Mrs President

Hillary Clinton speaks on

«Falls nichts völlig Unvorhersehbares passiert», so konnte man neulich im «New York Magazine» lesen, «wird Hillary Clinton am 28. Juli 2016 eine Bühne in Philadelphia betreten. Um dort, umgeben von jeder Menge Rot, Weiss und Blau sowie von Bill, Chelsea und Enkelin Charlotte (und einigen Zehntausend jubelnden Anhängern) zur offiziellen Präsidentschaftskandidatin ihrer Partei erklärt zu werden.»

Denn Hillary ist wieder im Rennen. Zum zweiten Mal. Sie war First Lady, Senatorin, Aussenministerin. Sie ist eine der skrupellosesten Politikerinnen der USA. Dies Letztere ist nicht meine Einschätzung, meine Damen und Herren, sondern die des streitbaren und umstrittenen früheren Clinton-Beraters Dick Morris. Was uns auf einen weiteren Titel Hillarys bringt: Sie ist eine Frau, die pointierte Meinungen provoziert. Und zwar nicht nur vom politischen Gegnern. So wurde Hillary, der Frauenrechte ein erklärtes Anliegen sind, von der feministischen Ikone Camille Paglia wie folgt charakterisiert: «Eine Vorführpuppe mit Rosinenaugen, Karottennase und Armen aus Ästen, ausgestopft mit Stroh, auf einem Karren gezogen von den geistig verarmten Strippenziehern der Demokratischen Partei.»

Hillary Clinton polarisiert sogar ihre Anhänger. Einige sind nicht sicher, wie gut sie als Kandidatin sein wird. Sie kann reizbar, spröde und nicht sehr überzeugend erscheinen. Ihre Reden wirken bisweilen bleiern und studiert. In spontanen Momenten verkrampft sie sich manchmal, und derartig angespannt scheint sie gelegentlich selbstgerecht und überheblich. Doch, auch das stand im «New York Magazine» zu lesen: Ein guter Kandidat zu sein, bedeutet nicht notwendigerweise auch, ein guter Präsident zu sein. Es bedeutet nicht einmal, gewählt zu werden.

In der Tat sind die Wahlchancen eines Bewerbers oder einer Bewerberin um die US-Präsidentschaft seit je gut vorherzusagen aus den folgenden drei Faktoren: 1.) der Zustimmungsrate des amtierenden Präsidenten im Sommer vor der Wahl; 2.) der Wachstumsrate des realen Sozialprodukts im zweiten Viertel des Wahljahres; und 3.) der Anzahl von Amtszeiten der Partei des Bewerbers. So. Und jetzt lassen wir Hillary selbst zu Wort kommen. Hier sind fünf Zitate von ihr:

  1. «Wenn ich irgendeine Story von Seite 1 weghaben will, ändere ich einfach meine Frisur.»

  2. «Wenn man daran glaubt, dass man etwas bewirken kann, nicht nur in der Politik, sondern überhaupt gesellschaftlich, sollte man sich mit der Tatsache anfreunden, dass man niemals auf uneingeschränkte Zustimmung stösst.»

  3. «Stecke deine Ziele hoch, arbeite hart und bleibe deinen Überzeugungen treu. Und wenn du ins Straucheln gerätst, lass dich nicht beirren. Und wenn du hinfällst, steh gleich wieder auf und höre niemals auf diejenigen Leute, die sagen, du solltest nicht weitermachen.»

  4. «Präsenz ist nicht alles. Aber viel.»

  5. «Eine Karriere zu haben, ist nicht dasselbe wie ein Leben zu haben.»

Im Bild oben: Hillary Clinton als Aussenministerin an der Georgetown University in Washington im Dezember 2014. (REUTERS/Kevin Lamarque)

«Tinglers Fünf» erscheint neu immer sonntags im Blog Mag und gleichzeitig auch in der «SonntagsZeitung».

3 Kommentare zu «Mrs President»

  • Mascha sagt:

    Nummer 5: Absolut genau meine Worte.

  • Max Blatter sagt:

    Eigentlich habe ich Hillary Clinton nur etwas vorzuwerfen: dass sie auf den Wahlkampf hin „abgespeckt“ hat. Zum einen zollt sie damit dem mit den US-amerikanischen Wahlen verbundenen oberflächlichen Personenkult Tribut, statt dass sie ihre für die Politik wirklich relevanten Fähigkeiten in den Vordergrund stellt. Und zum andern … wenn ich ihre eingefallenen Wangen betrachte, frage ich mich, ob sie in Frankreich nicht schon unter das „Magermodel-Gesetz“ fallen würde?

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