Warum bei einer Grippe Geduld so wichtig ist

Ab ins Bett! Eine Grippe oder schwere Erkältung kann sich in die Länge ziehen. (Foto via lifeline.de)

Ab ins Bett! Eine Grippe oder schwere Erkältung kann sich in die Länge ziehen. (Foto via lifeline.de)

Zurzeit fühle ich mich ein bisschen wie in einem Lazarett. Viele meiner Bekannten und Freunde laborieren an einer Erkältung herum, einige sind gerade von einer Grippe «wiederauferstanden». Fragt man sie, wie es denn so gehe, klagen sie mit leidvoller Miene, aber sehr heroisch: «Es geht so, noch nicht 100 Prozent, aber fürs Arbeiten reicht es gerade so. Schliesslich braucht es mich im Büro.»

Am liebsten würde ich dann alle, die so reden, eigenhändig ins Bett stecken. Aber natürlich verstehe ich Argumente wie «die Arbeit muss doch gemacht werden». Allerdings ist eine kranke Kollegin oder ein kranker Kollege eine Belastung für die anderen. Nicht nur wegen der Ansteckungsgefahr. Das stete Niesen, Schnäuzen, Husten und Röcheln ist auch sonst nicht unbedingt stimmungsfördernd fürs Team.

Meistens ist nach einigen Tagen oder wenigen Wochen der Spuk ja vorbei. Jedenfalls bis zum nächsten Mal. Was aber, wenn nach einer schweren Erkältung oder Grippe der Erschöpfungszustand anhält und Hausmittelchen und vom Arzt verschriebene Medikamente nicht helfen?

Schwäche gestehen ist ein Zeichen von Stärke

Dann hilft nur eines: Geduld! Denn um eine Grippe zu bekämpfen, wird im Körper das Immunsystem aktiviert. Dieses produziert Abwehrstoffe gegen die Grippe-Erreger und benötigt Energie. Nach einer Grippe muss sich der Körper von dieser Belastung erholen. Fühlen wir Schwäche, zeigt uns der Körper so, dass er eine Regenerationsphase benötigt. Wie stark man unter den Nachwirkungen leidet, hängt von vielen Faktoren ab: War man schon vorher geschwächt, existieren chronische Krankheiten, oder war das Immunsystem bereits angegriffen? Auch Kinder und ältere Leute brauchen möglicherweise eine längere Rekonvaleszenzzeit.

Rekonvaleszent zu sein, tönt in unserer Leistungsgesellschaft nicht wirklich sexy, ich weiss; denn wer fühlt sich gern bedürftig? Doch wer sich und anderen keine Schwäche eingesteht, riskiert nämlich mehr als nur einen Rückfall, auch ein seelisches Down.

Spazieren statt Fitten

Die beste Vorsorge gegen Grippe und Erkältungen ist definitiv ein starkes Immunsystem. Doch wenn es uns trotzdem erwischt hat und wir unter den Folgen leiden, sollten wir uns schonen. Das bedeutet nicht, uns ausschliesslich zu Hause zu verkriechen (obwohl das manchmal auch guttut), sondern unsere Schwäche ernst zu nehmen und «Aufbauarbeit» zu leisten. Das heisst, Spazieren statt Fitnessstudio, leichte, vitaminreiche Küche statt Fondue und früh ins Bett statt der nächtlichen Session am Computer. Der Körper sollte ja unser bester Freund sein und nicht unser Feind, den es zu bekämpfen gilt.

Und was die Kollegen und den Chef betrifft: Es wurde mir noch nie gedankt, wenn ich krank zur Arbeit kam. Das schlechte Gewissen können wir uns also sparen. Auch wenn das, ehrlich gesagt, jedenfalls bei mir noch ein bisschen Übung braucht.