Fette Katzen

fatcats

Obiges Plakat habe ich in Melbourne für Sie fotografiert, meine Damen und Herren. Als «Fat Cat» wird im angelsächsischen Sprachraum sehr anschaulich (und nicht ganz ohne Zuneigung) der klassische Typus des erfolgreichen Geschäftsmanns bezeichnet: der Geschäftsmann alter Schule also, der selten Gefühle zeigt, sich nicht für Kunst interessiert (sofern sie keinen Preis hat), den Profit maximiert und dazu steht, massenhaft Spesen verursacht und Deals mit Zigarre und Scotch besiegelt. Dieser Typus taugt, wiewohl wir ihm viel Prosperität zu verdanken haben und bis heute von seinen ökonomischen Hinterlassenschaften profitieren, nur noch als Feindbild. Derzeit prominentestes Beispiel: Donald Trump.

Und genau darin, in seiner Feindbildtauglichkeit, unterscheidet sich der Geschäftsmann alter Schule von einem prominenten Geschäftsmanntypus unserer Tage: dem Business Geek. Der taugt nicht zum Feindbild, dafür ist er viel zu weich. Ich weiss nicht, Leser, wie es Ihnen geht, aber ich für meinen Teil finde diese Nerds und Dorks, die die neuen Wirtschaftskapitäne vorstellen sollen, nicht unbedingt glücklicher; mir ist nicht behaglich zumute beim Gedanken an anämische Spätentwickler, deren Wirklichkeit einen Stecker am Ende hat, mit riesigen Informationsvorräten und Gestaltungsspielräumen zu ihrer Verfügung. Die einzige Bar, die die kennen, ist die Genius Bar bei Apple. Und ob das besser ist als dann und wann ein Scotch, ist noch sehr die Frage. Mit diesen nachdenklichen Gedanken zu den Typen des Sozialen verabschiede ich mich für heute. Wobei, dies sei der Vollständigkeit halber angeführt, Donald Trump weder raucht noch je in seinem Leben auch nur einen Tropfen Alkohol angerührt hat. Das können Sie jetzt einordnen. Bis übermorn.

4 Kommentare zu «Fette Katzen»

  • K.A. Barett sagt:

    Treffend formuliert! „Anämische Spätentwickler“ einfach nur cool und realitätsnah. Einer der nicht raucht, nicht trinkt, kein Fleisch isst und angeblich erfüllenden Sex hat, (diese Aussage kann man in der Regel nicht überprüfen), ist grundsätzlich suspekt.
    Schlimmes Beispiel: Adolf Hitler. Antithese: Winston S. Churchill. Der Unternehmer klassischer Prägung, nicht der angestellte Manager, dessen Augen nur auf den nächsten Quartalsabschluss gerichtet und der als „schlimmer Finger“ einzustufen ist, ist sympathischer und in der Regel auch erfolgreicher.

  • Christoph Bögli sagt:

    Dass wir den „Fat Cats“ „viel Prosperität“ zu verdanken hätten und die Gesellschaft von diesen profitiert hätte, ist eine sehr gewagte These, die man wohl als romantisch-ideologische Behauptung verbuchen muss. Mir scheint eher, dass die meisten heutigen Errungenschaft, insbesondere die breite Partizipation am Wohlstand, durchwegs gegen den Widerstand dieser klassischen Unternehmer erkämpft werden mussten. Während deren „Hinterlassenschaft“ v.a. die vererbte Akkumulation von Kapital und der traditionelle Wirtschafts-Politik-Filz ist. Wobei die neue Generation unterm Nerd-Look genau…

  • Kristina sagt:

    Den Text behalte ich bis Pfingsten 2017. Dann verstehe ich es vielleicht auch.

  • LiFe sagt:

    Zweifelsohne lässt sich Trump wunderbar einordnen. Trump is a fat & fit cat in one. 🙂

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