Die Hautfarbe der Empörung

Weisse Männer kriegen die Rosaröte und die Beschimpfung gleich dazu: Was wir im Mai gelernt haben.

Rosa wie Männerhaut: Gammon wird zum Schimpfwort. Foto: Pexels.com

Zunächst zur umwerfendsten Nachricht diesen Monat, meine Damen und Herren: Kanye West hat getweetet, dass er sein Telefon loswerden will, um sich mehr auf die Musik zu konzentrieren. Zum Glück hatte er sein Telefon noch zur Hand, um besagten Tweet abzusetzen. Und hier kommen noch ein paar andere Dinge, die wir diesen Monat gelernt haben:

  1. «Gammon» (zu Deutsch: Schinken) ist, besonders im Vereinigten Königreich, das neue Schimpfwort für weisse Männer in den besten Jahren, die rot im Gesicht werden, wenn sie sich aufregen (zum Beispiel über Brexit-Gegner).

  2. «Centrist Dad» wiederum bezeichnet quasi die entgegengesetzte soziale Kohorte, am besten zu übersetzen mit: Papi der Mitte. Dafür muss man nicht wirklich Vater sein. Sondern nur mittelalt und mit einer Skepsis vor Extremen. Eher pragmatisch und lösungsorientiert, also irgendwie erwachsen. Idealismus ohne Illusionen, wie ein archetypischer Centrist Dad, nämlich John F. Kennedy, das wohl ausdrücken würde.

  3. Die Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle war nicht zuletzt der Ausgangspunkt für eine Debatte darüber, ob es patriarchalisch sei, wenn eine Braut von ihrem Vater an den Bräutigam übergeben werde. Übrigens war das nicht das erste Mal, dass eine royale Braut nicht von ihrem Vater zum Altar geleitet wurde: Prinzessin Margaret wurde 1960 von Prinz Philip begleitet, weil ihr Vater, König Georg VI., nicht mehr lebte. Und Königin Victoria führte zwei ihrer Töchter zum Altar.

  4. Der französische Präsident Macron schenkte Harry und Meghan zur Hochzeit ein Feuerzeug. Das deutsche Magazin «Gala» war nicht begeistert und fragte seine Leserschaft: «Ist dieses Geschenk wirklich so klug gewählt? Schiesslich hat Harry seiner Meghan zuliebe erst vor kurzem das Rauchen aufgegeben – zumindest im Haus.» Vielleicht kann er was anderes damit anzünden.

  5. Das Finale der Eishockey-Weltmeisterschaft gab diversen amerikanischen Kommentatoren wieder einmal Gelegenheit, Sweden und Switzerland durcheinanderzubringen. (Die letzte grosse Verwechslung passierte beim Börsengang von Spotify.) Auf Twitter war die Hölle los. Nur ohne Kanye.

5 Kommentare zu «Die Hautfarbe der Empörung»

  • Yolanda Hecht sagt:

    „«Gammon» …., das neue Schimpfwort für weisse Männer in den besten Jahren, die rot im Gesicht werden, wenn sie sich aufregen….“ Das Rotwerden könnte auch vom Alkohol stammen, den diese Männer ein Leben lang in zu grossen Mengen zu sich genommen haben und die ab einem gewissen Alter schliesslich sichtbar werden, wenn man eine helle Haut hat. Dieses Phänomen gibt es auch ausserhalb des Vereinigten Königreichs, es existiert unabhängig vom Brexit.

    • Mike Gerber sagt:

      @Yolanda Hecht
      In England scheint es aber besonders häufig vorzukommen, deshalb werden sie von den Franzosen auch Rosbif (Roastbeef) genannt.

  • Belo Zibé sagt:

    »Gammon« und kein Aufschrei der politisch Korrekten? Rassisten und politisch Korrekte rauchen das das selbe Zeug,habe ich unlängst gelesen.Es scheint zu stimmen.

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