Alles auf Zeit

Kulturverlust? Oder nicht?
Tingler

Warum teuren Schmuck kaufen, der einem bald verleidet ist? Leasing könnte Abhilfe schaffen. Foto: iStock

Das Leasing von Möbeln soll ja jetzt bei einer schwedischen Möbelhauskette möglich sein, meine Damen und Herren. Man kann das Sofa leasen, dann zurückgeben, worauf das Ding weiterverkauft oder wieder verleast werden kann, was den Lebenszyklus des Produkts verlängere. Der Gedanke des Flexiblen, Vorübergehenden, der sich in diesem Modell ausdrückt, ist ein Leitgedanke unserer Zeit. Er liegt Phänomenen wie der Sharing Economy und der Gig Economy zugrunde. Zugang statt Eigentum. Oder die totale Durchkommerzialisierung sämtlicher Daseinssphären? Überlegen Sie sich das mal anhand folgender Ausweitungen des Leasing-Ansatzes:

  1. Bücher leasen

    Um den richtigen Eindruck zu machen, falls Besuch kommt, leasen Sie ein paar Meter Bücher. Könnten sie auch lesen. Aber nur sehr vorsichtig.

  2. Haustiere leasen

    Haustiere mit geringerer Besitzerbindung, etwa Aquarienfische, haben nichts dagegen, wenn ihr Eigentümer wechselt.

  3. Haute Couture leasen

    Die Haute Couture ist ein Musterbeispiel an Nachhaltigkeit: Hochwertiges Kunsthandwerk, was man ein Leben lang tragen kann. Die Erschwinglichkeit für breitere Kreise vermittels Leasing sichert auch noch Arbeitsplätze in bedrohten Berufsfeldern wie Federglätter oder Rheinkiesel-Applikatorin.

  4. Juwelen leasen

    Wer weiss, ob Sie dieses Diadem oder jene Armbanduhr ein Leben lang mögen, auch wenn sie so viel gekostet haben wie ein Einfamilienhaus. Lieber leasen!

  5. Kunst leasen

    Passt besonders zum sogenannten Blue-Chip-Segment der zeitgenössischen Kunst. Also zu Werken von Künstlern mit beträchtlicher ökonomischer Potenz wie Damien Hirst oder Jeff Koons, die Teil des Celebrity-Systems der spätmodernen Mediengesellschaft sind und ihre Kunstwerke in arbeitsteiligen Grossateliers wie hochpreisige Markenprodukte herstellen und vermarkten.