Noch zu retten

Denn noch scheint nicht alles den Bach runtergegangen zu sein.

Riad Asmat, Chef von Air Asia, zeigt: Rettung ist möglich – hier bei einer Pressekonferenz am Hauptsitz im letzten Dezember. Foto: Lai Seng Sin (Reuters)

Wir leben in Zeiten, in denen ein einziger Vorfall, ja, ein einziger Mitarbeiter den weltweiten Ruf eines Unternehmens schwer schädigen kann, meine Damen und Herren. Besonders in allen Unternehmenssparten, die irgendwas mit Service zu tun haben. Das zeigt sich immer wieder am Beispiel von Fluggesellschaften. Wie jüngst bei United Airlines nach dem Tod einer Französischen Bulldogge auf einem Flug von Houston nach New York City, nachdem ein Mitglied der Crew das Tier vorschriftswidrig im Gepäckfach verstaut hatte. Das war im März. Im gleichen Monat verbreitete sich global ein virales Video, das die Gepäckzuständigen der in Malaysia basierten Fluggesellschaft Air Asia bei der Misshandlung von Fahrrädern dokumentierte, die Passagiere aufgegeben hatten. Eine Imagekatastrophe war die Folge. Um das wiedergutzumachen, haben besagte Gepäckabfertiger nun via Facebook Fotos gepostet, die zeigen, wie sie Gepäckstücke herzen, küssen und umarmen. Natürlich macht das den Fehltritt nicht ungeschehen, signalisiert uns aber (zusammen mit einer Entschuldigung sowohl des Gründers wie auch des Chefs von Air Asia und dem Angebot einer Gratis-Fahrradbeförderung für den April), dass man sich auf jeder Stufe der Organisation um Schadensausgleich und Wiedergutmachung bemühte. Und auf einer allgemeineren Ebene zeigt uns der Vorgang: Rettung ist möglich. Jedenfalls meistens. Zur weiteren Illustration dieser tröstlichen Aussicht folgen hier fünf weitere Phänomene, die eventuell noch zu retten sind:

  1. Das Verhältnis zwischen Nord- und Südkorea.

  2. Das Verhältnis zwischen Angela Merkel und Donald Trump.

  3. Der Literaturnobelpreis (wenn auch nur mit sehr viel Glück).

  4. Das Nördliche Breitmaulnashorn (wenn auch nur mit sehr, sehr viel Glück).

  5. Die Beliebtheit von Johann Schneider-Ammann ... oder vielleicht doch nicht. Dieses Phänomen scheint aktuell, wie es in der Welt der Fluggesellschaften heisst: «beyond repair».

8 Kommentare zu «Noch zu retten»

  • Karl-Heinz sagt:

    Das Verhältnis Nord- zu Südkorea ist wichtig, das zwischen Merkel und Trump
    ist ok, auf den Literatur-Nobelpreis kann locker verzichtet werden, der Rest
    ist für die weitere Entwicklung der Welt ohne Bedeutung.

  • Rolf Rothacher sagt:

    Schade. Wieder eine gute Gelegenheit verpasst, aus einem wirklich guten Gedankengang etwas Brauchbares für den Leser zu produzieren. So wird bloss ein wenig am Lack gekratzt und das tatsächlich Wichtige beim Phänomen der Ruf-Schädigung durch wenige Mitarbeiter (rasche Verbreitung aufgrund der Digitalisierung) und dem oft allzu raschen und unterwürfigen „Kotau“ der Firmenleitungen (ebenfalls dank der Digitalisierung) bleibt unerwähnt.
    Man hätte was draus machen können. Doch Herr Tingler begnügt sich mit dem „Fun-Aspekt“ seiner Idee.
    Er sollte ja nicht seine Perlen ständig vor die Säue werfen. Aber mit seinen Kommentaren bekommt man das Gefühl, er nähme seine Leser nicht wirklich wahr.

    • Edi sagt:

      Nun denn, nur die Technik soll sich geändert haben, nicht der Mensch. Insofern nimmt vielleicht – bei aller Manierlichkeit – der Leser den Autoren und nicht der Autor den Leser „nicht wirklich wahr“, zumal der Autor hier – imho – die Abhängigkeit des eingeebneten Verhaltens im digitalen Raum zur Genüge aufgezeigt hat. Aber es gilt immer, bei „guten“ Texten die Transzendenz (ja, ich weiss) die Möglichkeit eröffnet, eine Brücke (ja, ich weiss) zu schlagen. Und sei es nur vermittels misshandelter Fahrräder. Was wollte ich noch sagen? Generös formuliert ist der Literat zum Glück frei. Aber das brachte ich, so glaube ich, schon mal zum Ausdruck. Was ich indes nicht kenne, ist der Zeitraum des Entwerfens der Texte. Aber auch hier besteht Freiheit. Und eigentlich: Es ist mir egal.

  • Margrit Ryssel sagt:

    Der Tag hat für mich zwar erst gerade angefangen (bin noch bei Kaffee 1/3 )
    – doch schon have you saved my day!

    Danke, Herr Tingler

    PS Nur in Punkto Johann Schneider-Ammann stimme ich Ihnen nicht zu:
    Seine „Lachen ist gesund“-Rede zum Tag des Kranken hat ihn als Witzbold 1. Ranges geoutet und ihm anhaltend Ruhm + Ehre auf Youtube eingebracht.

  • Kai Hawaii sagt:

    Zu Punkt Verbesserung des Verhältnisses Trump – Merkel: Mir wäre ein Nicht-Verhältnis lieber: d.h. Rücktritt Trump und neues Verhältnis Nachfolger Trump- Merkel. – Zu Punkt Gibt es noch Hoffnung für Johann Schneider-Ammann.: Oh NEIN! Auch hier kann der Nachfolger nur besser sein.

  • Jacques sagt:

    Es gibt zwei Varianten, um die Welt zu retten:
    – Aus Berlin: „Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos“.
    – Aus Wien: „Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst“.
    Auch wenn die Wiener-Variante nicht vom Wiener Ernst Happel stammt, scheint sie mehr Spass zu machen. Auch einer Synthese/ Kombination lassen sich aber keine Weltkriege gewinnen. Heisst, immer pazifistisch bleiben.

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