Der Kampf geht weiter!

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Verehrte Leserschaft, ich bin, wie Sie bemerkt haben (oder auch nicht), zurück aus Südamerika, einem phantastischen Kontinent voller Geschichte und Zukunft, und wenn man Destinationen wie die liebliche Kapitale Quito anfliegt, sehenswerte Hauptstadt Ecuadors, muss man beispielsweise in Madrid umsteigen, und ebendort, auf dem Flughafen Madrid Barajas, erblickte ich obiges Verbotsschild, was ich natürlich sofort für Sie photographiert habe. Wir haben ja über dieses Schuhwerk schon gesprochen. Ich möchte nun gerne anregen, so nach dem Vorbild der (gottlob gescheiterten) Initiative zum Schutz vor Passivrauchen, dieses Verbotsschild auf allen öffentlichen Plätzen der Schweiz anzubringen, zum Schutz vor passiven Geschmacksverletzungen, die durch den Anblick solcher Fussbekleidung hervorgerufen werden und irreparable Schäden der psychischen Gesundheit hervorrufen können. Danke für Ihre Unterstützung.

Und dann noch dies: Sollten Sie demnächst nach Santiago de Chile kommen, empfehle ich dringend einen Besuch in der dortigen, unlängst eröffneten Costanera Shopping Mall, leicht zu finden, direkt neben dem Gran Torre Santiago, dem höchsten Gebäude Südamerikas. Ein Einkaufsparadies, das es nach meiner persönlichen Bewertung ohne weiteres zum Beispiel mit der Aventura Mall in Miami aufnehmen kann. Und wenn man, wie beispielsweise Norbert Bolz und ich, der Auffassung ist, dass der globalisierte Konsumismus tendenziell ein wichtiges Gegengewicht zum religiösen, politischen und sonstigen weltanschaulichen Fundamentalismus darstellt, dann findet man dort ein famoses Anschauungsbeispiel dafür. Das Konzept der Selbsterschaffung qua Konsum ist eine emanzipatorische Errungenschaft des postpostmodernen Subjekts, dessen Vorfahren generationenlang darauf gedrillt waren, sich über kollektive Kategorien wie «Religion», «Nationalität» oder «Ethnizität» zu definieren – nicht über individuelle Geschmacksentscheidungen. Was aber ist Geschmack? Wir haben das an dieser Stelle früher schon mal ganz einfach beantwortet: Die Fähigkeit zur Auswahl. Ein Gespür für das Passende, Angemessene. Und das ist eine sehr friedliche Art der Selbstfindung; sie ist nicht-aggressiv und nicht-dogmatisch und sie steht prinzipiell allen offen.

Konsum per se bedeutet nicht Zerstörung von Vielfalt und die Einebnung kultureller Differenzen, im Gegenteil, bei den heute im freien Teil der Welt exponentiell zunehmenden Kaufoptionen, Kreativitätsräumen und Selbstformungsmöglichkeiten wird Distinktion zum Wert an sich. Die freie Entfaltung des Individuums im Wechselspiel von Individualität und Zugehörigkeit ist eines der grossartigen Angebote der Konsumgesellschaft, eine Glücksofferte ohne Fundamentalismus und Aggression. Das ist Freiheit, meine Damen und Herren! Aufgeklärtes Konsumieren ist keine frivole Ressourcenvergeudung, sondern ein schöpferischer Akt der Selbstfindung, wo jeder friedlich und authentisch nach seinen Präferenzen selig werden kann. Natürlich gibt es immer noch genug Scheusslichkeiten. Siehe Bild. Das gehört zur Angebotsvielfalt. Dagegen hilft nur Geschmacksbildung. Oder ein Verbotsschild.