Problemzone Feierabend-Look

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Mein Mann ist beruflich stets in Hemd und Anzug unterwegs. Kaum ist er aber zu Hause, entledigt er sich der «Berufskleidung» – und es ist bereits um 19 Uhr der bequeme Pyjama angesagt, was mich sehr stört. Hätten Sie mir einen Tipp, wie wir da modisch wieder ins Gleichgewicht kommen könnten? Hausanzüge oder Trainer sind keine gute Alternative. S. N.

Liebe Frau N.,

ich habe durchaus Verständnis für Ihren Gatten. Also ein bisschen. Dahingehend nämlich, dass er sich nach der Arbeit gerne so schnell wie möglich seines Tenüs entledigt, das für ihn eben für «Arbeit» steht. Und ich habe auch Verständnis, dass es etwas Bequemes sein soll. Das mit dem Pyjama hingegen kann ich nicht gutheissen. Ich meine, bitte, Ihr Mann ist doch kein kleines Kind mehr, das sich, kaum daheim, bettfertig macht. Es fehlte nur noch, dass er einen Strampler trägt mit der Begründung, der sei halt so herrlich kuschelig. So ein Pyjama-Mann ausserhalb des Schlafzimmers ist doch etwas sehr Unansehnlich-Unerotisch-Unerquickliches, und ja, ich sage es ganz unverblümt: So ein Pyjama-Mann ist doch auch der Libido vollkommen abträglich. Da bin ich wieder sehr auf Ihrer Seite. Also eigentlich total.

Jetzt zu den Lösungsansätzen. Von Hausanzügen und Trainern würde ich dringend abraten. Das wirkt entweder furchtbar spiessig oder sieht halt nach Fussballer aus, und das ist nicht gut, denn Fussballer sind das Synonym für schlechten Geschmack. Ich schlage deshalb vor: Ihr Mann soll sich eine locker sitzende Jeans zulegen, kombiniert mit einem schlichten T-Shirt (nein, keines mit einem lustigen Spruch drauf). Auch sehr empfehlenswert: Chinos. Die sind geschnitten wie Jeans, aber aus feinerer Baumwolle (man nennt die ja auch Freizeithose, lassen Sie diesen Begriff so ganz nebenbei fallen, möglicherweise hilft das). Zur Not ginge auch eine Trainerhose, dann empfehle ich aber obenrum einen anständigen Pullover aus Kaschmir oder feiner Wolle.

Sollte sich Ihr Mann nicht für diese Alternativen erwärmen können, dann kommen Sie nicht darum herum, grundsätzlich zu werden. Denn es geht ja nicht nur ums Modische. Es geht hier um Respekt. Darum, dass Ihr Mann sich ein bisschen bemüht, ansehnlich daherzukommen. Für Sie. Denn: Er ist nicht automatisch unwiderstehlich. Hauen Sie ihm das im schlimmsten Fall charmant lächelnd um die Ohren.

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18 Kommentare zu «Problemzone Feierabend-Look»

  • Lukas Aeschbacher sagt:

    Sobald ich zu Hause ankomme: 1. Schuhe & Jacke ausziehen, 2. Hände waschen (ÖV-Siff!) und 3. Kleider wechseln. Immer. Keine Ausnahmen! Erst dann bin ich zu Haus angekommen. Dort trug ich früher gerne Trainer aus 100% Baumwolle. Solche findet man aber kaum noch (Bei Switcher wurde mir gesagt, dass man „so was“ nicht mehr mache). Daher hat mir meine Frau diese Hausanzüge gekauft: nicht gerade günstig, sehen eigentlich ganz OK aus und sind saubequem. Im Sommer trage ich eine 3/4-Hose mit Gummizug und T- oder Polo-Shirt – wenn’s heiss ist, nur die Hose.

  • Leo Schmidli sagt:

    Tagsüber Anzug, nach der Arbeit Jogginghose und Pulli. Wenn meine Frau Pumps und Kleidchen zu Hause tragen würde, DANN würde ich meine Kleiderwahl überdenken. Aber immer nur fordern ist etwas einseitig.

  • phil sagt:

    @ Wale: Ihn plagen die Tenusorgen ja offensichtlich nicht…

    • Wale sagt:

      Das ist in der Tat so. Draußen im Alltag gibt es wahrlich mehr als genug Vorschriften. Oder etwa nicht?

  • Michael Peters sagt:

    1) „Bettina Weber“ bei Google Bild-Suche eingeben.
    2) Das zweite Bild – ja das mit dieser absoluten Sünde von Kappe betrachten.
    3) Doch – Diese Kolumne muss Satire sein!

  • michael sagt:

    es gibt sooooo viel zwischen geschäftsanzug und trainer, da könnte mann sich gerne mal eine scheibe abschneiden. und wollen sie denn nicht auch in den augen ihrer frau bestehen ? oder sind sie der meinung, weibchen ist eingefangen, der rest ist jetzt egal ? schmunzeln muss ich hier doch über die menge an sofa-machos, die von sich ablenken und statt sich an die eigene nase zu fassen, erstmal von der frau ein lecker outfit erwarten. die würden doch als erstes aufschreien, wenn sie vermehrt wollunterwäsche bei der frau entdecken würden.

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