Die fünf schlimmsten Reise-Accessoires

airmag

Die Hauptreisesaison steht vor der Tür, meine Damen und Herren. Und da wird es Zeit für ein paar Warnungen. Es hat einmal jemand gesagt, man müsse mit einem Menschen eine Reise unternehmen, wenn man ihn wirklich kennenlernen wolle. Denn fern vom Zwang, den Alltag und Beruf mit sich bringen, im engen Beieinander täglichen Beisammenseins entfalten viele Menschen oft erst ihr natürliches Wesen – nach der guten oder schlechten Seite hin. Manche beim normalen geselligen Verkehr harmonische Beziehung ist schon daran gescheitert, dass eine gemeinsame Reise eine grundlegende Verschiedenartigkeit der Lebensgewohnheiten und Interessen zutage brachte. Oder daran, dass eine der beteiligten Parteien einen Rollkoffer hinter sich herzog. Sie merken schon, worauf ich hinaus will: Reisen enthüllt immer auch den Stil, das Geschmacksvermögen einer Person. Und damit Sie unter dem Druck der Auswahl und Prioritätensetzung unterwegs nicht das Falsche in die Hand nehmen, aufsetzen oder anziehen, folgt hier als kleine Hilfestellung die Liste der Bösen Fünf. Godspeed!

  1. Rollkoffer

    Viele Leute behaupten, Rollkoffer wären irre praktisch, wofür sie dann verschiedenste Gründe geltend machen. Aber «praktisch» ist nicht immer die entscheidende Kategorie. Am praktischsten ist es schliesslich, gleich zu Hause zu bleiben. Fest steht: Trolleys mit Teleskopgriff sind in keiner Ausführung cool oder geschmackvoll und werden es auch nie sein. Ich weiss, dass diese Auffassung nicht die populärste ist, halte aber unbeirrbar an ihr fest. Denn seit der Cro-Magnon-Zeit gibt es nur zwei stilvolle Methoden, mit Gepäck umzugehen: Entweder man lässt es jemanden tragen. Oder man trägt es selbst. Aber man rollt es nicht geräuschvoll an einer Plastikstange hinter sich her.

  2. Rucksäcke und Kunstfasern

    Es ist ohne Weiteres stilvoller, seine Siebensachen in einer Lidl-Tüte mit sich rumzutragen, als sie sich in einem mehrstöckigen Monsterrucksack auf den Rücken zu schnallen, dessen Basis aussieht, als würde sie sich abkoppeln, wenn das Ganze in die Erdumlaufbahn eintritt. Unbedingt zu vermeiden sind auch sogenannte High-Tech-All-Purpose-Taschen, die in der Regel als ein Berg von Riemen und Reissverschlüssen daherkommen, aus vollsynthetischen Abenteuermaterialien wie Neopren, Flextough und Durafuse, ganz ausgezeichnet geeignet, wenn man gegen Ölteppiche ankämpfen will oder Anden-Trekking betreibt, weniger für einen Kurzstreckenflug, wo solche Monstren beim Betreten der Maschine die Mitreisenden zu Fall bringen. Auch für den Rest Ihres Reise-An- oder Aufzugs sollten Sie bedenken: Sie gehen (in der Regel) nicht ins Basislager oder Dschungelcamp, sondern fliegen nach Amsterdam oder Andalusien, können also den Anteil an Elasthan und Neverwet und sonstiger pflegeleichter, wetterfester Abenteuerfasern an Ihrer Garderobe auf ein Minimum reduzieren, und damit meine ich: Null.

  3. Sonnenbrillen

    Natürlich sind Sonnenbrillen nicht per se schlimm oder unzulässig – aber bestimmte Sachen gehen nur südlich von Rimini. Zum Beispiel das Tragen von überdimensionierten Sonnenbrillen mit strassbesetzten Chanel- oder Dior-Logos, die ihren Träger, unabhängig von dessen Geschlecht, aussehen lassen wie ein schwules Insekt. Damit kommen nur Südländer durch. Sogar, wenn sie die Brille nach oben auf den Kopf schieben. Schon vor Jahren war in der Kolumne von Gräfin Esterhazy in «W» zu lesen, dass gewisse Restaurants in New York City die auf den Kopf geschobene Sonnenbrille inzwischen verbieten – und recht haben sie! Übrigens bereits vor über einer Dekade schrieb Countess Louise J. Esterhazy an besagter Stelle: «If you want a snapshot of fashion today, just look at the way people dress on airplanes – shorts, sweatpants, T-shirts, sandals. And I’m talking about business and first class ... Soon people will just arrive naked and slip right into one of those fold-down beds. It will make it quicker to join the mile-high club.»

  4. Schuhwerk

    Ich verstehe vollkommen, dass man auf Reisen bequemes Schuhwerk bevorzugt, aber deshalb muss man empfindlichere Mitreisende nicht gleich zum Erblinden bringen durch Teva-Sandalen oder MBT-Schuhmutationen; also Fussbekleidung, die in modernen öffentlichen Verkehrsmitten genauso geächtet werden sollte wie Explosivstoffe. Man sitzt nicht im Flugzeug oder im Zug mit Trekking-Sandalen, das gehört sich nicht einmal für sozialphobische Mitglieder der Piratenpartei. Und zu jener bösartigen Perversion eines Schuhs, die unter der Abkürzung «MBT» (für «Masai Barefoot Technology») bekannt wurde, nur dies: Die sollen gut fürs Hinterteil sein. Am besten aber sind sie für den hinteren Teil Ihres Schranks. Wenn Sie einen knackigen Popo möchten, machen Sie Kniebeugen! MBT selbst ist ja unlängst in den Konkurs gelaufen, was ich persönlich für den Zivilisationsstand unseres armen gestauchten Planeten ungefähr so begrüssenswert finde wie wenn der Iran endlich sein Atomprogramm einstellen würde. Damit stehen nun ganz oben auf dem Siegertreppchen der Schuh-Abscheulichkeiten: Crocs. Die lesbischen Schwestern der Birkenstocks.

  5. Gummizug-Hosen

    Ich verstehe weiterhin, dass man auf Reisen gern knitterarm trägt, in Farben und Mustern, auf denen man nicht sofort jeden Fleck sieht – aber deswegen muss man sich ja auf Langstreckenflügen nicht gleich anziehen wie Janet Jackson, als sie 300 Pfund wog. Ganz recht: Ich rede von Trainingshosen – mit welchem Euphemismus ein prekariatsnahes Kleidungsstück mit Elasto-Taille und einer mittelstarken Konnotation von Bierdosen und Grossbildfernseher bezeichnet wird, meist aus pflegeleichtem, gern farbintensivem, flüssigkeitsabweisendem Material. Zwar bevölkern solche Track Suit Bottoms seit einiger Zeit wieder die Laufstege von Mailand bis New York, aber dies heisst nun eben nicht, dass es hier keine Varianten gäbe, die eindeutig in die Kann-nicht-jeder-tragen-Kategorie fallen. Ich will das mal so sagen: Mark Wahlberg und auch noch Jude Law kommen in Trackie Bottoms davon – im Gegensatz etwa zu Schauspieler Rupert Everett, der einfach zu geziert ist für die gepflegte Chavisierung. Und zu alt. Chavisierung? Das kommt von «Chav», und damit wird im Vereinigten Königreich jenes Segment der Working Class bezeichnet, dessen Vertreter unter 25 sind, gerne vor suburbanen Einkaufszentren rumhängen und zu ihren Baseballkappen mit gefälschtem Louis-Vuitton- (früher: Burberry-) Muster meist Trackies von Kappa oder Nike tragen. Chavs können das. Aber die sitzen auch nicht in der Business Class.

Im Bild oben: Szene aus dem Film «Up in the Air» mit George Clooney. (Paramount Pictures)

 

41 Kommentare zu «Die fünf schlimmsten Reise-Accessoires»

  • Mat sagt:

    Man mag Rollkofer mögen oder eben nicht! Seit ich aber Rollkofer benutze habe ich viel weniger Rückenprobleme. Denn für einen Träger reichen meine finanziellen Mittel nun beim besten Willen nicht aus. Wären Rollkofer wirklich ein No Go, dann würden nicht soviele Leute einen haben.

  • Pat B sagt:

    Philipp, du hast noch eine andere klasse Kategorie vergessen: Khaki-braune Gilets und die dazu gehörenden Hüte. Träger sehen jeweils aus, als kämen sie direkt von der Safari im Kruger National Park und man riecht die Giraffenkacke förmlich. Zudem nervt auch, dass die jeweils alle Metallutensilien wie den Elefantenanhänger und den Zebraschlüsselring aus den tausenden Taschen kramen müssen vor dem Security Check. Daher die erste Lektion den Vielflieger: sich nie grundsätzliche nie hinter Urlaubs(Gruppen!) anstellen – wo auch immer.

  • Massimo sagt:

    Diese Tips, für wen wardn die eigentlich gedacht? Ich möchte nur bequem in die Ferien und wieder zurück. Dazu bin ich mir auch nicht zu schade, das einte oder ander Accessoire aus der Liste zu benutzen, ich will doch keinen kaputten Rücken wegen den Ferien…

  • individual sagt:

    schickt die typen doch in militaer, da sehen alle gleich aus

  • Maria sagt:

    Ich gehe garantiert glücklicher durchs Leben, weil ich nur meinen eigenen Stil habe und auf sogenannte Stilexperten pfeife!

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