Liebe und Hass

Fünf Traumpaare? Ein Gedankenexperiment.

Ein Gespür für Auftritte verbindet dieses Traumpaar: Kim Kardashian und Bob Dylan. Fotos: Evan Agostini (Invision, AP, Keystone); Chris Pizzello (Keystone)

«Nichts verbindet so sehr wie gemeinsame Schwächen» – diesem alten geflügelten Wort, meine Damen und Herren, unterstützt durch modernere Erkenntnisse der Psychodynamik, scheint sich in einer drastischen Abwandlung die Online-Dating-Plattform Hater verschrieben zu haben: Hater will Menschen auf dem Weg über gemeinsam geteilte Abneigungen verbinden. Nun könnte man anführen, dass wir aktuell in Zeiten leben, in denen Hass und Negativität ohnehin schon viel zu prominent sind. Darauf kommen wir gleich zurück. Zunächst aber haben wir uns, aus Gründen der Anschaulichkeit, vom Hater-Algorithmus inspirieren lassen und uns, derart geleitet, ein paar hypothetische Traumpaare überlegt:

  1. Gwyneth Paltrow und Charlie Sheen

    Gemeinsame Abneigung: Fleischkonsum

  2. Bastien Girod und Vitus Huonder

    Gemeinsame Abneigung: Spass

  3. Bob Dylan und jedes Mitglied der Kardashians

    Gemeinsame Abneigung: Unnötige öffentliche Auftritte

  4. Carolin Emcke und Gordon Ramsay

    Gemeinsame Abneigung: Feuchtigkeitscreme

  5. Mike Pence und Ueli Maurer

    Gemeinsame Abneigung: Verwendung von Emojis

Und nachdem wir also diese Paarungen gewürdigt und erwogen haben, möchten wir dann doch Zweifel daran anmelden, dass für erwachsene Menschen (und wir verwenden dieses Prädikat nicht leichtfertig) eine geteilte Abneigung gegen Fidget Spinners, Weihnachtsmusik, Polohemden, die Zukunft oder Donald Trump als hinreichende Grundlage für eine reife, liebevolle, verantwortungsbewusste Beziehung fungieren könne. Denn was ist Liebe, meine Damen und Herren? Liebe ist: etwas Positives, Schöpferisches, Heilendes. So was kann nicht einfach auf geteiltem Hass basieren. Es sei denn, dieser Hass richtet sich gegen Crocs.

1 Kommentar zu «Liebe und Hass»

  • Reincarnation of XY sagt:

    Bravo Herr Tingler: mehr Liebe, weniger Hass.

    Ich bin momentan richtig erschöpft von dieser Hater-Gemeinschaft. (Und ziehe deswegen wahrscheinlich ihren Zorn auf mich.)

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