Influencer, eh?

Typen der Konsumgesellschaft.

Wer hat hier Einfluss? Montage: Nathalie Blaser

Unlängst, meine Damen und Herren, hat mich, nachdem ich in diesem Magazin das Phänomen Fitness-Models als Lärmerscheinung einer kulturell streckenweise tief gesunkenen Gegenwart verortete, eine Dame aus dem lesenden Publikum darauf hingewiesen, dass Fitness-Models inzwischen sogar schon auf Linkedin zu finden seien. Als wäre das ein Beruf.

Und für alle, die (wie ich) darinnen ein weiteres Menetekel des Niedergangs erkennen, hätte ich hier noch einen Anhang zu unserer losen Reihe «Typen des Sozialen»: Influencer.

Und die Geschichte dazu geht folgendermassen: Ich sitze so im Flugzeug und blättere durch die «Zeit», die mir die freundliche Dame von Swiss vorher ausgehändigt hatte. Dabei stosse ich im «Zeit-Magazin» auf eine Anzeige, die eine «Zeit-Magazin-Konferenz» zum Thema «Mode & Stil» bewirbt. Und als ob dies noch nicht genug Widerspruch in sich wäre, wird die Liste der angekündigten Teilnehmer angeführt durch Siegberta Schnöseltuck (Name geändert), eine mir vollständig unbekannte Person, Berufsbezeichnung: «Stylist and Influencer» (man beachte das schicke «and»). Und ich so: Influencer? Wat is kaputt?

Durch einen seltsamen Zufall fand sich dazu passend in der «Zeit» ein ganzseitiges Porträt über Cameron Dallas, Influencer. Dazu von mir an dieser Stelle nur so viel: Bleugh!

Ich werde alt.

11 Kommentare zu «Influencer, eh?»

  • Urs sagt:

    Das Absurde kann jeden beliebigen Menschen an jeder beliebigen Strassenecke anspringen.
    Albert Camus.

    Zwar war der Spruch in anderem Zusammenhang gemeint, aber er passt dennoch auch hier.

  • Vierauge sagt:

    you made my day!

  • tststs sagt:

    Uh, geht es um den „Beruf“ Influencer (aka Meinungsmacher, aka Kommentator/Kolumnist, aka Vorbild) oder geht es vllt nicht eher darum, für welche banalen Themen/Lebensbereiche sich diese Leute ins Zeug legen?

  • fufi sagt:

    Ich weiss nicht recht, aber irgendwie tönt „influencer“ nach so nem ganz bösen Virus namens „influenza“,
    https://de.wikipedia.org/wiki/Influenza
    was so ganz schlimme fiebrige und noch absurdere Zustände bewirken kann.

    Das Gute daran ist:
    Mann und/oder Frau kann sich dagegen impfen = immunisieren lassen!
    Und so ehrlich gesagt: DAS wäre erst noch billiger 🙂

  • Hannes sagt:

    An dieser grassierenden Krankheit ist nicht der Influencer Schuld. Sogenannte Marketing Executives (Erreger) merken plötzlich, dass die wertvolle Aufmerksamkeit, die man sich für teuer Geld im TV und dem Klatschblatt kaufte, um seinen Schund zu vermarkten, im Internet sprießt wie ein juckender Ausschlag.
    Passt man nicht auf, bildet sich ein Geschwür namens MCN (bei Bedarf nachschlagen) und zieht dem armen Marketing Manager das Geld aus der Tasche.
    Das nährt den Influencer.

    Das ist nicht neues. Dank des toxischen Brutherdes der wahren Krankheit namens MarketingMix kann ein moderat talentierter Creator (ein Synonym des Symptoms)nun davon zehren, sich selbst darzustellen. Welche Namen man dem ganzen auch gibt ist egal, es grassiert schon lange. Vgl. GNTM oder DSDS. Die sind chronisch.

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