Wir brauchen mehr Steuern!

Medien, Mode, Menschen: Für eine bessere Welt müssten wir noch so vieles besteuern.

Wer sich medial verdummen lässt, soll bezahlen: Klumsteuer daher! Foto: Friedemann Vogel (Epa)

In Uganda wird neuerdings Klatsch besteuert, meine Damen und Herren. Sie haben richtig gelesen: Anfang des Monats hat der ugandische Präsident Museveni ein kontroverses Gesetz durchgesetzt, das die Nutzung von Kommunikationsplattformen wie Whatsapp, Facebook, Twitter und Skype mit einer Steuer belastet. Denn Präsident Museveni ist der Auffassung, dass durch diese Apps und Websites lediglich unerwünschter und potenziell schädlicher Klatsch befördert werde. Nun ist Uganda, so viel kann man wohl sagen, nicht gerade das fortschrittlichste Land der Welt, und kritische Stimmen weisen darauf hin, dass es Herrn Museveni bei besagter Steuer wohl eher um Zugangszensur und Nachrichtenkontrolle zur Absicherung seiner inzwischen 32 Jahre währenden Herrschaft ginge. Dies aber ändert nichts daran, dass die Idee, Verhalten durch Preise (hier in Form einer Steuer) zu beeinflussen, ein Lenkungsinstrument darstellt, das den Vorteil hat, ohne direkte Verbote oder Gebote, also unmittelbaren Zwang, auszukommen. Preislösungen sind Marktlösungen, und Marktlösungen sind, weil sie die individuelle Entscheidungsautonomie grundsätzlich respektieren, Verboten und Geboten wenn immer möglich vorzuziehen. Jedenfalls wenn man liberal denkt, so wie ich. In diesem Sinne hätte ich hier noch ein paar weitere Besteuerungsideen:

 

  1. Eine Steuer auf den Konsum und die Herstellung von «Germany’s Next Topmodel» und ähnlichen Verdummungsfernsehformaten. Sowie eine Steuer auf alles, was mit Heidi Klum zu tun hat.

  2. Eine Steuer auf Mobiltelefonate, deren Ertrag zur Abwendung des Klimawandels eingesetzt würde. Das wäre eine viel effektivere Lenkungsabgabe als irgendeine CO₂-Abgabe auf Flugbenzin.

  3. Und, da wir vom Fliegen reden: eine Steuer auf Drohnen. Jedenfalls in ihrer Verwendung als Möglichkeit, anderen Leuten auf die Nerven zu gehen.

  4. Und, da wir von Nerven reden: eine Steuer auf diese mobilen Minilautsprecher. Nein, danke, ich will nicht «I Took a Pill in Ibiza» hören, während ich in Hottingen aufs Tram warte.

  5. Eine Steuer auf Crocs. Wichtiger Schritt im Kampf gegen Plastik. Und ästhetische Zumutungen.

5 Kommentare zu «Wir brauchen mehr Steuern!»

  • Karl-Heinz sagt:

    6.: eine Steuer auf Verdummungsfernsehformate, die uns mit dem Gedanken, den Klimawandel beeinflussen zu können, auf den Senkel gehen.

  • werner boss sagt:

    Endlich ein paar gute Ideen von Tingler,.Ich könnte dem noch beifügen , dass alles was über einen gewissen Herrn aus Übersee, welcher den selben Anfangsbuchstaben im Namen hat, bei mündlicher und schriftlicher Weiterverbreitung , besonders hoch besteuert werden sollte! Dass der Ertrag daraus der Umwelt zugute kommen sollte, erklärt sich von selbst!

  • Meinrad Angehrn sagt:

    Bei Frau Klum wird es schwierig wegen der Steuerhoheit (USA). Aber das hindert den Staat, in der diese auftritt, nicht, eine erhöhte Steuer auf das Künstler-Honorar zu erheben. Nun es geht aber um alles, was mit Heidi Klum zu tun hat. Diese hatte 2006 einen kurzen Auftritt im Film „Der Teufel trägt Prada“. Da wären der Teufel und Prada neu zu besteuern.

    Die erwähnten Steuern könnten alle dazu betragen, die „Heiratsstrafe“ für Eheleute und „Verpartnerte“ (Art. 9 Abs. 1bis DBG) auszufinanzieren, ohne dass die unselige CVP-Initative nochmals zur Abstimmung käme. Der Bundesrat hält zu diesem Problem eine publikationsreife Botschaft bereit. Das Bundesgericht dürfte (gerade auch wegen dieser Botschaft) in Kürze die Abstimmungswiederholung ablehnen.

  • Corno Carlo sagt:

    die einzige Antwort darauf: Konsumverweigerung. Genauso, wie es heute schon Minimalisten gibt, die Arbeitsverweigerung praktizieren. Es gibt bekanntlich 2 Arten von Bürgern, diejenigen, brav arbeiten und Steuern zahlen und solche, die genausoviel arbeiten, dass sie steuerfrei sind und/oder Sozialleistungen beziehen können.

  • Ivar sagt:

    Wenn man wirklich liberal denkt, brauchen es sicher nicht mehr Steuern, ganz grundsätzlich nicht! Eigentlich braucht niemand mehr Steuern, denn dieses Geld ist mehrheitlich ineffizient investiert. Ge- und Verbote gibt es ebenfalls im Übermass.
    Um die genannten Zumutungen zu umgehen, lassen Sie doch den Markt spielen und ignorieren oder tolerieren Sie. Wieso die Dummheit anderer zu seinem Ärger machen?

Kommentar

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