Emoticons – sind sie :-) oder :-( ?

Blogmag_Schaad1

Ist der Gebrauch von Smileys in privaten Mails infantil/pubertär/ doof/altmodisch? Manchmal benutze ich sie – wenn auch sparsam, und wenn auch die ganz einfachen (es gibt da ja extrem scheusslich kitschige Dinger). Ich vermute, dass es da sehr unterschiedliche «Regeln» gibt, je nach Altersgruppe, Milieu etc., vor allem aber interessiert mich Ihr Stilempfinden in dieser Frage, weil meins hier versagt.
C. K. aus G.

Liebe Frau G.,
noch vor gar nicht allzu langer Zeit hätte ich Ihnen aus tiefster Überzeugung gesagt: Recht haben Sie! Smileys sind für Doofe! Erheben Sie sich über die, die des Deutschen nicht mächtig sind, und boykottieren Sie diese Emoticons! Sprache bedeutet, sich mit Worten auszudrücken, nicht mit Zeichnungen! Ich wäre da sehr eindeutig gewesen in meiner Beurteilung der Sachlage.

Und dann passierte es mir innert kürzester Zeit ein paar Mal, dass ironische Bemerkungen oder nur halb ernst gemeinte Bemerkungen meinerseits zu Missverständnissen und damit zu mittleren Dramen führten. Es gab beleidigte Freundinnen und betupfte Kollegen, es kostete mich Zeit und Nerven und gutes Zureden, um klar zu machen, dass das, was ich geschrieben hatte, nicht so gemeint gewesen war, sondern einen Unterton hatte (den man ja eben nicht lesen kann), und ich kapierte: Hätte ich diese elenden Smileys angefügt, sicherheitshalber, wäre mir dieser Ärger erspart geblieben.

Seither verwende ich Smileys. Immer und überall und sicherheitshalber. Präventiv-Kommunikation ist das, denn SMS und Mails sind zwar eine grandiose Erfindung, aber eben auch überaus missverständnisanfällig. Ich sage Ihnen: Im Zweifelsfall ist Telefonieren immer besser.

Ansonsten: Machen Sie Smileys, was das Zeug hält. Erst recht, wenn Sie jemanden nicht so gut kennen, wenn Sie nicht sicher sein können, ob er oder sie Ihren Humor versteht oder überhaupt Humor versteht (kurioserweise würde sich ja wohl niemand als humorlos bezeichnen, es dünkt mich aber eine ausgesprochen weit verbreitete Gruppierung unter der Menschheit; sehr betrüblich, das). Es ist keine Kapitulation. Es geht um Ihr Seelenheil.

6 Kommentare zu «Emoticons – sind sie :-) oder :-( ?»

  • otmar.freitag sagt:

    Smileys sind immer gut, egal ob das Mode ist oder nicht.
    Schriftliche Kommunikation ist schwieriger als Vis-à-vis, dadurch gibt es oft Missverständnisse.
    Ich lese hier oft in den politischen Kolummnen die Kommentare. Gerade dort vermisse ich die Smileys: man kann sehr oft nicht zwischen ernsthafter Meinung, Ironie und Zynismus unterscheiden .. was oft Anworten herausforderd, die auf falscher Interpretation beruhen.

  • Joerg Hanspeter sagt:

    Ich muss sagen, auch mir wäre kürzlich ein Missverständnis aufgrund eines SMS erspart geblieben, wenn ich ein Smiley angefügt hätte.

  • Peter Fu sagt:

    Es gibt ja auch das geläufige Sprichwort, dass Smileys tausend Worte wert sind, oder so ähnlich. Bzw. es ist ein Irrglaube des unsensiblen Tölpels, dass es immer Worte braucht. Ätsch.

  • Hansruedi sagt:

    Meine Lieblings Emoticoins oder Smileys: (.Y.) und (i). Kindisch, ich weiss, aber trotzdem gut! Smileys können wirklich eine Aussage verdeutlichen, von daher kann man sie durchaus gebrauchen. Aber nicht in tripel oder x-fach Ausführung, das nervt bloss!

  • Ironisch, der zweite Teil sagt:

    Niemand bestreitet, dass Emoticons sinnvoll sein können. Aber „Immer und überall und sicherheitshalber“? Bei ironischen Kommentaren ein Muss, weil schlecht geschriebene ironische Kommentare nicht also solche erkennbar sind. Aber bei „Kann jemand bitte aufs Telefon aufpassen? :- )“ oder bei „Ich gehe Mitagessen. :- )“? Da versucht man die Ironie zu entdecken wo keine ist. Deshalb ist „Immer und überall“ für Leute über 30 verwirrlich und deshalb falsch.
    Zum Glück wird der Gesellschaftsteil der «SonntagsZeitung» noch nicht so geschrieben! :- )

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