Goldene Regeln

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Trinken? Rauchen? Süssigkeiten? Internet-Pornografie? Anabolika? Speed? Hustensaft? Sonst was? Alles zusammen? Wer von uns, meine Damen und Herren, hätte sich noch nie Gedanken über seinen Genussmittelkonsum gemacht (nun, ausser DJ Antoine vielleicht)? Keine Sorge. Ich helfe Ihnen. I’m a fountain of wisdom. Drink from me. Im Folgenden habe ich für Sie den aktuellen Stand des Populärwissens zur Genussmittelkonsumkontrolle zusammengetragen. Achtung: Alles Hörensagen, Strassenweisheit, keine Garantie. Kann ja trotzdem hilfreich sein. Here we go:

  1. Die 21-Mal-Regel

    Das habe ich kürzlich in der deutschen «Tageszeitung» gelesen: Man muss Dinge 21-mal wiederholen, dann werden sie zur Gewohnheit. Die TAZ sagt, das sei wissenschaftlich belegt. Immerhin ist es ein Ausgangspunkt, um den Stand Ihres Genussmittelkonsums erst einmal überhaupt objektiver einschätzen zu können: Usus oder Abusus?

  2. Die 3-Tages-Regel

    Erklärte mir neulich beim Abendessen im Berliner Pauly Saal ein befreundeter Zeitungschef, der sie wiederum von einem befreundeten Arzt erfahren hatte: Solange man drei Tage hintereinander auf ein Genussmittel verzichten kann, hat man keine Probleme damit.

  3. Die 50-Prozent-Regel

    Las ich vor einiger Zeit in «Tatler». Sie lautet: Man ist okay, sofern man einfach mindestens jeden zweiten Tag auf alles verzichten kann, was potenziell gesundheitsschädlich ist.

  4. Die 72-Stunden-Regel

    Gehört zum Gemeinwissen der Internetgemeinde. Und besagt, dass man den ersten Schritt eines Plans (zum Beispiel des Plans, seinen Genussmittelkonsum zu reduzieren) innerhalb von 72 Stunden nach Entschlussfassung umsetzen sollte. Ansonsten sinken die Realisierungschancen des Vorhabens dramatisch.

  5. Die Nigella-Regel

    Ist die, an die ich glaube. Nigella Lawson, auch hierzulande durch ihre Kochbücher bekannt, ist in England ein Star. Sie ist ausserdem gerade Teil einer unschönen Scheidung von ihrem zweiten Ehemann, Werbe- und Kunstveteran Charles Saatchi. Das brachte sie aufs Cover der englischen Ausgabe von «Vanity Fair». Der Vorgang gewann dadurch an Komplexität, dass zeitgleich ein Prozess gegen die Assistenten von Lawson und Saatchi wegen Veruntreuung von rund einer Million Franken stattfand, in dessen Verlauf wiederum Anschuldigungen gegen Nigella auftauchten, nämlich dass sie regelmässig Drogen konsumiere; Kokain und Cannabis, namentlich (auch vom Missbrauch verschreibungspflichtiger Substanzen war die Rede). Saatchi nannte sie «Higella», was die britische Presse natürlich begeistert aufgriff; ebenso wie die englische Öffentlichkeit «Higella – The Movie». Well, im Grunde ist das einfach ein milieuspezifisches London Life, und ich für meinen Teil finde Nigella Lawson, auch wenn ihr Gesicht inzwischen auf Bildern etwas unglücklich zurechtgemacht aussieht, total supi. Nigella selbst übrigens räumte vor Gericht vereinzelten Rauschmittelkonsum ein und erklärte ausserdem: «I am now totally . . . drug free.» Im Verlauf ihrer Aussage traf sie überdies die treffende Beobachtung, dass regelmässige Kokainkonsumentinnen doch wohl «erheblich dünner» als sie selbst wären. Und das alles bringt uns auf die Nigella-Regel. Wir haben sie in diesem Magazin schon gelegentlich zitiert. Sie lautet: Everything in moderation. Including moderation.

Bild oben: Nigella Lawson posiert in Cannes, 9. Oktober 2012. (AFP/Valéry Hache)

11 Kommentare zu «Goldene Regeln»

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