Der schlimmste Arbeitsplatz der Welt

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Haben Sie diese stark bügelbedürftigen Flaggen beim G-7-Gipfel bemerkt, meine Damen und Herren? Ich weiss nicht, welche Protokollabteilung hier versagt hat, aber das war irgendwie direkt ein Anklang von Punk. Es war der Punk, bekanntlich, der Ende der Siebzigerjahre des letzten Jahrhunderts die sogenannte Postmoderne beendete, denn der Punk verneinte zum ersten Mal die Zukunft schlechthin: no future.

Wir leben nun in den Ruinen der Postmoderne. «Die Ruinen der Postmoderne sind ironisch konzipiert – sie bauen nicht nur auf den Zerfall hin, sondern bauen ihn ein», so lese ich bei Norbert Bolz. Der Kunstgenuss scheint als eine der letzten konsumfreien Zonen der Postmoderne ebenfalls abgedankt zu haben; die Kommerzialisierung der Kunst erfährt ungeahnte Schübe durch den spätmodernen Verlust von Transzendenz. Nehmen Sie eine der am meisten strapazierten Sparten: die Literatur, die am wenigsten stoffgebundene aller Kunstgattungen. Gerne wird heutzutage die Ansicht verbreitet, die Fähigkeit, Literatur herzustellen, sei ein Handwerk, das man in der Werkstatt lernen könne. (Interessanterweise sagt das niemand über die Herstellung zeitgenössischer Konzeptkunst, zum Beispiel.)

Ich für meinen Teil bin nun entschieden nicht dieser Ansicht, aber das wissen Sie ja. Was natürlich nicht bedeutet, dass ich mich nicht mit ihr auseinandersetzen würde. Und dabei entdeckte ich in einer virtuellen «Prosawerkstatt» etwas, was ich oben für Sie fotografiert habe: Unter der Überschrift «Ergonomie für Autoren» präsentierte ein Aufsatz einen «Blick auf einen Autorenarbeitsplatz». Uugch! Ich sage frei heraus: An einem solchen Platz kann niemals Literatur entstehen, vielen Dank. Schon die Raufasertapete reicht für Magenkrämpfe.