Ihrem Fall empfehle ich jedoch zuerst eine Reihe von Übungen – die zweite Möglichkeit –, bei welchen Sie als Partnerin ebenfalls miteinbezogen werden können. Bei der Squeeze-Methode wird beispielsweise kurz vor der Ejakulation die sexuelle Stimulation durch ein Zusammendrücken der Penisspitze unterbrochen, bis der Ejakulationsdrang nachlässt. Bei der Stopp-Start-Methode wird unmittelbar vor der Ejakulation der Penis aus der Vagina gezogen, bis der Mann sich wieder auf einem deutlich niedrigeren Erregungsniveau befindet. Durch diese Übungen lernt der Mann seine Erregung besser wahrzunehmen und zu steuern.