In Würde altern

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Also, ich bin so am Flughafen, meine Damen und Herren, und bevor ich in die Maschine steige, schaue ich noch in dieser einen Buchhandlung die Bildbände durch, direkt vor dem Gate, darunter das hübsche Buch «Places and Spaces I’ve Been» von Pharrell Williams, und einer dieser Places und Spaces war offenbar Karl Lagerfeld. Ich sehe also dieses Bild von Herrn Lagerfeld, 80, in besagtem Buche (oben für Sie ein Schnappschuss der Seite, vor Menschen, die aufs Flugzeug warten) und … Ich weiss nicht. Ist das «redefining cool»? Sie wissen ja, ich finde, Karl Lagerfeld ist eine Bereicherung für die oft überraschend langweilige Welt der Mode, aber sich in dem Alter so fotografieren zu lassen, gehört sich nicht und wird sich nie gehören. Das ist auch nicht rebellisch oder unkonventionell. Es ist einfach nur ein bisschen peinlich. Er sieht aus wie der Bösewicht aus einem Disney-Film.

Apropos peinlich: Ein bisschen peinlich sind ja auch immer diese Fussballauftritte von Frau Merkel. Oder, wie die deutsche «Tageszeitung» schrieb: «Niemand vermag nur durch ruckartiges Heben beider Fäuste derart subtil Gefühle auszudrücken wie Angela Merkel.» Aber auf besagtem Flug habe ich in irgendeiner Zeitung gelesen, dass bei der jüngsten Umfrage des deutschen Meinungsforschungsinstituts Forsa Frau Merkel und die CDU zwei Problemlösungskompetenzprozente gewonnen haben, was laut Forsa-Chef Manfred Güllner daran läge, «dass die Kanzlerin mit ihrem Besuch des deutschen Teams bei der Fussball-WM wieder einmal zeigt, dass sie die Menschen und deren Interessen ernst nimmt». Wozu die «Berliner Zeitung» schrieb: «Die Bürger haben also das demoskopisch erwiesene Bedürfnis, regelmässig eine ungelenke, vollreife Dame inmitten halbnackter junger Männer betrachten zu können.» Tja. In Würde altern. Wird auch Politikern und Politikerinnen nicht immer leicht gemacht.

Ich war nämlich unterwegs nach Berlin, wo ich eingeladen war zum «Future Talk» eines bekannten deutschen Automobilherstellers; eine Veranstaltung, die sich mit Robotik, autonomen Fahrzeugen, Mensch-Maschinen-Kommunikation und anderen faszinierenden Phänomenen unserer näheren und ferneren Zukunft befasste, und übrigens auch am Rande schillernde Fragen aufwarf, jedenfalls für mich, zum Beispiel die Frage: Kommen Clogs wieder in Mode? Und was bedeutet das für Lebensformen als normativ geprägte Problemlösungsstrategien? Auf dieser nachdenklichen Note entlasse ich Sie für heute. Kommen Sie gut durch den Tag. Bis übermorn.

6 Kommentare zu «In Würde altern»

  • Gian Battista Raschèr sagt:

    Die «Berliner Zeitung» nennt Merkel also «ungelenk». Bin weder Deutscher noch Bayer, aber trotzdem der felsenfesten Überzeugung, dass sogar das so genannte Ungelenke von dieser Dame heute noch kühlst kalkuliert ist. Man erinnere sich auch an das Abendkleid von Merkel bei der Operneröffnung in Oslo im Jahre 2008. Ein Lapsus? Keinesfalls! Nicht umsonst war Merkel ausgerechnet Kohls «Mädchen».

  • Eduardo sagt:

    Ja, wer ins Alter kommt, braucht für den Spott der Jüngeren wahrlich nicht zu sorgen.

  • Philipp Rittermann sagt:

    das ist so eine sache – mit dem „in würde altern.“ die biologische unabdingbarkeit stellt für viele von uns ein übel dar. wobei arme menschen natürlicher altern und früher das zeitliche segnen. privilegierte wie kl machen den fortschreitenden verfall einfach durch inszenierte exhaltiertheit wett; zumindest gegen aussen. ich mutmasse, dass der gute innerlich buchstäblich von todesangst zerfressen ist. und fau merkel ist abgeklärt genug den zeitpunkt für den rücktritt aus der politik so festzulegen, dass sie ihren lebensabend geniessen kann. es ist eine frage der einstellung.

  • Esther Amman sagt:

    Es sollte kein Regeln zum Altern geben. Das ist borniert. Sollen die älteren Herrschaften doch Miniröcke und bedruckte T-Shirts anziehen. Who cares? Mir ist lieber, dass die bessere Laune versprühen als sie zuweilen tun

  • bruno bänninger sagt:

    Wann fängt das Altern an? Es gibt junge Alte, die 40 sind aber seit 20 Jahren wie achtzigjährige leben, es gibt alte Alte und dann gibt es noch die, die bewusst vergessen alt zu werden. Sie können oder wollen nicht alt werden, oder sind schlicht und einfach zu dumm, dem Unabänderlichen mit Anstand zu begegnen. Denen sei das herrliche Buche „Altwerden ist nichts für Feiglinge“ von Joachim Fuchsberger empfohlen. Viel Spass.

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