Schule des Lebens

Robin Wyss, Dario Schmid, Marco Inauen, Thomas Inauen, von links, warten auf das Eintreffen der Tiere an der Grossviehschau, am Dienstag, 8. Oktober 2013, in Appenzell. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Die Sommerferien neigen sich dem Ende entgegen, meine Damen und Herrn, und allerorten geht langsam die Schule wieder los, und dies möchte ich gern heute einmal zum Anlass nehmen, diese Institution einmal zu würdigen. Die Schule, meine ich. Die Schule ist ja eine bedeutsame Einrichtung nicht nur der Wissensvermittlung, sondern auch der Sozialisation; und dazu gehört, dass man einige wichtige Lektionen bekanntlich nicht im Klassenzimmer lernt, sondern auf dem Pausenplatz. Der Pausenplatz ist ein Experimentierfeld der Gesellschaft und hat seine eigenen Gesetze. Das war schon immer so. Aber wie genau lassen sich diese Lektionen auf den Punkt bringen? Und wie weit kommt man damit? Wir finden es raus. Folgen Sie mir:

  1. Grundgesetze des Pausenplatzes

    Die Drei Grundgesetze des Pausenplatzes (DDGGDP) lauten:

    I. Beliebt zu sein ist das Wichtigste von allem.

    II. Das Zweitwichtigste ist, was die anderen von einem denken.

    III. Beliebt ist, wer gut aussieht und/oder die richtigen Dinge besitzt.

  2. Bewertung des Pausenplatzes

    Später, mit etwas Glück auch noch in der Schule, lernt man, dass Die Drei Grundgesetze des Pausenplatzes im Grunde totaler Mist sind. Man könnte auch sagen: Die Qualität einer Schule bemisst sich nicht zuletzt daran, wie sehr sie ihren Zöglingen eine innere Distanz zum Pausenplatz vermittelt.

  3. Relevanz des Pausenplatzes

    Noch später lernt man allerdings, dass der Pausenplatz überall zu sein scheint: im Internet, auf den höheren und tieferen Etagen von Corporate Switzerland, auf den Foren der akademischen Welt und den Fluren des Bundeshauses. Vom Showgeschäft gar nicht zu reden.

  4. Bewältigung des Pausenplatzes

    Grössere Teile der Welt funktionieren also anscheinend wie ein Pausenplatz. Damit muss man dann als empfindsamer Mensch, der nicht aufhören darf, die Welt verbessern zu wollen, erst mal irgendwie fertig werden. Dabei kann einem allerdings eine andere Weisheit des Pausenplatzes helfen, sofern man sie metaphorisch begreift: Coole Kids machen keine Hausaufgaben. Denken Sie mal drüber nach.

  5. Hausaufgaben für immer

    Und, da wir von Hausaufgaben sprechen: Gewöhnen Sie sich dran. Denn manche Lebensformen sind wie Hausaufgaben. Jeden Tag. Für den Rest deines Lebens. Zum Beispiel die des Schriftstellers.

Bild oben: Nicht nur im Klassenzimmer lernt man, sondern auch andernorts: Appenzellerbuben am Rande einer Viehschau. (Gian Ehrenzeller/Keystone)

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