Darf das Handy auf den Esstisch?

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Ich scheine in meinem Freundeskreis die Einzige zu sein, die sich daran stört, wenn bei gemeinsamen Nachtessen alle ihre Handys auf den Tisch legen. Bin ich hoffnungslos altmodisch oder einfach eine Zicke – oder bin ich vielmehr sehr stilbewusst? A. K.

Liebe Frau K., von wegen altmodisch! Von wegen Zicke! Die Antwort ist glasklar: Sie sind sehr stilbewusst. Beziehungsweise: Sie haben ein feines Gespür dafür, was sich gehört und was nicht. Sie haben Klasse und wissen, dass Aufmerksamkeit anderen gegenüber eine Frage der Höflichkeit und des Respekts ist.

Handys gehören deshalb nie auf den Tisch. Ausnahmen sind höchstens Menschen gestattet, die berufshalber auf Pikett sind. Alle anderen stecken das Ding in die hintere Hosentasche, stellen es auf Vibration und schauen in einem unbeobachteten Moment diskret mal kurz drauf, wobei das kleine Wörtchen «diskret» bei diesem Vorgang entscheidend ist. Am besten lässt man es ohnehin gleich in der Tasche und tut das, wofür Freunde bei einem Nachtessen zusammenkommen: eben essen, trinken und reden.

Menschen, die dauernd ihr Handy kontrollieren, verströmen immer diesen Hauch der Verzweiflung, weil sie offenbar, ganz wie Teenager, in der ständigen Angst leben, etwas zu verpassen. Was wiederum der Gipfel der Uncoolness ist. Und die, die meinen, sie signalisierten mit dem ostentativen Platzieren auf dem Tisch Wichtigkeit, sind so amüsant wie jene, die demonstrativ die Autoschlüssel auf den Tisch legen. Ich meine: Gibt es tatsächlich noch irgendjemanden, der sich davon beeindrucken lässt?

Falls ja: Auf die Bewunderung aus diesen Reihen kann man nicht scharf sein. Wobei sich dann ja wieder die Richtigen finden.

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24 Kommentare zu «Darf das Handy auf den Esstisch?»

  • Naseweis sagt:

    Selten, Bettina Weber, war ich so einig mit Ihnen!
    Es zeugt von nie genossener Kinderstunbe, mangelndem Respekt und absoluten Desinteresse gegenüber den Mitessenden. Das Handy stehts griffbereit bei sich zu haben am Esstisch ist Tabu!. Ausgenommen sind natürlich diejenigen die Pikettdienst haben, aber auch nur die.
    Das würde ich meinen Kindern nie erlauben und von Erwachsenen sollte man annehmen das die das wüssten

  • Henry sagt:

    Zunächst möchte ich auf Ihren Blog-Kollegen Dr.Tingler verweisen und dessen Erläuterungen zum „Handy“, also dem Mobilfunktelefon im mittlerweile üblichen „Idiot/innen -Englisch“. Ansonsten laden wir keine Gäste mehr ein, die sich in einer geselligen Tischgesellschaft, mehrgängig verköstigt, anstelle mit den übrigen Gästen, sich mittels irgendwelchen Golfturnieren jenseits des Altantiks auf dem bestecknah liegenden cellphone animieren. Bei Gästen welche die Adoleszenz augenscheinlich erfolgreich abschlossen haben gibt es dafür überhaupt keine Entschuldigung.

  • hans peter sagt:

    das habt ihr alle nicht richtig verstanden – der beitrag von herrn schiller war ein joke ! als 72 sollte man soviel lebensweisheit besitzen, das man seine meinung auch ohne google unterstüzung sagen kann. und es ist ein notwendiges gehirnjogging, die zeiten der sbb im kopf zu haben. enkel kann man auch als fotto in der börse bei sich tragen.

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