Der Zauber der Deduktion

Lektionen in Logik

Wespen sind nicht nur lästig, sondern auch ziemlich intelligent. Foto: iStock

Die Philosophie hat unmittelbare Anwendungen auf das Leben, meine Damen und Herren. Zum Beispiel: Viele Menschen versuchen, die Aufgaben des Lebens mithilfe der Deduktion zu lösen. Mit diesem logischen Verfahren wird seit Aristoteles die Ableitung des Besonderen und Einzelnen vom Allgemeinen bezeichnet, also die Erkenntnis des Einzelfalles durch ein allgemeines Gesetz, der Schluss vom Allgemeinen auf das Besondere. Dem steht die induktive Methode gegenüber: die Gewinnung von allgemeinen Aussagen aus der Betrachtung von Einzelfällen. Überlegen Sie mal, welche Methode Sie für Ihre persönliche Lebensbewältigung vorzüglich anwenden.

Und wieso überhaupt diese philosophischen Spekulationen?, fragen Sie mich. Wegen der Wespen. Genau, Wespen. Neueste Erkenntnisse besagen: Wespen sind zu deduktivem Denken in der Lage. Ich persönlich hatte diesen Verdacht ja schon lange. Wir werden dieses faszinierende Phänomen und seine Implikationen im Folgenden etwas genauer beleuchten:

  1. Wespen sind nicht nur zur Deduktion, sondern auch zu transitiver Inferenz in der Lage.

  2. Mit transitiver Inferenz wird ein Denkprozess bezeichnet, der Objektpaare per Rückschluss in logische Beziehungen setzen kann.

  3. Zum Beispiel nach folgendem Muster: Rosi hat mehr Bücher gelesen als Martin. Horst hat mehr Bücher gelesen als Rosi. Wer hat mehr Bücher gelesen, Horst oder Martin?

  4. Die Fähigkeit zur transitiven Inferenz bedeutet also, dass auf einem logischen Umweg auch neue Paare zueinander ins Verhältnis gesetzt werden können.

  5. Das kann im Überlebenskampf von Vorteil sein. Stellen Sie sich Situationen in Kontexten von Gruppen, Horden, Herden, Rotten, Schwärmen oder Rudeln vor. Vermittels transitiver Inferenz lassen sich Kämpfe beim Aufeinandertreffen von zwei sich unbekannten Gruppenmitgliedern von vornherein vermeiden. Wenn nämlich mindestens eine Seite des potenziellen Konflikts die andere Seite bereits in Interaktion mit einer vertrauten Drittpartei beobachtet hat. Dann kann das betreffende Individuum dank transitiver Inferenz seine eigene relative Stärke dem unbekannten Individuum gegenüber in Beziehung setzen und bei mangelnden Erfolgsaussichten auf die Konfrontation verzichten. So wird wertvolle Energie gespart. Wespen sind übrigens nicht die einzigen Tiere, die zu transitiver Inferenz in der Lage sind. Und das Prinzip lässt sich natürlich auch auf potenzielle Konflikte in menschlichen Gesellschaften übertragen. Aber das führt uns wieder zu anderen philosophischen Fragen.

7 Kommentare zu «Der Zauber der Deduktion»

  • LiFe sagt:

    Aus sehr guten Gründen habe ich mich über den Artikel gefreut…..sollte die Gelegenheit kommen, dann werde ich an den Artikel erinnern, dem ich Gelassenheit zu verdanken habe.

Kommentar

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