Was ist Freiheit?

IMG_3431

Heute zunächst mal wieder eine Twitter-Empfehlung, meine Damen und Herren. Ich bin ja ein grosser Freund des Urban Dictionary. Dieses verfügt selbstverständlich auch über einen Twitter-Account, aber der ist irgendwie weniger interessant. Jedenfalls weniger interessant als ein anderer Twitter-Account unter Urban Dictionary, den ich ihnen hier gerne ans Herz legen möchte. So bleibt man auf dem Laufenden und weiss sowohl klassische Akronyme wie MYOB zu verstehen wie Neologismen der digitalen Spätmoderne, bespielsweise «Poopting». Ausserdem folgt Brigitte Nielsen diesem Account, und Brigitte, ich sagte es schon, kann bei mir nichts falsch machen.

Und nun was ganz anderes (oder auch nicht). Nämlich: Was ist Freiheit? Freiheit ist Autonomie. Die Möglichkeit zum eigenen Ich. Dazu fällt mir Voltaire ein. Von diesem grossen Aufklärer und brillanten Provokateur und unermüdlichen Freiheitsverfechter stammen die berühmten Worte: «Gott hat uns in die Welt gesetzt, damit wir uns amüsieren. Alles Übrige ist platt und scheusslich und erbärmlich.» – Nun, so viel Amüsement hat uns, weltgeschichtlich gesehen, das immer noch einigermassen neue Jahr 2015 noch nicht geboten, im Gegenteil. Aber trotzdem sollten wir optimistisch bleiben. Das ist auch gesünder. Sagt uns die Psychoneuroimmunologie. Und lange bevor diese Disziplin auftauchte, gab es das Ideal der Athaumasie: sich durch nichts einschüchtern oder verblüffen oder aus der Fassung bringen zu lassen. Also bleiben wir bei dieser Einstellung. Wie sie sich widerspiegelt in diesem Sticker, den ich zum Jahresbeginn am Strassenrand sah und vorsorglich für Sie fotografiert habe, liebe Leserschaft, für den Fall, dass wir ihn mal brauchen. Damit aber will ich für heute nicht schliessen, sondern mit folgenden drei Gedanken zum Wochenende:

1. «When a woman of true style, like Mrs. Vreeland, has her hairstyle, she never changes it», sagt André Leon Talley. «Ms. Wintour has had her bob since she was in her 20s. I have never seen her hair pulled back. Never. Not even at tennis.»

2. Aufgabe der Ethik, sagt Niklas Luhmann, sei nicht, eine Moral zu begründen, sondern vor der Moral zu warnen.

3. Wieso werden eigentlich im Fernsehen keine Blumen mehr überreicht? Nachdem Leute zum Beispiel ein Liedchen gesungen haben. Früher liefen dann manchmal Verehrer aus dem Publikum herbei und überreichten Blumen. Irgendwie ist das aus der Mode gekommen.

13 Kommentare zu «Was ist Freiheit?»

  • Anh Toan sagt:

    Freiheit ist ein Euphemismus für Einsamkeit: „Freedom’s just another word, for nothin‘ left to lose“ ist keine Hymne auf Freiheit, es ist ein Blues über Einsamkeit.

    • Stefan Effenmann sagt:

      Ja, ja, die Schweiz ist ein freies Land. Und das auch noch ganz ohne Athaumasie.

    • Philipp Rittermann sagt:

      nein. o.k. – der euphemismus bezüglich „bester blues nur in ketten“ ist aus einer not eine zweifelhafte tugend gemacht. freiheit ist, sich die ketten selber aufzuerlegen. (wenn es denn sein muss). – bestes beispiel – die ehe. 🙂

  • Henry sagt:

    Nach der Bonhams- Auktion im Grand-Palais gestern suchte ich die Zerstreuungen und das Amüsement in Paris vergeblich. Die moralisch gestütztenVerbote sind, neben dem Rauchen, noch ausgeprägter in Frankreich, fragen Sie Herrn Strauss-Kahn. Mein Gott, was ist aus den Franzosen in den letzen 30 Jahren nur geworden. Spießer, die selbst die Deutschen noch übertreffen. Aber immerhin gabs auf der Auktion ein paar Leute, die interessanter schienen als die auktionierten Autos, hauptsächlich einige auffallend junge Damen, die ihren ungleich älteren, Begleitern wohl zum Schmucke dienten.

    • Philipp Rittermann sagt:

      eure lordschaft haben recht. deshalb ess‘ ich die austern auch hier im „lipp“. und da spricht auch an den nachbartischen glücklicherweise niemand französisch.

  • Philipp Rittermann sagt:

    freiheit ist das ohne jegliche externe konventionen zu tun, was einem spass macht. leider gehört da viel geld dazu; zumindest in der ch. und die, die’s könnten machens nicht, und die die’s möchten, können nicht. das unumstössliche paradigma des „hansdampf im schnäggeloch“. seufz.

  • Meinrad Thomas Angehrn sagt:

    1) Moral ist für mich im Laufe der Jahre ein grausliges Unwort geworden. Ein verhältnismässig junger Redaktor einer Sonntagszeitung bezeichnete in einem Kommentar den Verkauf der Sika-Stimmenmehrheit an Saint-Gobain als rechtlich einwandfrei, dafür aber als moralisch verwerflich. Wie bitte? Leider hat derselbige Redaktor vergessen, das entsprechende Wertesystem anzugeben. Vielleicht hätte er auch gar keines nennen können, vor allem dann, wenn das System von etwelcher Aktualität hätte sein müssen.
    2) Autonomie ohne Ironie ist nicht auszuhalten. Das habe ich bei Dr. Tingler gelernt.

  • Queen Bee sagt:

    Ich kann ja nix dafür
    und auch Dich trifft keine Schuld.
    Ich kann ja nix dafür,
    es ist eine allergische Reaktion.
    Es ist ein körperlicher Entschluss,
    dass ich jedesmal, wenn ich das Wort Freiheit
    aus einem Männermund hör‘,
    kotzen muss.

    Queen Bee (Ina Müller & Edda Schnittgard) – Freiheit aus einem Männermund

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.