Süsses hinter Gittern

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Die sogenannte digitale Revolution ist zu Ende, meine Damen und Herren, laut Konsensus massgeblicher Sachverständiger leben wir im Grunde schon in einer postdigitalen Gegenwart. Das ist die Zeit, wo alle enttäuscht sind, weil angeblich etwelche Geheimdienste ihre Facebook-Seiten patrouillieren wie eine durchgedrehte Ex-Freundin. Einstige Schätze des mediatisierten Lebens werden zu Müll, zum Beispiel die Anzahl virtueller Freunde. Die allgegenwärtigen Medientechnologien hinterlassen nicht nur Berge von Elektronikschrott, die dann in Afrika auseinandergeklaubt werden, sondern auch immaterielle Abfallprodukte: Pseudoinformationen, Pseudoskandale, die triviale Resonanz virtueller Netzwerke, die Kommerzialisierung niederer Instinkte, Verwischung der Grenze zwischen Öffentlichem und Privatem – also alles, was in die beiden postdigitalen Hauptkategorien «Spam» und «Schamlosigkeit» fällt. Die Ernüchterung hat gerade erst begonnen. Wir durchwaten die Trümmer und den Müll, der zwischen Grenzen und Zentren der postdigitalen Kultur herumschwirrt, die Ruinen der digitalen Revolution. Sie wird nun zu Staub, während wir damit kämpfen, neue Wege in der Einöde ihrer Folgen zu finden. Und heraus ragen Monumente der Ungleichzeitigkeit. Zum Beispiel dieser Süssigkeitenautomat. Den ich neulich am Berliner U-Bahnhof Kurfürstendamm für Sie fotografiert habe. Wo man analoges Geld reinwirft und dann Süssigkeiten rauskommen (wenn man Glück hat). Eingesperrte Süssigkeiten. Sieht ein bisschen traurig aus, überdauert aber anscheinend die Zeiten. Gibt es eigentlich diese ziemlich furchtbare Süssigkeit noch, die aussieht wie ein kleines Spiegelei mit Schokoladenboden? Weiss das jemand?