Rücksichtslose Arschloch-Frauen

Blogmag

Der Titel war schon mal super: «Die Venus-Falle – wenn Frauen sich wie Arschlöcher benehmen», so überschrieb vergangene Woche eine befreundete Journalistin ihren Blogpost des Inhalts, dass sie sich in jüngster Zeit von schlecht erzogenen Frauen umzingelt sieht. Von jungen einerseits, die Kaugummi kauen mit offenem Mund, kokett die Augen verdrehen, laut telefonieren, Stöckelfuss wippen, Nägel lackieren, Parfum rumsprühen. Im weiteren Prozess des Heranwachsens schnappen die sich Männer und servieren sie nach einiger Zeit wieder ab, welche wiederum später an der starken Schulter besagter Freundin  ihr Leid klagen. Dieses besteht, so meine Freundin, vor allem darin, dass diese Exen, nun, Arschlöcher waren. Oder sich zumindest so benahmen. Im Blog denkt die Freundin darüber nach, ob das vielleicht mit der Emanzipation zu tun haben könnte und schliesst dann mit den Worten: «Und jetzt fürchte ich einen Shitstorm.»

Dazu gibt es Verschiedenes zu sagen. Erstens: Der Shitstorm blieb wenig überraschend aus. Wenn Frauen die Perspektive leidender Männer einnehmen und aus dieser heraus ihre Geschlechtsgenossinnen tadeln, ist mehr mit Standing Ovations zu rechnen. Dies, weil sie das Vorurteil bedienen, die Emanzipation störe das Klima zwischen Mann und Frau und sei vor allem am Leiden der Männer schuld. Ob das so ist, kann ich nicht abschliessend beurteilen, denn ich kenne die gute alte Zeit, als Frauen noch als das mindere Geschlecht galten nicht, aber ich zweifle daran, dass Mann und Frau früher viel harmonischer zusammenlebten. Ich glaube, es gab immer schon gleich viele Arschloch-Frauen wie Arschloch-Männer – allenfalls sind die Strukturen heute eher so, dass die Arschloch-Frauen sichtbarer werden, weil die Gleichberechtigung ihren Handlungsspielraum erweitert hat.

Aber schauen wir die Vorwürfe im Einzelnen an. Männer klagten darüber, so meine Freundin, dass Frauen sie in ihre Entscheidungen nicht einbezögen. Die Männer wagten es wiederum nicht, das zu kritisieren, weil sie nicht als Obermachos oder Feigling dastehen wollten. Frauen beanspruchten Freiraum für sich, den sie ihren Männern im Gegenzug nicht zugestehen würden. Die Frauen weigerten sich, mehr als nur einen Bruchteil zum Haushalteinkommen beizutragen, was die Männer in die Ernährerposition dränge. Bis die Frau dann nach ein paar Jahren einen Abgang mache und er für die Familie zu zahlen gezwungen sei.

Dass es Frauen gibt, die sich so benehmen, ist unbestritten. Anhand der Schilderung meiner Freundin stellt sich für mich allerdings vor allem folgende Frage: Warum wehren sich die Männer nicht, wenn ihre Frauen sie so schlecht behandeln? Warum lassen sie sich vorschreiben, wie viel Freiraum sie bekommen, wie viel sie arbeiten wollen? Warum fordern sie nicht ein, was sie brauchen, warum intervenieren sie nicht, wenn ihre Frauen sich alle Rechte herausnehmen, ohne sie ihnen im Gegenzug auch zuzugestehen? Kurz: Warum sind sie solche Schlappschwänze? Die Antwort gab meine Freundin bereits: Sie wollen nicht als Obermachos dastehen. Aber mit Verlaub: Wie kommen diese Männer darauf, sie seien Obermachos, wenn sie ihre Bedürfnisse und Bedenken formulieren? Was für einen Begriff von Beziehung haben die überhaupt und was für ein Verhältnis zu ihrer Position darin? Sollte man solche Themen in einer Beziehung nicht besser nüchtern besprechen, anstatt alles zähneknirschend hinzunehmen, nur um dann als der Gelackmeierte dazustehen? Und wäre es nicht vielleicht denkbar, dass die Männer von ihren Frauen letztlich genau deshalb verlassen werden, weil sie sich einfach alles gefallen lassen, anstatt für sich selber einzustehen?

Nach meiner Vorstellung ist Emanzipation erstens nicht unbedingt ein Begriff, der sich in erster Linie auf zwischenmenschliche Beziehungen anwenden lässt. Zweitens bedeutet er schon gar nicht, dass Männer sich klein machen sollen, nur um ja nicht als Obermacho dazustehen. Die Emanzipation soll nicht die Männer klein machen, sondern beide Geschlechter auf Augehöhe bringen, auf dass sie aus ihrer jeweiligen Position heraus ihre Rollen verhandeln können, sei das in der Beziehung, der Familie oder im Job.

Wer Wünsche und Ziele hat, ist gut beraten, die Verantwortung dafür nicht abzuschieben. Natürlich darf „Emanzipation“ kein Freipass dafür sein, sich wie ein Arschloch aufzuführen. Aber wenn Männer sich das einfach gefallen lassen, nur um sich dann bei einer anderen Frau über die böse Emanzipation auszuheulen, dann ist das genau so falsch. Viel mehr sollten sie sich selber emanzipieren – vor allem von der Angst, als egoistisch oder gar als Obermacho zu gelten, nur weil sie eigene Ansichten, Meinungen und Wünsche haben. Vielmehr sollten sie dazu stehen. Denn starke Frauen wollen keinen Lakai an ihrer Seite, sondern einen ebenbürtigen Partner.

Im Bild oben: Jason Lee und Jaime Pressly in der Serie «My Name is Earl». (Foto: 20th Century Fox Television)