Fünf Regeln für die Lady

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Neulich schrieb ich über den Gentleman und dass der Mann von Welt mit den korrekten Manieren mir als erstrebenswertes Rollenmodell erscheint. Nicht, dass ich mir starre Rollenkorsetts zurückwünsche, aber ein paar simple Verhaltensregeln können den Umgang der Geschlechter miteinander entkrampfen. Worüber ich nicht schrieb, war die Frage, welches das analoge Verhaltensmodell für Frauen wäre, wie man sich also als Lady verhält. Und dies aus gutem Grund, denn so etwas wird einem heute nicht mehr beigebracht. Schliesslich wollen wir keine guten Mädchen mehr sein, sondern böse, weil die überall hinkommen.

Sich wie eine perfekte Bitch zu benehmen ist einfach und verschafft den schnellen Vorteil. Aber es ist nicht eben elegant. Aber was sind eigentlich die Anforderungen an eine moderne Lady, ohne dass man dabei antiquierte Rollenmodelle aus ihren Gräbern ausbuddeln muss? Ich weiss es nicht, aber vielleicht ist es in dieser Frage nützlich, sich daran zu erinnern, wodurch sich ein moderner Gentleman auszeichnet – und daraus zu folgern, was das komplementär für uns Frauen heissen könnte. Also habe ich einen Experten zu Rate gezogen, nämlich Bond-Darsteller Daniel Craig, der für das deutsche GQ die Richtlinien für den Gentleman folgendermassen zusammenfasst.

1. «Der Gentleman unserer Zeit steht für die Gleichberechtigung. Er respektiert das andere Geschlecht. Ohne Wenn und Aber.» Tönt theoretisch einfach, ist aber anspruchsvoll. Frauen sind gut darin, die Schwächen von Männern schnell zu erkennen und subtil zu manipulieren. Das ist legitim, solange man Grenzen respektiert und den Mann Mann sein lässt. Niemand ist perfekt, doch das ist kein Grund jemanden dauernd zu kritisieren. Eine Lady akzeptiert, dass Männer ihre eigene Art haben, die Dinge anzupacken und sie verzichtet darauf, immer alles besser zu wissen.

2. «Er sollte natürlich ebenso Respekt vor Männern haben, und das heisst ja nichts anderes als: auch vor sich selbst. Dazu gehört: sich auf keinen Fall rumschubsen zu lassen.» Eine Lady respektiert nicht nur den Mann, sondern auch andere Frauen. Das bedeutet, sie nicht in erster Linie als Konkurrenz zu sehen, sie nicht vor anderen schlecht zu machen. Das heisst aber auch, sich selber nicht schlechter zu machen, als man ist und sich ewig den eigenen Selbstzweifeln hinzugeben. Eine Lady zeigt sich nicht bedürftig, sondern souverän. Sie ist sexy aber nicht billig. Sie weiss, dass sie es verdient hat, gut behandelt zu werden und zeigt das entsprechend.

3. «Wir sind im 21. Jahrhundert. Klassenbewusstsein sollte heute total egal sein. Klar, man muss nicht jeden mögen; aber man muss sich jedenfalls zuallerletzt darum kümmern, aus welcher Schicht ein anderer kommt.» Dazu lässt sich nur ergänzen, dass Stil eine Frage der Haltung und nicht der sozialen Schicht ist, aus der man kommt. Stil im Sinne eines respektvollen Umgangs miteinander ist ja gerade ein Mittel, um solche Unterschiede zu überwinden.

4. «Ein Gentleman hat immer Fragen an die Welt. Er ist neugierig. Das bedeutet, dass er sich interessiert und somit um das kümmert, was ihn umgibt. Erst das Interesse an der Welt, die Erfahrung mit ihr, macht ihn zu etwas, für das es den Begriff weltmännisch gibt.» Das gilt für Ladys genau so. Eine Lady sucht einen gwissen Handlungsradius, will etwas von der Welt und scheut sich nicht, es auch zu lernen. Sie weiss auch ausserhalb ihrer Komfortzone und in jeder erdenklichen Situation, Haltung zu bewahren.

5. «Überzeugungen sind wichtig. Diese sollte man gut durchdacht haben, damit man zu ihnen auch stehen kann und für sie kämpft.» Es ist wichtig, für Überzeugungen einzustehen. Eine Lady weiss aber auch, wann und wie das angesagt ist. Es gibt Überzeugungen, die kann man in Gesellschaft verhandeln und andere nicht. Eine Lady sollte wissen, was zu welchen Differenzen führen könnte und welche Gespräche man lieber in Privaträumen führt.

Im Bild oben: Grace Kelly im Hitchcock-Film «Rear Window» (1954). Foto: Paramount

18 Kommentare zu «Fünf Regeln für die Lady»

  • feldmann irene sagt:

    wünschenswert!!!

  • Muttis Liebling sagt:

    Von einer Dame erwarte ich vor allem ein fehlerfreies Deutsch ohne englische Einsprengsel. Aber danach erwarte ich das Bewusstsein, zur Elite zu gehören (sonst ist man keine Dame), also ausgeprägtes Schichtendenken.
    Als solche zitiert man keine typischen Unterschicht- Vertreter, in dem Fall US-amerikanische Schmierenschauspieler.

    • Daniela Sautner sagt:

      Von einem Mann erwarte ich eine gewisse Allgemeinbildung. z.B dass James Bond eine Mi6 Spion war und somit sicher nie von einem US-amerikanischen Schmierenschauspieler gespielt würde. Und von einem Mann erwarte ich Stil und kommt einer mit elitärem Denken oder einem SUV sicher nicht in Frage 😉

    • Daniela Sautner sagt:

      Und ich entschuldige mich für den Schreibfehler…. einer Lady absolut unwürdig.

  • tststs sagt:

    Das wäre auch in einem Mal gegangen: Anleitung „Wie verhalte ich mich als anständiger MENSCH“…

    • Reto B. sagt:

      100 Punkte! Dem ist nichts mehr zuzufügen

    • Muttis Liebling sagt:

      Das ist etwas völlig anderes. Es gibt viele anständige Frauen, aber kaum Damen.

    • marie sagt:

      voll bei ihnen ts! und ich würde mir wünschen, dass dies endlich auch in den medien vermehrt einzug halten würde. nun, fr b hat angefangen. danke frau b! 🙂

    • Ricco Morales sagt:

      Gut, dann gelten die Kriterien aus MB’s Gentleman-Artikel auch für Ladies: Sie muss höflich, zuverlässig und zuvorkommend sein. Sie darf ihre Ansprüche nicht über seine stellen. Durchsetzungsfähig und rücksichtsvoll, erträgt eine echte Lady einen starken Mann an ihrer Seite, ohne sich zu unterwerfen. Eine richtige Frau gehört sich selbst. Sie muss wissen, wann sie sich zurücknehmen und wann sie zupacken soll, wann die Zeit zum Reden ist und wann zum Schweigen. Sie muss ein Nein immer akzeptieren, (…). Denn das tut eine richtige Frau – sie geht mit ihrer Stärke verantwortungsvoll um.

  • Marcel Zufferey sagt:

    Jüngere Frauengenerationen haben das problemlos im Griff, deshalb fällt es mir bei ihnen auch nicht schwer, den Gentleman zu geben. Ich mag Frauen, die Männer begehren, ohne Wenn und Aber. Und das auch zeigen können! Das kommt speziell in Punkt 1 zum Ausdruck: Als reiferer Mann habe ich mich schon in jüngeren Jahren immer gefragt, weshalb man mir nicht einfach vorbehaltlos begegnen kann- und nicht ständig und mühsam an mir und meinem Geschlecht herumkritteln-, kritisieren- und nölen muss, bis es einem den letzten Nerv ausreisst! Vor allem Ü40-Frauen sollten sich diese Regeln zu Herzen nehmen!

    • Ernest sagt:

      Einen Gentleman ficht das Genörgel der Frauen nicht an. Er bleibt höflich und beschwert sich nicht. Er ist zu allen Menschen respektvoll, nicht nur zu den jungen Frauen, die er begehrt.

  • DonDi sagt:

    Mehrheitlich sehe ich Frauen,einfach Frauen,Wesen weiblichen Geschlechts!Ladies?In der heutigen Zeit?Wenige, sehr wenige!Die wenigen,die ich in meinem Leben angetroffen haben,waren selbstbewusst,intelligent,sich ihrer Weiblichkeit bewusst und forderten zuerst sich selbst,bevor sie Forderungen an das männliche Geschlecht stellten.Es gibt, wie bei Männern der Gentleman,auch jene Frauen die „Lady“ spielen.Aber irgendwann fällt der
    Schleier,einmal langsamer,meist schneller. Wahre Ladies strahlen ein wunderbare,unglaubliche Kraft aus,die einem(Mann)Respekt einflösst,und dem Mann Haltung abzwingt.

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