Wissen Sie, was Sex-Arme sind?

  • Sie war schon immer ihrer Zeit voraus: Madonnas zeigt während eines Konzertes in Berlin ihre Muskeln, 2008. (Keystone)

  • Sexy wurden starke Frauenoberarme erst mit der First Lady: Michelle Obama während des US-Wahlkampfs, September 2012. (Keystone)

  • Liegt mit ihren Armen voll im Trend: Sarah Jessica Parker zeigt sich wohl definiert, 2008. (Reuters)

Bis am Sonntag hätte mich in Verlegenheit gebracht, wer mich nach der Bedeutung von Sex-Armen gefragt hätte. Ich hätte rumgedruckst und versucht, die sich mir aufdrängenden Assoziationen nicht preiszugeben. Denn die bewegen sich eher in Richtung Dark-Rooms. Dank der «NZZ am Sonntag» weiss ich es aber nun. «Sex-Arme», damit sind die wohl definierten Bi- und Trizepse gemeint, welche Musikerinnen wie Madonna, Schauspielerinnen wie Sarah Jessica Parker oder Politikergattinnen wie Michelle Obama der Mitwelt gerne in langen, ärmelfreien Roben präsentieren. Sie sind das «sexuelle Ornament der Saison», ein «zivilisatorischer Luxus in einer Welt voller ‹Bingo Wings›, den Speckflügeln an den Oberarmen, benannt nach den weichen Armen untrainierter Rentner im Freizeitmodus.»

Arme Rentner. Als Kontrastfolie für ein frisch geschlüpftes Schönheitsideälchen dienen zu müssen ist kein schönes Schicksal und ich hoffe, selbige Rentnern geht das am Hintern vorbei. Zumal die Sache mit den Sex-Armen ja vor allem ein mediales Phänomen ist und als solches auch nicht eben so neu. Vor drei Jahren bereits widmete das Magazin «New Yorker» Michelle Obamas Oberarmen einen ausführlichen Artikel – wobei es dort noch um die Frage ging, ob es einer Präsidentengattin anstehe, ärmellose Kleider zu tragen. Frau Obama stellte ihre Haltung diesbezüglich unmissverständlich klar, so dass wir darüber heute nicht mehr reden müssen. Dafür wurde die Liste der Attribute eines idealen Körpers um den Punkt «Michelle Obamas Oberarme» ergänzt. Laut Tina Fey lautet diese Liste übrigens so:

Kaukasische blaue Augen, volle spanische Lippen, Stupsnase, haarlose asiatische Haut, kalifornische Bräune, jamaikanischer Dancehall-Hintern, lange schwedische Beine, kleine Geisha-Füsse, die Bauchmuskeln einer lesbischen Fitness-Studio-Besitzerin, Hüften eines neunjährigen Jungen und die Brüste einer Barbiepuppe.

Gegen solche Schönheitsideale ist grundsätzlich wenig einzuwenden. Schliesslich sind sie nur das Resultat einer induktiven Erkenntnis aus dem singulären Erlebnis, dass Schönheit das Leben aufwertet. Ob man dem Ideal nachstreben kann oder will, muss schliesslich jeder selber wissen. Enttäuschend finde ich allerdings die deduktive Leistung der NZZ, nämlich diese Reihe wirklich bemerkenswerter Frauen  für einen Artikel heranzuziehen und aus der Tatsache, dass sie alle trainierte Oberarme vorzuweisen haben den Schluss zu ziehen, dass der Definitionsgrad des weiblichen Bizepses der neue heisse Scheiss sein muss.

Denn am Gedanken ist ja durchaus was dran. Tatsächlich fällt auf, dass erfolgreiche Frauen oft auch sportlich ehrgeizig sind. Das ist der Grund, warum sie auch auf physischer Ebene mit männlichen Attributen auftrumpfen – und nicht, so würde ich zumindest behaupten, weil sie irgendeinem Schönheitsideal folgen oder als Modell für das «sexuelle Ornament der Saison» dienen wollen. Und darüber, was das für Frauen sind, warum sie so getrieben sind, ob sie deshalb so erfolgreich sind, welche Entscheidungen sie dafür treffen mussten, würde ich gerne lesen.

Immerhin werde ich mir in Zukunft keine Blösse mehr geben müssen, wenn mich jemand auf Sex-Arme anspricht.

21 Kommentare zu «Wissen Sie, was Sex-Arme sind?»

  • Fabien sagt:

    Bingo Wings sind nun mal unästhetisch, ist wohl ein Tabubruch, das zuzugeben. Wie weit die Definition der Oberarme bei wem gehen soll, ist Ansichtssache. Tatsache bleibt aber, dass die NZZaS eine hervorragende Zeitung ist. Wenn man das hier so klar sagen darf.

  • antonio sagt:

    Für jemand, die nicht weiss ob sie hetero-bi-oder homosexual ist, finde ich dass sie wohl schöne Arme hat. Was ich jedoch als ein wenig störend empfinde sind die Krampfadern.

  • Martin sagt:

    Als Mann kann ich dazu nur folgendes sagen: Muskulöse Arme bei Frauen sind nicht nur nicht sexy sondern abstossend.

  • Robert Herz sagt:

    Ich kann solchen Armen auch durchaus etwas abgewinnen und finde AUCH, dass Madonna es auch damit etwas übertrieben hat. Anders gesagt finde ich Schwabbelarme etwas unsexy. Was soll’s – ist es halt so. Interessant ist die Assoziation von sportlich zu ehrgeizig – zu sexhungrig? So könnte man sich jetzt wenigstens interessante Gedanken darüber machen, was im US-präsidentiellen Ehebett wohl so abgeht. Legt sie ihn vielleicht auch mal übers Knie…?

  • grandmasterdust sagt:

    ich finde diese arme, wenn zwanghaft definiert, voll proll

    fuerchten tu ich mich bei solchen armen vor den haaren unter den achseln

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