Unten mit

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Die allgemeine Maxime für die korrekte Aufmachung am Strand lautet: «Man soll das Fleisch nicht ins Fenster hängen, wenn es nicht zu verkaufen ist.» Davon ausgehend ist es so erfrischend wie ein kühles Bad im Pazifik, wie einfach die Grundsätze für die richtige Badekleidung sind.


  1. Die Farbe

    Die Farbe des Badekostüms muss zur Hautfarbe passen. Und zum Alter. Je dunkler die Haut, desto heller darf das Badekleid sein. Dunkle Badesachen gehen immer und sind jenseits der Vierzig Pflicht. Je mehr Jahre und/oder Kilos sein Träger auf dem Buckel (und sonstwo) hat, desto mehr Stoff sollte das Badekleid haben und desto dunkler und monotoner sollte es sein. So dunkel und monoton wie ein Ingmar-Bergman-Film!

  2. Das Praktische

    Bei Badehosen als Nutzkleidung sind zudem zwei praktische Aspekte immer zu beachten, nämlich, erstens, wie sehen sie nass aus, und, zweitens, wie (schnell) trocknen sie? Beides klingt banal, ist aber im Laden nicht zu testen, weshalb man sich beim Badehosenkauf immer zwei physikalische Gesetzmäßigkeiten vor Augen halten sollte: Erstens: Je mehr Material, desto langsamer der Trocknungsvorgang. Zweitens: Je heller die Hose, desto durchsichtiger wird sie nach dem Bad.

  3. Für Herren

    Männer-Badehosen haben in den letzten Jahren eine Parallelbewegung zur Herren-Unterbekleidung vollzogen, indem sie immer pseudo-gewagter, modischer, plakativer wurden: laute Farben, grelle Aufdrucke, riskante Schnitte. Badehosen sind aber keine Unterbekleidung, im Gegenteil: Sie sind überaus sichtbar. Das Gleiche gilt für ihren Träger. Und wer als Mann in einem Badehöschen mit angesetzten Beinchen und Gürtelchen und Aufschrift über dem Hintern rumläuft – sieht einfach nur totally gay aus. Enge Badehosen mit hohen Beinausschnitten hingegen tragen nur Turmspringer oder Hair-Metal-Rocker (und nur Turmspringer dürfen sie tragen). Surfershorts sind cool, wenn sie von Surfertypen getragen werden. Ein untersetzter Investmentbanker sieht mit knielangen gemusterten Surfershorts aus wie ein tapezierter Sitzball.

  4. Für Damen

    Der Umstand, dass oben-ohne an immer mehr Stränden erlaubt ist, heisst nicht, dass jede sonnengegerbte Seniorin damit zur Abnahme ihres Bikini-Oberteils aufgefordert wird, unter dem ihre welken Brüste aufgerollt sind wie eine Thora. Jenseits der 40 kann sowieso eigentlich nur noch Jennifer Aniston Bikini tragen. OK, und Goldie Hawn. Jedenfalls nicht die Herzogin von Alba. Obschon sie’s trotzdem tut. Apropos: Grundsätzlich sollten Sie als Dame von Welt zum Badekleid so wenig Juwelen wie möglich anlegen. Die einzige Person, die sich je erlauben konnte, mit einem Collier in den Pool zu springen, war Elizabeth Taylor.

  5. Haltung ist die halbe Figur

    Die angemessene Badekleidung ist das eine. Das andere, fast noch Wichtigere, ist: Präsentation. Das bedeutet zunächst: Haltung. Zeigen Sie Grazie. Wenn Sie im Wasser sind: Pflügen Sie nicht prustend und fauchend durch den Anprall der Wogen. Wenn Sie an Land gehen: Lassen Sie sich nicht, tropfend und ächzend, wie erschossen auf ein mürbes Handtuch fallen. Wenn Sie an Land sind: Vermeiden Sie ungünstige Positionen. Man täuscht nicht wochenlang die Öffentlichkeit mit einem eingezogenen Bauch, um sich dann ein einziges Mal hinzusetzen, und: Alles aus!

43 Kommentare zu «Unten mit»

  • Börni sagt:

    Ganz einfach GAR KEINE Badehose und nacktsonnen und baden, dann machst du auch nichts falsch. Und die nasse Hose klebt dir auch nicht mehr am A..

  • Gianin May sagt:

    Lieber Herr Dr. Philipp Tingler sagen Sie mir doch bitte, wo Sie ihre Badehosen kaufen, soweit ich es verstanden habe, können die meisten Männer die beiden Standardmodelle (Surf-Shorts und Briefs) eh nicht tragen, was also gibt es sonst noch? Jammers und Aquashorts sind ja nur was für Sportler, was also ist für den 0815 Herrn???

    • Philipp Tingler sagt:

      Doch, doch, lieber Gianin May, ich bin sehr für Standardmodelle! Oder Klassiker, wie Sie wollen. Je weniger modisch, desto besser. Schlichte blaue oder schwarze Speedos mit einigermassen keuschem Beinausschnitt, zum Beispiel. Oder, wie Börni sagt: ganz einfach gar keine Badehose. Natürlich nur dort, wo das erlaubt / kulturell üblich ist.

  • ariane sagt:

    Ach, ach, wie schade und langweilig wäre das Strandleben ohne die kleinen Sünden im Geschmack… Als hätten wir keine anderen Sorgen, wie zum Beispiel die Plastiktüten, die sich einem um die Beine wickeln und die Meerestiere die dank unserem unachtsamen Fashion Konsum verenden, vergiftet werden und aussterben. Weniger ist MEER.

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