Logo

Arbeitgeber zahlen deutlich mehr in die zweite als in die erste Säule

Claudia Salzmann am Dienstag den 16. August 2016

AHV Plus

Bei der Volksinitiative «AHV plus», die am 25.  September an die Urne kommt, sind die Meinungen gemacht: Die politische Linke ist dafür; die Rechte ist dagegen, und die Mitte hat derzeit nichts zu sagen. Es gibt nur Schwarz und Weiss.

Interessant ist das Argument der Rechtsparteien. Sie sagen, die Unternehmen könnten ­höhere Lohnbeiträge für die ­Finanzierung der AHV nicht verkraften. Doch geht es um Lohnbeiträge für die zweite Säule, so sind die Arbeitgeber insgesamt betrachtet alles ­andere als knauserig.

Knapp 30 Milliarden Franken zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer pro Jahr in die AHV; beide gleich viel. In die zweite Säule zahlen sie hingegen 53 Milliarden Franken, einen grossen Teil davon freiwillig. Wobei hier die Arbeitgeber insgesamt mehr einzahlen als Arbeitnehmer. Sie tun dies im überobligatorischen Bereich im Interesse ihrer Belegschaft.
Nun könnte man also argumentieren, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer alles in allem weniger in die zweite Säule, dafür mehr in die erste Säule einzahlen sollten. Politisch ­Unabhängige, etwa der Zürcher Titularprofessor Ernst Brugger, plädieren schon längst für eine Stärkung der ersten auf Kosten der zweiten Säule. Diese Forderung ist freilich nicht Gegenstand der Debatte. Denn die Befürworter der Initiative wollen die zweite Säule nicht schwächen. Sie wollen den Fünfer und ds Weggli.

Zudem würden die Wirtschaftsvertreter zu einer solchen Umverteilung von der zweiten zur ersten Säule kaum Hand bieten. Wenn die Beiträge für die AHV erhöht werden, profitiert mehr oder weniger die gesamte Bevölkerung. Das nennt man Solidarität. Wenn indessen die Beiträge für die Pensionskasse erhöht werden, profitieren die Mitarbeiter des betreffenden Unternehmens. Wobei die Gutverdienenden überdurchschnittlich pro­fitieren.

Wenn also Arbeitgeberver­treter, die faktisch und arbeitsrechtlich häufig Arbeitnehmer sind, für höhere Lohnabzüge stimmen, so tun sie das (auch) fürs eigene Portemonnaie.

« Zur Übersicht

4 Kommentare zu “Arbeitgeber zahlen deutlich mehr in die zweite als in die erste Säule”

  1. Fritz Rammstein sagt:

    Natürlich kommt die Schweiz nicht darum herum in nächster Zeit die AHV massiv zu stärken. Die Pensionskassen werden in absehbarer Zeit ganz von der Bildfläche verschwinden da die Umwandlungssätze schon bald im Stundentakt reduziert werden.
    Die verbleibenden kärglichen Reste werden dann als Verwaltungshonorare der Versicherungen und Banken eingezogen.
    Ich empfehle allen Schweizern am 25. Sept. 2016 für “AHV plus” zu stimmen – mit Ausnahme jener die in Zukunft unter irgeneiner Brücke in der Schweiz oder im Ausland übernachten wollen.

  2. Willhelm Wunderlig sagt:

    Hätte man das Grundeinkommen nicht abgelehnt, würden sich endlose Diskussionen über die AHV und eine auf uns zukommende Arbeitslosigkeit in den nächsten Jahren erübrigen. Da sich jedoch viel zu wenige Bürger über ein GE und deren einfache Finanzierung wirklich Gedanken gemacht haben, wird man früher oder später wie Deutschland, langsam aber sicher in Armut verfallen !!!!! Über Neid, und Missgunst-Debatten wurden noch nie Probleme gelöst, vor allem nicht, wenn die Politik, Medien und die Wirtschafts-Elite dies auch noch befeuert und unterstützt, denn es würde vor allem diese ja auch betreffen, nur kalkulieren das die Bürger nicht mit ein, weil sie sich zuwenig damit beschäftigen !!!!!!

  3. H. Kramer sagt:

    Reine AHV-Bezüger ohne 2. Säule kommen kaum über die Runden. Statt eine Rente auszrichten, die für den Lebensunterhalt reicht, bedarf es im momentan geltenden System der Ergänzungsleistung. Schlimm für Ehepaare. Die Ehe im gemeinsamen Heim wird mit Abzug einer halben Rente bestraft. Getrenntes Wohnen gleich zwei ganze Renten. Wenngleich das Ansinnen der Initiative “AHV plus” den Menschen entgegen kommt, die über keine 2. und 3. Säule verfügen, belohnt sie die, welche aus weiteren Vorsorgesäulen Rentengelder beziehen. Statt einmal eine richtige Revision und Neuausrichtung der Vorsorgeeinrichtung vorzunehmen, die auf die nächsten 30 Jahre ausgerichtet ist, wird “Pfläschterlipolitik”…

  4. Arnold sagt:

    Aus meiner Sichtweite bräuchte es die AHV Plus Rente nicht, wenn alle unter dem Durchschnitts liegenden Löhne von bis 50 >>Prozent angehoben würden. Somit könnte man die Sozial und Ergänzungsleistungen weitgehend einsparen
    Daraus würde auch noch etwas Positives an die Zuviel Verdienden hervorgehen. Sie könnten nach wie vor über ihre Verhältnisse leben und würden wahrscheinlich auch nicht längere Leben als Zurzeit