Eine Frau mit einem Geheimnis

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Was verbirgt sich hinter der linken Hand von Beautybloggerin Nikkie? (Nikkietutorials.com)

Keine Angst vor Farbe! Die holländische Beauty-Youtuberin Nikkie demonstriert in ihrem Video «The Power of Make-up», was Schminke alles kann. Links sehen wir sie ein bisschen à la Dragqueen mit dem vollen Programm: Grundierung, Lidschatten, Rouge, Lippen- und Augenbrauenstift, Puder und falschen Wimpern. Die rechte Seite zeigt sie völlig natürlich, ein hübsches, ungeschminktes Mädchen mit roten Flecken, Augenschatten und Pickeln, so wie man halt ab und zu aussieht, wenn man morgens in den Spiegel guckt.

Nikkies Video «The Power of Make-up». (NikkieTutorials/Youtube)

Mit ihrer Liebeserklärung ans Make-up setzt Nikkie ein Gegengewicht zum «Weniger ist mehr»-Trend, der im Schönheitsbereich gerade angesagt ist. Alles soll möglichst «nude» sein. Unzählige Stars und «Normalos» posten Fotos auf den Netzwerken, auf denen sie ungeschminkt sind. Oder jedenfalls so tun, als ob sie es wären: #wokeuplikethis. (Zu) viel Schminke gilt also momentan als pfui, und tatsächlich werden viele geschminkte Frauen im Netz sogar angefeindet und mit Häme überschüttet.

«Make-up shaming» nennt sich dieses Phänomen. Vor allem Frauen werfen anderen Frauen vor, sich unter Make-up verstecken zu wollen oder zu wenig Selbstbewusstsein zu haben. Oder dass sie sich nur schminken würden, um den Männern zu gefallen. Bei so viel Stutenbissigkeit geht ganz vergessen, dass ja noch die Möglichkeit bestehen würde, dass man Freude am Schminken hat.

Und so lautet Nikkies Botschaft denn auch: Schminken macht Spass! Und jede Frau sollte selber entscheiden, wie viel Farbe sie wann auftragen will. Oder eben nicht. Weil man an gewissen Tagen das Bedürfnis hat, sich ein bisschen mehr aufzubrezeln, und an anderen nur ein bisschen Wimperntusche braucht. Und Mädchen sollen sich jedenfalls nicht dafür schämen, dass sie sich gern schminken, solange sie sich auch ungeschminkt mögen. Nikkies Video hat schon über 17 Millionen Klicks erhalten und zu vielen Reaktionen auf den sozialen Netzwerken geführt: Dort posten Frauen unter dem Hashtag #powerofmakeup ebenfalls ihr halb geschminktes, halb ungeschminktes Gesicht, um zu zeigen: Nur weil sie oft und gerne Make-up tragen, heisst das nicht, dass sie sich nicht auch pur mögen!

26 Kommentare zu «Eine Frau mit einem Geheimnis»

  • marusca sagt:

    Die ganze Camouflage ist die eine Sache, diese unerträglich ordinären Pornoschaufeln aber, sind DIE Geschmacksverirrun seit Beginnder der Zeitrechnung – egal von wem sie getragen werden.

  • Alfred Frei sagt:

    Stimmt es, dass 15-Jährige eine Stunde früher aufstehen, um sich für die Schule zu schminken ? Hat mir meine Tochter erzählt. Das hat dann aber definitiv nichts mehr mit ‚ich schmink mich halt gern‘ zu tun; da steckt massiver sozialer Zwang dahinter, gegen den es sich zu wehren gilt.

    • salome sagt:

      Ich bin zwar nicht mehr 15, aber auch erst 24. Als ich in dem Alter war, habe ich nichts von einem solchen Druck gespürt. Meine Schwester (14) schminkt sich ebenfalls sehr selten und wenn dann etwas Mascara und Kajal.

  • Roland Strauss sagt:

    Kommt immer auch auf das Gesicht an. Meine Mutter war eine „Naturschönheit“, verwendete nur minimales Makeup. Meine Frau ist das pure Gegenteil. Absolut der Hammer mit Makeup, aber reif für die Geisterbahn ohne.

  • Hanspeter Müller sagt:

    Ich finde, sie hat Recht. Wenn sie gerne so herumläuft, schön. Wenn sie jemand nicht ernst nimmt deshalb – ihr Problem. Wenn sie davon Pickel bekommt – ihr Problem. Wenn es ihr Spass macht – super. Es braucht einfach Geld und Zeit dafür. Und wenn man einen Beruf hat, wo solche Nägel nicht gehen oder man nicht Zeit hat alle 5 Minuten zu checken ob alles noch sitzt oder seine Zeit lieber für etwas Anderes verwendet, lässt man es eben bleiben. Auch sehr schön. Ich finde dieses gegenseitig kritisiren für Dinge, die niemandem weh tun unnötig. Es gäbe viel dringendere Probleme auf der Welt.

  • Tobias sagt:

    man sieht einfach, dass ihre Haut ungeschminkt vo vielen Make-up schon kaputt ist. Was, wenn sie einmal erst 35 oder 40 ist. Ich würde abraten von so viel Cremen und Puder, etc. Die Haut geht kaputt, wohl irreparabel.

    • HomeImporvemntQueen sagt:

      So ein Quatsch. Der Durchschnittsmensch sieht halt einfach so aus. Jede Wette, deine Geischtshaut ist auch nicht makellos. Wohl eher nicht ein Make-up-Schaden, oder?

  • Alex Zatelli sagt:

    Uff.

    Gibts eigentlich auch Schönheits-Blogs für Frauen, nicht nur für Girlies?

    • Elisabeth sagt:

      Ja, die gibt es – etliche professionelle Visagisten haben ebenfalls Blogs. Beispielsweise Lisa Eldridge – die nicht nur über Make-Up Techniken, sondern auch Hautpflege, Geschichte des Make-Ups, Make-Up in anderen Kulturen etc. berichtet.

  • elisabeth sagt:

    Naja – was hier präsentiert wird, ist eigentlich kein Look für den Tag, sondern eher für den Ausgang. Dieser extreme Look wurde für HD Kameras entwickelt und weniger fürs richtige Leben, wo er auch weniger gut aussieht. Aber es eignet sich gut, um den Kontrast zwischen geschminkt/ungeschminkt zu zeigen.Make-Up shaming scheint etwas zu sein, was in erster Linie on-line passiert, die vielen Beauty Bloggerinner ziehen halt auch Trolle an. Sie hat aber Recht, wenn sie betont, dass Make Up in erster Linie Spass machen sollte.

  • Doria Gray sagt:

    @ Stefan: Genau. Mit so viel Schminke bekommt das Gesicht etwas Puppen- oder Maskenhaftes. Wer von seinem Gegenüber ernst genommen werden will, sollte sich zurückhaltender schminken.

    • Ylene sagt:

      Lächerlich, vielleicht sollten sich einige Leute besser mal mit ihren Vorurteilen auseinander setzen. Aber da müsste man den Fehler halt mal bei sich suchen, statt mit dem Finger auf andere zeigen.

      • lia sagt:

        stimmt doch! wenn man sieht, dass sich unter dem Make Up ein komplett anderer Mensch verbirgt, den man ohne die Kriegsbemalung nie erkannt hätte, muss man sich schon fragen, wie ernst man jemanden nehmen kann, der ein solches Problem mit sich hat, dass er sich ein völlig neues Gesicht schminken muss. Ich schminke mich auch, aber denzent – ich wasche mir abends nicht mit dem Make Up das gesamte Gesicht weg.

      • Sofia sagt:

        Das Phänomen “Gesicht wegwaschen” hängt eben vom Typ ab: Wenn man eine weisse Wand mitten im Kopf hat – d.h. sehr helle Haut, helle Wimpern, helle Lippen und tiefliegende Augen (ein paar Promi-Beispiele: Claudia Schiffer, Gwyneth Paltrow, Tilda Swinton) – reicht wenig Make-up (also “dezent”), um das ganze Gesicht zu verändern. Erschwerend hinzu kommt noch, dass man ungeschminkt dauernd gefragt wird, ob man krank sei. Soll frau sich also lieber gar nicht mehr schminken?

  • edith sagt:

    prinzipiell gehe ich nicht ohne lippenstift und winperntusche aus dem haus. nicht um mich zu verstecken! nein um mich sichtbar zu machen. mich toll zu finden und mich schön zu fühlen.wenn ich mich verstecke, weil ich mich gerade etwas weniger people tauglich fühle dann gehe ich ungeschminkt meinen kleinen hausinternen dingen nach und bleibe den ganzen tag im pijama.mein make-up ist also nie fassade sondern bestandteil des sich draussen wohlfühlen! männer machen andere dinge um sich das zuliebe zu tun und sei es nur ein duft oder eine spezielle kravatte! gute eigenliebe! edith

    • lia sagt:

      ein Duft oder eine Krawatte verändern aber nicht das Gesicht so extrem, dass man die Person ohne gar nicht mehr erkennen würde! Ich schminke mich auch, aber mich erkennt man, egal ob mit oder ohne Make Up – bei der jungen Dame oben ist dies garantiert NICHT der Fall. Welch Schock für jeden, der sie abends geschminkt kennen lernt und morgens im Bad einer komplett anderen Frau gegenüber steht.

      • edith sagt:

        diese überraschungen sind ja nicht gefährlich.. und ich traue den heutigen jungen männern zu dass sie ein gutes von einem schlechten make up ausmachen..diese ,,geschminkte,, mit nach hause zu nehmen ohne zu wissen das sich frau abschminken wird.. sehe ich etwas unrealistisch…. verlieben tut man sich ja auch in den duft oder ins lachen einer frau… oder? edith

  • Stefan sagt:

    Die Erfindung von Makeup hat die Menschheit von einem jahrtausendealten Joch befreit.

  • Stefan W. sagt:

    Ich bin tatsächlich fasziniert von der Veränderung, die Nikkie mit MakeUp erreicht, Andererseits: Die Plastikpuppe von der geschminkten Gesichtshälfte würde ich nie ernst nehmen, wenn sie mir im echten Leben begegnet (Resp. sie müsste mir erst irgendwie zeigen, dass sie ernst zu nehmen ist). Die Frau von der ungeschminkten Hälfte würde vielleicht meine Blicke nicht so auf sich ziehen, dafür erscheint sie mir authentischer, und darum hätte das, was sie sagt, vermutlich mehr Gewicht. Klar: Das darf und muss letztlich jede/r selber entscheiden 🙂

    • mina sagt:

      @Steafn W: Diesen Aussagen zufolge, hat es die geschminkte Nikkie im Leben leichter als die ungeschminkte. Da sie eher bemerkt wird, hat sie ja dann die Chance zu beweisen, dass sie keine Plastikpuppe ist, sondern auch etwas im Kopf hat. Die ungeschminkte Nikkie dagegen wird übersehen.- sie muss also erst einmal dafür sorgen, wahrgenommen zu werden, bevor es dann darum gehen kann, ob das, was sie sagt „*Gewicht hat“. Es gab früher mal den leicht bösen Spruch, wonach Männer besser sehen könnten als denken – weshalb es sich eben lohne, entsprechend auszusehen.

      • Julian sagt:

        @Mina: Aber auch: „Das niedrig gewachsene, schmalschultrige, breithüftige und kurzbeinige Geschlecht das schöne nennen, konnte nur der vom Geschlechtstrieb umnebelte männliche Intellekt: in diesem Triebe nämlich steckt seine ganze Schönheit“.
        (Arthur Schopenhauer).

      • P. Waldner sagt:

        Dumm nur das dieses Denken nicht beim Schminken endet. Personen die meinen Schminke zu benötigen um wahrgenommen zu werden, werden auch Botox, Silikon, Kosmetika zweifelhafter Wirkung, etc. einsetzen um wahrgenommen zu werden (bzw. um der „Norm“ zu entsprechen, was eigentlich aberwitzig ist, da man ja gerade dann nicht mehr wahrgenommen wird). Die geschminkte Nikkie sieht bereits sehr Barbie-mässig (= unauthentisch) aus.

        Das tragische an diesem Typ Mensch (ob Mann oder Frauen): Sie versuchen auch ihren Nachwuchs zu „veredeln“ statt ihnen ein gesundes Selbstwertgefühl mitzugeben.

      • Valentina sagt:

        @Julian: So sehr ich Schopenhauer bewundere, in mancher Hinsicht war er ein armes Schwein. Sie sollten sich seine Biographie genauer anschauen, bevor Sie dieses Zitat bringen. Die Frauen um ihn wollten halt nicht wie er und er fand sein Ventil nur in ihrer Verdammnis. Damit reagierte er auf Kränkungen so plump wie jeder Ottonormalverbraucher. Für einen grossen Philosophen, der sehr differenziert dachte und schrieb, ist dieses Zitat nichts weiter als eine persönliche Bankrotterkläreung: Die Trauben, die er nicht kriegt oder die nicht wollen wie er, sind ihm sowieso zu sauer.

      • Julian sagt:

        @Valentina: Immerhin bezeichnete selbst der grosse Goethe, der viel Erfolg bei den Frauen hatte, bereits den jungen Arthur, im Salon seiner Mutter der guten Schriftstellerin Johanna; als/wie: „Wenn der Schüler denn zum Lehrer wird“. Also zum Philosophen geboren, wie (Vorgänger) Kant – oder (Nachfolger) Nietzsche. Und was? Sie haben sogar die ‚Bio‘ gelesen. (Von wem verfasst?). Aber nicht seine grossen Werke? Dazu gehörte allerdings auch etwas Kant und Nietzsche. Menschlich/ Allzumenschlich – eben. Mögen Sie den Philosophen Hegel? Diesen Katheder-Philosophen, der reich heiratete?

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