Nörgeln hilft auch nicht

bm

«Ist ja gut», möchte man den Nörglern zurufen. Man möchte ihnen das Händchen tätscheln und sagen: «Ganz ruhig.» Leider wird es nichts nützen. Sobald sich jemand exponiert, schwirren sie heran wie Schmeissfliegen um den Wasserbüffel. In unserem Fall heisst er Bob Geldof. In Deutschland Campino (Die Toten Hosen). Beide haben ein paar Musiker zusammengetrommelt und einen Song eingespielt, Band Aid 30 heisst das Ganze. Man will Geld sammeln für den Kampf gegen Ebola.

Manche Journalisten (TA von gestern) und Satiriker finden das ganz, ganz schrecklich. Weil der Song schlecht ist, der Text kitschig, der Gestus paternalistisch. Vor allem aber ist es uncool – das wohl schlimmste Vergehen. Das jedenfalls findet der deutsche Satiriker Jan Böhmermann. In der ZDF-Sendung «Neo Magazin» zieht er über Campino und Co. her und beschuldigt sie der Heuchelei: Die wollten doch bloss ihre neuen Alben oder eine angehende Tour bewerben. Uneigennützig sei da gar nichts, vielmehr seien das alles eitle Narzissten, die zum Beispiel mit Werbespots Geld verdienten für Produkte, die nicht fair gehandelt würden. Ausserdem kümmerten sie sich nicht ums Klima. Campino habe zudem einen reichen Banker-Bruder. Hätte der Alt-Punk da nicht einfach seinen Bruder um ein paar Millionen gegen Ebola bitten können?

Mit Verlaub, das ist Schwachsinn. Hat jemand gesagt, er singe für Afrika, weil er ein rundum guter Mensch sei? Nein. Muss man das sein, um etwas zu tun? Nein. Geldof machte bei seinem Auftritt vor der deutschen Presse klar, dass es einzig und allein ums Geld geht: Wir haben es, in Afrika fehlt es, also her damit. Abgesehen davon: Kann Böhmermann seinen Ansprüchen an moralische Unfehlbarkeit genügen? Benutzt er nicht Band Aid 30 zur Selbstprofilierung? Wobei seine Kritik nicht mal originell ist, sondern eigentlich dieselbe, wie sie bei den vorherigen drei Band-Aid-Projekten geäussert wurde.

Geld tönt nicht – was in diesem Fall ein Glück ist –, aber es kann helfen. Und der Song, inzwischen schon die meistverkaufte Single des Jahres in Grossbritannien, bringt Geld. Also, liebe Nörgler, macht einfach einen besseren Song. Oder backt Kuchen. Oder spendet einfach. Zum Wohl von uns allen.

Bild oben: Campino (l.) und Sir Bob Geldof posieren am 13. November 2014 für #BandAid30 Deutschland in Berlin.

13 Kommentare zu «Nörgeln hilft auch nicht»

  • Henry sagt:

    Bei Herrn Geldof obsiegt der Altruismus über die künstlerische Fähigkeit, wie auch bei vielen anderen Zeitgenossen seiner Zunft……

    • Anh Toan sagt:

      Lieber Henry

      Bob Geldof hat an einer der besten LP’s aller Zeiten (Boomtown Rats: A tonic for the troops) wesentlich mitgewirkt – ok, habe Platz 23’648 gefunden, aber was weiss eine „the best ever“ Seite im Netz schon von guter Volks- oder halt Pop – ulär Musik – aber „I don’t Like Mondays“, gehört ganz sicher nicht in die Kategorie „Verbrechen auf Schallplatten“. Zugegeben, Punker sind mir lieber, wenn sie böse sind und das Live Aid Konzert beeindruckte, wie das Monumento a Vittorio Emanuele II in Rom, oder die meisten Hochzeitstorten, eigentlich nur durch die Grösse.

  • Danny sagt:

    Dummes Geschimpfe. Binswanger hat völlig recht.

  • Matthias Vogelsanger sagt:

    Auch ich gehöre zu den Nörglern. Nicht weil mich Geldof und seine Mitläufer nerven – was der Fall ist – sondern weil diese Placebo Aktionen das Problem grob verniedlichen und damit die Bereitschaft zu wirksamer Hilfe untergraben.

  • Mark Winter sagt:

    Sicherlich ist es löblich etwas auf die Beine zu bringen. Blöd ist nur, dass gerade der Pseudo Punker Campino sein neues Album Justament zur gleichen Zeit mit Mit Band Aid herausbringt. Ein Schelm… zudem hätte man doch mit den ach so talentierten Musikern, Campino kann weder singen noch irgendein Instrument spielen, ein neues Lied zu Gange gebracht. Nun ja und wer schon ein mal ein Live Konzert von Geldof gehört hat, der weiss auch; Der Typ kann auch nicht singen, mit viel Kiffen und Alkohol klingt das sicher nicht schlecht, nüchtern betrachtet war das immer nur peinliches Grunzen…

    • Sama sagt:

      Merkwürdig, dass Die Toten Hosen mit dem Sänger Campino bereits 18 Alben herausgebracht haben und seit 30 Jahren im Geschäft sind- wo er doch so gar nicht singen kann.

  • Philipp Rittermann sagt:

    na ja. gut gemeint ist halt nicht immer gut. das gilt auch für herrn geldof. etwas innovation hätte sicher nicht geschadet.

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