Die Schattenseiten des Sommers

German chancellor contestant and chairwoman of the CDU Angela Merkel and her husband Joachim Sauer arrive at the festival opera house in Bayreuth, Germany, Monday 25 July 2005. The 94th Richard Wagner festival was opened with a new production of 'Tristan and Isolde'.  EPA/ Armin Weigel

Ahh, der Sommer, meine Damen und Herren! Er ist jetzt offiziell da. Die Nächte sind mild (idealerweise) und kurz, man kann draussen sitzen und Margaritas trinken oder meinetwegen auch Orangensaft mit Eis. And the living is easy, wie es in dem berühmten Stück «Summertime» von Gershwin heisst, von dem es übrigens über 20’000 Versionen gibt, mehr als von jedem anderen Song. Allerdings hat Orangensaft ganz schön viele Kalorien. Und das bringt uns zu: den Schattenseiten. Wie nahezu jedes Phänomen (ausser vielleicht Darren McFadden), so hat auch der Sommer – seine Schattenseiten. Und damit meine ich nicht so Sachen wie: Sand in den Schuhen am Strand von Danang. Oder Facebook-Instagram-Ferienschnappschuss-Missgunst. Nein, ich meine ein paar gröbere Widrigkeiten, von denen nachfolgend die fünf gröbsten aufgezählt seien:

  1. Transpiration

    Transpiration ist eine völlig normale Körperfunktion. Trotzdem kann sie – wie andere völlig normale Körperfunktionen – in der Öffentlichkeit zum Problem werden. Tellergrosse Flecken unter den Armen und feuchte Kniekehlen lassen manch arme Zeitgenossen die grausame Seite des Sommers spüren – und, bei mangelhafter Hygiene besagter Zeitgenossen, auch deren Umwelt.

  2. Middle-of-the-Road-Musik

    Sommerpartys unter freiem Himmel sind was Herrliches. Es sei denn, sie finden zu «Walking in Memphis» von Marc Cohn statt, einer der schlimmsten Pop-Balladen der postmodernen Kulturgeschichte. Und zwar so laut, dass das gesamte Quartier sich nach Memphis wünscht. Weit weg vom Geruch verbrannter Grilladen.

  3. Tropfende Klimaanlagen

    Schlimmer als Sonnenbrand.

  4. Nackte Haut

    Nackte Haut ist nicht grundsätzlich schlecht. Nur dann, wenn quasi die falschen Tatsachen nackt sind.

  5. Insekten

    Laue Sommernacht. Man streckt sich wohlig auf den kühlen Laken. Dann kommt: die Mücke. Das endet schlimmstenfalls wie ein Marx-Brothers-Film. Und bestenfalls wie «Jaws». – Variante: idyllische Terrasse. Man sitzt glücklich vor einem Coupe Dänemark. Dann kommt: die Wespe. Das endet schlimmstenfalls … Sie wissen schon. Viel Spass diesen Sommer!

Bild oben: Selbst höchste Macht schützt nicht vor Transpiration: Kanzlerin Angela Merkel mit Gatte Joachim Sauer bei den Festspielen in Bayreuth (2005). Foto: Keystone

«Tinglers Fünf» erscheint neu immer sonntags im Blog Mag und gleichzeitig auch in der «SonntagsZeitung».

12 Kommentare zu «Die Schattenseiten des Sommers»

  • Müller sagt:

    in meinen Jugendjahren -das waren so die fünfziger- war es Usus, dass in jede Bluse
    oder Kleid „Schweissblätter“ eingenäht wurden! Heute wahrscheinlich mit dem deutsch-royalen Wort „pads“ bezeichnet. Die Schneiderin von Angela Merkel sollte
    dies allerdings wissen. Doch gibts schlimmeres – und dieser Fleck mindert die Qualitäten der deutschen Kanzlerin keineswegs !

    • Viktoria sagt:

      Frau Merkel wird in diesen Tagen noch arg ins Schwitzen kommen. Ich würde ihr kaschierende Farben wie weiss, hellgelb oder hellblau empfehlen. Doch von einer Kombination von weiss mit hellblau muss ich dringend abraten.

  • Viktoria sagt:

    Summertime, die Arie aus der Gershwin Oper Porgy and Bess wird im Stück mehrmals gesungen, und in der drauffolgenden Szene zieht jeweils Unheil auf, denn es stirbt wieder jemand. Von wegen „and the living is easy“. Viele namhafte Interpreten haben diesem Wiegenlied für ein Waisenkind ihren Stempel aufgedrückt. Maria Callas, Sinatra, Ella Fitzgerald, Barbara Streisand, Janis Joplin (!), Celine Dion, Paul Mc Cartney, Sting, Michael Bolton, Norah Jones usw. Bei der Interpretation von Ella Fitzgerald zusammen mit Louis Armstrong , auf YouTube zu finden, das Taschentuch bereithalten.

  • HNH sagt:

    Gegen Transpiration habe ich nichts. Sie ist ein wichtiger Vorgang bei Pflanzen. Die Perspiration hingegen ist etwas übles.

    p.s. Gibt es das Wort ‚Schwitzen‘ noch?

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.