Kann man Stil wirklich lernen?

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Immer wieder ist zu lesen, dass man Stil lernen könne. Ich bezweifle das. Was meinen Sie? W. O. aus Z.

Lieber Herr O., wir müssen uns Ihrer Frage von zwei Seiten annähern, denn es gibt zwei Arten von Stil: den äusseren und den inneren.

Den äusseren kann man lernen. Man kann lernen, wie man sich richtig anzieht, in welchen Momenten man Danke sagt, wie man die Serviette korrekt benützt. Wer keine gute Kinderstube genossen hat, kann das nachholen, wer keinen Geschmack hat, kann sein Auge schulen lassen. Während das mit dem Benimm irgendwann in Fleisch und Blut übergeht, wird jemand, der sich das mit der Mode mühsam aneignen musste, optisch nie so leichtfüssig-souverän daherkommen wie jemand, dem das genuin eigen ist, aber das macht ja nichts.

Anders verhält es sich beim inneren Stil. Dabei handelt es sich sozusagen um den Stil des Herzens, es geht also darum, ob Sie ein feiner Mensch sind. Neigen Sie nicht von Natur aus zu Klasse, Rückgrat, Fairness und all diesen altmodisch anmutenden Tugenden, ist keine Schadensbegrenzung in Form eines Kurses möglich.

Jetzt verhält es sich aber so, dass das nicht weiter schlimm ist. Während Sie der äussere Mangel an Stil vermutlich irgendwann nicht mehr weiterkommen lässt, weil Sie dieses Manko sozial unverträglich oder peinlich macht, lässt sich dieser Nachteil mit dem fehlenden inneren Stil mühelos kompensieren. Ja, ich würde sogar so weit gehen und sagen: Innere Stillosigkeit ist heutzutage von immensem Vorteil. Sie finden das bedauerlich? Ich bitte Sie.

Haben Sie auch Fragen zu Mode und Stil? Schreiben Sie sie unten in die Kommentare oder senden Sie sie an: gesellschaft@tagesanzeiger.ch

4 Kommentare zu «Kann man Stil wirklich lernen?»

  • Jacques Dutronc sagt:

    Stil kann man, wenigstens gemäss Bligg, nicht lernen. Man hat ihn – oder eben nicht.
    Bligg hat jedenfalls Glück mit seinen Genen – er hat ihn.

  • Reto Stadelman sagt:

    „Während Sie der äussere Mangel an Stil vermutlich irgendwann nicht mehr weiterkommen lässt, weil Sie dieses Manko sozial unverträglich oder peinlich macht, lässt sich dieser Nachteil mit dem fehlenden inneren Stil mühelos kompensieren. Ja, ich würde sogar so weit gehen und sagen: Innere Stillosigkeit ist heutzutage von immensem Vorteil.“
    Applaus für Sie Frau Weber. Diese Art von Zynismus mag ich persönlich besonders. Er schlägt der Gesellschaft die Wahrheit so richtig schön um die Ohren 😀 Noch mal, Applaus!

  • Jacques Dutronc sagt:

    Oder, kann man Vernunft oder prakt. Verstand lernen. Gemäss dem Philosophen Scvhopenhauer eher nicht: „Keine Bildung vermag den prakt. Verstand zu ersetzen, aber umgekehrt geht es besser.“

  • Jacques Dutronc sagt:

    Pardon, beim Vorkommentar hat sich unerlaubt ein „v“ eingeschlichen. Man möge das als Freud’schen Verschreiber interpretieren, in dem Sinne, dass Schopenhauer im Duell versus Hegel als Sieger hervorgegangen ist, wie die Geschichte beweist. (v= victory).

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