Oh, hallo, Dings

Wie macht man Small Talk, wenn man den Namen von Bekanntschaften vergessen hat?

Nicht alle Quasselstrippen ohne Kurzzeitgedächtnis kommen so gut an wie Dorie. (Disney/Pixar)

Das neue Jahr ist da und alles soll anders werden, meine Damen und Herren. Oder nicht? Jedenfalls ist die gesellschaftlich rege Partysaison des Dezembers vorüber, und vielleicht sind Ihnen einige mehr oder weniger faszinierende neue Bekanntschaften geblieben, von denen Sie in ungefähr der Hälfte der Fälle die Namen vergessen haben. Kennen Sie das? Sie werden jemandem vorgestellt und in derselben Sekunde, in der Sie den Namen hören, haben Sie ihn wieder vergessen. Das ist neurolinguistisch faszinierend und tiefenpsychologisch aufschlussreich, aber falls es sich um eine Person handelt, die Sie wohl nie wiedersehen, ist der Schaden klein. Falls Sie hingegen einem Menschen über den Weg laufen, dessen Namen Sie kennen sollten, doch nicht mehr parat haben, gilt die Regel: Lieber gar keinen Namen benutzen, als einen zu versuchen, der dann falsch ist. Den Namen erneut zu erfragen, geht nur bei sehr flüchtigen Bekanntschaften. Wie jedoch macht man Small Talk, wenn man den Namen seines Gegenübers vergessen hat? Hier sind ein paar Hilfestellungen:

  1. «Wie läufts bei der Arbeit?»
    Aus der Antwort auf diese Erkundigung gewinnen Sie eventuell wertvolle Aufschlüsse darüber, woher Sie die Person überhaupt kennen.

  2. «In letzter Zeit viel von der Familie gesehen?»
    Passt zur Jahreszeit. Geht aber immer. Und der familiäre Hintergrund liefert Ihnen womöglich zusätzliche Informationen mit Blick auf die Frage, wie Ihr Gegenüber womöglich heissen könnte.

  3. Für den Fall, dass Sie nicht wissen, ob Sie Ihr Visavis duzen oder siezen, sollten Sie Ihre Small-Talk-Erkundigungen wie bei den obigen Beispielen anredeneutral formulieren. Also machen Sie weiter mit: «Und? Ferien geplant?»

  4. Sie sollten ausserdem den Namen, den Sie vergessen haben, durch allgemeine Anreden ersetzen wie «mein Lieber» o.ä. Auch hier ist die Balance zwischen Nähe und Distanz eine Gratwanderung.

  5. Übrigens ist es völlig akzeptabel, bei der ersten Vorstellung nochmals nachzufragen, wenn jemand mit einem komplizierten oder exotischen Namen vorgestellt wird. Zum Beispiel: Ng.

 

 

8 Kommentare zu «Oh, hallo, Dings»

  • Benni Aschwanden sagt:

    Eine typische schweizer Eigenart, dieser Zwang alle Leute bei der Begrüssung mit Namen anreden zu müssen/wollen, auch wenn man per Du ist. Ähnlich wie das dauernde Händeschüttel-Bedürfnis. Übertriebene Höflichkeit wegen genereller Unsicherheit im zwischenmenschlichen Umgang (nach dem Motto Lieber zu viel als dass sich jemand betupft fühlen könnte). Dann kommt es halt zu solchen Peinlichkeiten, dass man zugeben muss, den Namen vergessen zu haben. Das ist anderswo unkomplizierter und lockerer.

  • Carl sagt:

    warum nicht nachfragen? ist doch kein problem…. wie sagt man so schön:
    wer fragt blamiert sich für 5minuten, wer nicht fragt blamiert sich ein leben lang

  • Moira sagt:

    Leider, leider helfen alle dieses Tipps nichts, wenn man sich nicht nur nicht an den Namen erinnern kann, sondern auch nicht an die Person. Ich werde immer wieder von Menschen begrüsst, bei denen ich mir sicher bin, sie noch nie gesehen zu haben. Später stellt sich dann heraus, dass ich mehrmals mit ihnen in einer Sitzung gesessen bin oder sie erst letzte Woche an einem Anlass traf. Hat Herr Tingler auch dafür einen Rat? Ich vermute ja, dass diese Erinnerungslücke hauptsächlich meiner Egozentrik zu verschulden ist.

    • mascha sagt:

      Vielleicht haben Sie eine Form von Gesichtsblindheit ? (Das ist nicht als Witz gemeint.)
      Es gibt relativ einfache Tests dazu (online).

      • Henry sagt:

        Die meisten Leute sind einfach zu uninteressant, unattraktiv und zu langweilig, um sie sich merken zu können. Diese Kurve der Erkenntnis steigt mit zunehmendem Alter exponentiell an.

  • LiFe sagt:

    Angenommen es stellt sich jemand mit Namen vor, dann empfiehlt es sich den Namen laut auszusprechen. Z. B. „Caroline mit C oder K?“ Oder: Und, Herr Mayer, wie gefällt ihnen die Veranstaltung?“ Wetten das klappt und man vergisst den Namen nicht?

  • Siska sagt:

    Moira, Sie schreiben mir aus dem Herzen. Wie oft ist mir das schon passiert, dass ich mich nicht einmal auf das soeben von der anderen Person begonnene Gespräch konzentrieren konnte, weil ich im Geiste herumrätselte, wer das jetzt sein könnte. So peinlich. Eine Selbsthilfegruppe wäre vielleicht eine gute Idee. Dort könnten wir uns jedes Mal wieder – genau: zum ersten Mal treffen.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.