Über Grösse und Stehvermögen

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Wenn es eine Disziplin gibt, in der Frauen es unbestritten zur Meisterschaft gebracht haben, dann darin, sich Sorgen zu machen. Oder besser, ihre Sorgen zu artikulieren. Vielleicht, weil sie da einfach offener sind. Oder wehleidiger. Oder sich ganz einfach mehr davon versprechen, über ihre Sorgen zu reden. Umso grösser war meine Faszination, als ich neulich auf einen Artikel stiess mit dem Titel: «Sieben Dinge, vor denen Männer im Bett Angst haben.»

Nun weiss jeder, dass die Liste der weiblichen Unsicherheiten, nicht nur wenn es um Sex geht, aber dann ganz besonders, eine ganze Bibliothek umfassen würde. Vom fehlerhaften Nagellackauftrag auf der linken kleinen Zehe bis zur Frage, ob man sich mit dem Mann, mit dem es zur Sache geht, dereinst auf die Farbe der Badezimmerkacheln wird einigen können – nichts, was einer Frau in einer solchen Situation nicht durch den Kopf schiessen könnte. Zum Glück kriegen die meisten Männern davon nichts mit – und sobald sie Zugang zum privaten Lesezirkel der Bibliothekarin haben, ist ihnen deren Bibliothek meistens auch herzlich egal. Aber wovor fürchten sich die Männer – und ist das, was sie verunsichert, für Frauen tatsächlich ein Thema? Ich habe die Liste mit ein paar Freundinnen durchgesprochen und präsentiere ihnen hier exklusiv die Resultate:

  1. Grösse:

    Eine leidige, aber unausweichliche Frage. Ja, Grösse, Dicke und allgemein die Performance des besten Stücks ist unter Frauen ein beliebtes Thema. Zum Trost kann ich sagen, dass das Toleranzspektrum relativ gross ist, da Grösse eben nicht objektivierbar ist. Es gibt in dieser Frage auch kein «too big to fail» - was für die eine gerade gut genug ist, kann die andere schon fast nicht mehr verkraften. Und auch wenn ich vermute, dass die Grösse für Männer vor allem im männlichen Direktvergleich eine wichtige Frage ist, für Frauen ist sie letztlich nicht allein entscheidend, da Frauen Männer gerne als Gesamtpaket beurteilen.

  2. Körper:

    Seit der männliche Körper in den Medien vermehrt thematisiert und idealisiert wird, müssen auch Männer damit leben, dass sie vor dem Gott der Ästhetik ohne Sixpack und gestählten Schultergürtel kläglich versagen. So wie wir Sterbliche über kurz oder lang eben immer versagen. Und so ansprechend körperliche Schönheit ist, es gibt viel Wichtigeres. Denn entweder zieht es dich bei einem Menschen in die Tiefe, dann wird die Ästhetik sekundär. Oder es zieht dich zu einem anderen Menschen, dann hat sie auch nichts genützt.

  3. Schweiss:

    Von allen Körperflüssigkeiten, die Mann und Frau auszutauschen pflegen, scheinen sich Männer für ihren Schweiss am meisten zu schämen. Hier kann ich Entwarnung geben: Die Art, wie ein Mann schwitzt, ist bei Sexgesprächen unter Frauen selten Thema, wenn es sich nicht gerade um einen exorbitanten Schwitzer handelt. Aber da Frauen reichlich Erfahrung mit dem Phänomen unwillkommenerweise austretender Körperflüssigkeiten haben, sind sie auch hier kulant. Problematisch wird es erst, wenn es richtig tropft. In diesem Falle reicht es aber, ein Schweisstuch griffbereit zu halten.

  4. Körpergerüche:

    Wenn eine Frau einen Mann mag, dann mag sie auch seinen Körpergeruch. Wer sich pflegt, hat keinen Grund zur Sorge.

  5. Stehvermögen:

    Wer länger kann, gilt unter Männern als viril und männlich heisst es, weshalb die meisten Männer alles dafür tun würden, nicht zu früh zu kommen. Fragt sich nur, was zu früh ist. Ja, es kann ärgerlich sein, wenn der eine fertig ist, bevor der andere sich warm gelaufen hat. Dies ist aber nur dann ein Problem, wenn man nach der ersten Runde ohnehin schon genug hat und auf weitere gemeinsame Läufe verzichtet. Wenn eine Frau sich wirklich für einen Mann interessiert, dann wird sie ihm einen Fehlstart kaum übel nehmen.

  6. Ein schlechter Liebhaber sein:

    Männer fürchten, ihre Frauen könnten ihnen verheimlichen, dass sie gar nicht mögen, was sie tun. Dass ihre Frauen ihnen sagen, wie toll sie sind und ihren Freundinnen das Gegenteil. Das mag es geben. Falls Sie sich so fühlen, fragen Sie Dr. Fux vom Blick.

  7. Lustfaktor:

    Männer wollten nicht nur gute Liebhaber sein, heisst es, sondern grossartige, unvergessliche, zum wahnsinnig werden gute Liebhaber. Da haben die Frauen absolut gar nichts dagegen. Es ist aber nicht so einfach. Wenn Sie sich daran erinnern, was wir über die Frauen mit ihren Bibliotheken der Unsicherheit gesagt haben, dann müssen Sie sie dazu bringen, dass sie die Bibliothek niederbrennt und mit ihnen abhaut. Dann werden Sie den besten Sex ihres Lebens haben.

Im Bild oben: Thomas Jane in der Serie «Hung». (Foto: HBO)