Der vorletzte Schrei

Hinweise zur Ferienetikette.

Mitten im Selfie-Meer äh… Mittelmeer: Strand-Selfies werden leider besonders gern gepostet. (Foto: iStock)

Ich weiss, wir haben immer noch nicht das Geist-Materie-Problem gelöst, meine Damen und Herren, also die Frage, wie aus biochemischen Vorgängen nicht bewusster Materie in einem Organ, das rund anderthalb Kilo wiegt, so etwas wie Geist entsteht. Jedenfalls in einigen Fällen. Faszinierend ist darüber hinaus, dass nur zwei Prozent des Denkens bewusst erfolgen. Wer misst so was eigentlich – und wie? Egal, fest dürfte stehen, dass gerade Manierenverstösse zumeist nicht aus Aggressivität entstehen, sondern aus eben dem, was man Gedankenlosigkeit nennen könnte. Das macht sie allerdings nicht weniger störend. Neben übersaisonalen Klassikern hat ja ausserdem noch jede Jahreszeit sozusagen ihre eigenen, ganz spezifischen saisonalen Fehltritte. Befassen wir uns mal mit dem Sommer:

  1. Kein Telefon am Strand. Und, da wir vom Strand sprechen: maximal ein Instagram-Strand-Bild pro Saison, bitte. Respektieren Sie dabei die Privatsphäre von Drittpersonen und deren Recht am eigenen Bild.

  2. Keinen E-Reader am Strand. Nehmen Sie ein Buch mit, meine Damen und Herren, nur zu! Mit Sand und Sonnenöl-Flecken. Ich empfehle: «Madame Bovary». Apropos Sonnencreme: Wieso gibt es eigentlich noch keine Bräunungslinie von Donatella? Das wird höchste Zeit. Ich schlage folgendes Branding vor: «Donatella Beyond Repair».

  3. Falls Sie Ihre Sommerferien in Belgien zu verbringen wünschen, bedenken Sie: Achtzig Prozent der Weltproduktion an Billardkugeln kommt aus Belgien, und die zweitgrössten Menschen der Welt kommen ebenfalls aus Belgien.

  4. Meer oder nicht: Sobald die Entfernung zum nächsten Badegewässer mehr als hundert Meter Luftlinie beträgt, geht man nicht mehr oben ohne. Egal, welchem Geschlecht man angehört.

  5. Givenchy-Flip-Flops übermitteln folgende Botschaft: Ich bin Kanye West. Oder: Ich bin aktuell oder dauerhaft aufgrund meines körperlichen oder psychischen Zustands in der Bildung oder Äusserung von Geschmacksurteilen erheblich eingeschränkt. Oder beides. Oder alles zusammen.

6 Kommentare zu «Der vorletzte Schrei»

  • Leo Klaus sagt:

    Madame Bovary? Echt? Wenn schon realitaetsferne Romatik, dann lieber „Don Quixote“. Letzteres ist auch viel dicker, also auch als Kopkissen brauchbar 😉

Kommentar

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