5 goldene Regeln fürs Kofferpacken

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Es ist Ferienzeit, meine Damen und Herren. Schon gepackt? Richtig zu packen ist eine Kunst, und diese Kunst des leichten Reisens bedeutet nicht nur, möglichst effizient, also platzsparend zu packen, sondern auch möglichst wenig mitzunehmen. Und in dieser letzteren Disziplin bin ich für meinen Teil gar nicht schlecht. Inzwischen. Nicht etwa, weil ich zu diesen Leuten gehöre, die schon im Voraus immer genau wissen, was sie anziehen wollen, oder zu diesen noch furchterregenderen Mitmenschen, die vor ihrer Abreise das Wetter am Zielort übers Internet kontrollieren. No, thank you. Stattdessen gehöre ich einfach zu den Leuten, die gerne einkaufen. Weshalb ich mir beim Packen sage: Was ich nicht mitnehme, kann ich kaufen. Das ist die sogenannte ICB-Maxime (ICB = I Can Buy), eine Verfahrensregel, die das Leben überhaupt in vielerlei Belangen vereinfacht und die ich auch Ihnen ans Herz legen möchte. Ja, ich weiss, das klingt so ein bisschen wie ein Gwyneth-Paltrow-Ratschlag. Damit müssen Sie jetzt irgendwie zurechtkommen. Dafür habe ich auch noch ein paar andere goldene Packregeln für Sie:

  1. Verteilen Sie Wichtiges

    Wenn Sie mehrere Gepäckstücke aufgeben, verteilen Sie essenzielle Dinge strategisch. So sind Sie gerüstet, falls ein Teil des Gepäcks verloren geht (umso wichtiger, je kürzer sich die Aufenthaltsdauer relativ zur Reiselänge ausnimmt). Das Wichtigste gehört sowieso ins Handgepäck. Und: Packen Sie eine leichte Zusatztasche ein. Denn Sie werden einkaufen gehen.

  2. Kaufen, Mieten, Liefern lassen

    Wieso sollten Sie die Sonnenschutzlotion durch diverse Zeitzonen schleppen, wenn Sie dieselbe auch ganz einfach am Zielort kaufen können? Das gleiche gilt für Vitamintabletten, Augentropfen usw. (Meine persönliche Erfahrung ist die, dass man viel über die Kultur fremder Landstriche lernt, wenn man dort den Drugstore aufsucht.) Schnorchel, Paddel und alle möglichen Sportausrüstungen können Sie ebenfalls vor Ort kaufen. Und am Ende Ihrer Ferien spenden. Oder Sie mieten das ganze Zeug. Jedenfalls sollten Sie es nicht schleppen. Für riesige Souvenirs benutzen Sie DHL oder FedEx oder sowas; nicht Ihr Handgepäck. Ihre Mitreisenden im Flugzeug werden dankbar sein.

  3. Wählen Sie aus

    «No matter where I go, I always carry a blazer. It is the male version of a Chanel suit. Always appropriate, and in an emergency, when worn with a tie, it can almost pass as a suit.» Diese Worte des Modeschöpfers Tom Ford signalisieren uns, was das Fundament jeder Reisegarderobe sein sollte: Vielseitigkeit. Zum Beispiel Chinos; die gehen zu allem, sie sind korrekt und trotzdem leger, und man kann sie sogar ins Handgepäck quetschen, denn sie sind obendrein auch noch leichter als Jeans und zudem einigermassen knitterresistent. (Denken Sie daran: Falls Sie nur Handgepäck mit sich führen, packen Sie die formellere Garderobe zuletzt und zuoberst ein.) Auch Cardigans sind hervorragende Anziehsachen für Unterwegs: gleichzeitig ungezwungen und adrett, für verschiedene Aussentemperaturen anpassbar – und zur Not kann man sie sogar unter dem Blazer tragen.

  4. Nehmen Sie Ihre Lieblingsstücke mit

    Dieses eine T-Shirt mit dem galoppierenden Hund drauf, das Ihnen vor 17 Jahren Ihr bester Freund Oliver geschenkt hat und in dem Sie sich stets prima fühlen? Packen Sie’s ein! (Okay, vielleicht sollten Sie Ihr Harry-Winston-Tiara zu Hause lassen, sofern Sie für eine Extremtrekkingtour durch die rumänischen Karpaten packen – aber, andererseits, würden Sie sich wirklich gleichzeitig für Harry Winston und Extremtrekking interessieren? Come on. Es sei denn, Sie sind Kathleen Turner. Dann machen Sie, was Sie wollen.)

  5. Unterpacken Sie

    Das ist ein schmerzlicher Prozess, aber auch eine Sache der Erfahrung. Denn unterpacken heisst: bewusst weniger mitnehmen. Und nochmal weniger. Hier hilft: Die 50-Prozent-Regel. Das geht so: Verstauen Sie die Sachen nicht direkt im Koffer. Bilden Sie Stapel auf dem Bett oder Fussboden oder auf dem Barcelona-Hocker. Wenn es Ihnen hilft, denken Sie dabei in Zyklen: Was werden Sie morgens, mittags, abends, nachts tragen? Ziehen Sie sich im Geiste an und aus. Oder meinetwegen auch physisch, wenn Sie Kathleen Turner sind. Nachdem Sie sämtliche mitzunehmenden Anziehsachen gestapelt haben, platzieren Sie die Hälfte wieder im Schrank. Und dann vom verbliebenen Rest nochmal die Hälfte. Ich weiss, das ist grausam, und offen gestanden schaffe ich selbst höchstens ein Drittel. Aber man lernt mit der Zeit, und so verbessert sich der Nutzungsquotient. Das ist der Anteil der Anziehsachen am Gesamtvolumen, die man dann wirklich anzieht.

Zusammenfassung aller fünf Regeln in der Basic Rule of Packing (BRP):
Halb soviel Gepäck und doppelt soviel Geld wie ursprünglich geplant.

Bild oben: Ryan Bingham (George Clooney) erklärt seiner Assistentin Natalie (Anna Kendrick) die Kunst des Kofferpackens. Foto: PD