Zeit zum Chillen

Cocooning und Rückzug waren gestern. Chillen heisst die neuste Erholungskunst, und die zelebriert man am schönsten zu Hause.

Auf dem letzten Fotoshooting hatten wir eine junge Assistentin, die sich jeden Abend enthusiastisch aufs Chillen freute. Damit inspirierte sie mich zu dieser Geschichte. Ich selbst hatte nach den strengen Produktionstagen leider keine Zeit dafür, denn da waren mein Hund, der nochmals rauswollte, das Abendessen, das wenigstens für einige Momente Familienleben sorgte, oder Mails, die auf Antworten warteten. Danach gab es nur noch eins: Schlaf, bis der Wecker frühmorgens klingelte.

Nach zwei Wochen ohne Wochenende wurde dann auch für mich das Zauberwort «Chillen» zur Realität. Ich kam nach Hause, machte eine Runde mit Miss C,. duschte endlos lange und schlüpfte mit Honigbrötchen, Milch und Netflix ins Bett. Das süsse Nichtstun wird nach harter Arbeit noch wertvoller – fast ein Geschenk. Es kommt in unserem hektischen Alltag oft zu kurz. Allzu gerne verplanen wir Wochenenden oder denken, dass der Feierabend möglichst aktiv genutzt werden muss.

Gönnen Sie sich mehr Erholungsphasen an Wochenenden und Feierabenden. Verplanen Sie nicht alles, oder planen Sie zumindest Nichtstun ein. Diese Inspirationen helfen dabei. (Bild über: An Early Morning Walk

1 — Liegen und lieben

Egal, mit wem Sie das Bett teilen, die Liebe ist immer im Spiel und sorgt für die schönste Art von Erholung. Es lohnt sich, wann immer es geht, länger liegen zu bleiben und den Tag langsam anzugehen. (Bild über: A Better Happier St. Sebastian)

2 — Lesen und leben

Viel zu oft sind wir online. Und das Bücherlesen bleibt auf der Strecke. Zwischen die Seiten eines guten Buches zu tauchen, ist wie eine Reise. Es zeigt ein Stück Leben, das man sonst nie sehen oder erleben würde. Türmen Sie ruhig Bücher überall. Das inspiriert dazu, zu schmökern und abzutauchen. Zelebrieren Sie das Lesen und schaffen Sie dafür Lieblingsplätze. Liegen, Chaiselongues und Tagesbetten sind perfekt dafür. Aber auch mal früh unter die Decke zu schlüpfen, in ein frisch angezogenes Bett, tut an diesen langen dunklen Nächten gut. Eine Tasse Tee und viel Zeit sind die richtigen Begleiter dafür. (Bild über: Cup Of Letters)

3 — Entspannen und abtauchen

Die schönste Ausgangslage für lange Lesestunden! Wenn man aber einen Hund hat, ist es besser, vorher einen langen Spaziergang durch den Wald zu machen. (Bild über: Boston Girl At Heart

4 — News, Kunst und Eier

Chillen kann man auch am Morgen. Am besten am Sonntagmorgen! Dabei begleiten auf schönste Art die Sonntagszeitungen, ein bisschen News-Surfen und ein deftiges Frühstück mit Eiern. Golden gebratene Spiegeleier sind ein schnelles Verwöhnzmorge. Entdecken Sie die besten Sweet-Home-Rezepte dafür. Das Schmökern in den Wochenendbeilagen der Zeitungen inspiriert vielleicht dazu, zwischen dem Chillen eine Ausstellung zu besuchen. (Bild über: Anna Gillar)

5 — Feiern und Geniessen

Wenn es um ein richtig gutes Frühstück geht, dann sind die Amerikaner weit vorne. Klar kann man heute in den urbanen Trendspots israelisch, vegan und im Hipsterstil brunchen. Ich finde aber, gute Pancakes sind nicht zu schlagen. Und jetzt ist Apfelsaison. Verbinden wir also beides und backen am Sonntagmorgen herrliche Apfelpancakes für ein kleines, entspanntes Frühstücksfest. (Bild über: Birdasaurus

Zutaten:

Zubereitung:

1 Tasse Weissmehl

1 EL Zucker

1 Päckli Vanillezucker

2 KL Backpulver

1 Prise Salz

1 Tasse Milch

1 Ei

1 EL zerlassene Butter

3 Äpfel, geschält, entkernt und in kleine Würfel geschnitten

Zucker und Zimt

Die Apfelstücke mit ein wenig Zucker und Zimt mischen. Zur Seite stellen. Mehl, Backpulver, Vanillezucker, Zucker und Salz mischen. In einer anderen Schüssel Milch, Butter und Ei verrühren, beigeben und alles gut mischen. Butter in eine Bratpfanne geben. Pro Pfannkuchen jeweils 3 EL Teig nehmen und jeweils eine Handvoll Apfelstückchen darüber verteilen. Die Pancakes beidseitig goldbraun braten. Im Backofen warm stellen. Bestreuen Sie die Pancakes mit ein wenig Puderzucker, und servieren Sie sie mit viel Ahornsirup darüber.

6 — Füssen hochlegen und reden

Chillen bedeutet auch, dass man die Zeit zusammen zu Hause intensiver nutzt. Legen Sie ruhig die Füsse hoch, diskutieren Sie oder erzählen Sie sich bloss, was sie die ganze Woche über so gemacht haben. Schmieden Sie wieder einmal Pläne zusammen. Manchmal tun auch gemeinsame Spaziergänge gut. Danach ist das Chillen doppelt so schön. (Bild über: An Early Morning Walk

7 — Champagner und Frühstück im Bett

Für mich sieht gelungenes Chillen so aus! Wer weiss, vielleicht klappt es diesen Sonntag damit – wir feiern wieder mal Hochzeitstag. Aber auch ohne besonderen Anlass lohnt es sich manchmal, aus dem Alltag ein Fest zu machen und sich zu Hause ein bisschen so zu verwöhnen, als wäre man im Hotel. (Bild über: Britta Nickel)

8 — Ruheplätze schaffen

Chillen bedeutet viel Liegeposition. Wenn Sie gute Plätze schaffen dafür, geht das nicht nur im Bett. Gerade kürzlich, an einem Workshop, habe ich mich mit Frauen über die Freude am Einrichten unterhalten. Dabei kam heraus, dass viele Männer Loungechairs lieben – Frauen aber weniger. Versuchen Sie es mit gemütlichen Chaiselongues, Sesseln mit Fusshockern, Tagesbetten. Und rücken Sie diese auch in die gemütlichen Ecken, in denen Sie gerne sind. Für mehr Ruhe und Abgrenzung helfen Paravents. So kann man sich auch in einem Familienwohnzimmer oder in einer Wohnung mit wenig Zimmern eine Art Insel schaffen. (Bild über: Anna Gillar)

9 — Sommerliegen in der Wohnung

Eine charmante, schnell improvisierte Ruhezone schafft man mit der Sommerliege im Wohnzimmer: Kissen und Kuscheldecken drauf, und schon kann man sich ausstrecken. Dass man sich dabei ein bisschen wie am Strand fühlt, ist ein netter Nebeneffekt. (Bild über: Inside Closet)

10 — Schmökern vom Stapel

Ich liebe Bücherstapel – sie sind bei mir in der ganzen Wohnung. Stapel sind eine Art «Work und Progress». Denn ich staple Bücher zu einem bestimmten Thema, das mich gerade interessiert, oder als kommenden Lesestoff. Sind die Bücher da, auf dem Couchtisch, dem Nachttisch oder der neuen alten Leiter, die ich ins Wohnzimmer stellte, dann laden sie ein, darin zu schmökern, sie zu lesen. So bleiben die Stapel denn auch nie die gleichen. Wenn die Bücher gelesen oder durchgeblättert sind kommen sie wieder zurück aufs Regal und machen neuen Bücherstapeln Platz. (Bild über: Tara Hurst)

11 — Honig am Nachmittag

Ich liebe Honigbrötchen als Entspannungsnahrung. Diese Version ist ein bisschen erwachsener und gibt einen köstlichen Wochenend-Zvieri ab. (Bild: Not Without Salt)
Und so gehts: 
Am besten machen Sie dieses Gericht mit einem Camembert oder Brie, der in einer Holzschachtel steckt. Dann können Sie nämlich die Holzschachtel direkt in den heissen Ofen geben. Sonst den Käse in eine Backform oder auf ein Backblech legen. Diese vorher mit Backpapier auslegen. Geben Sie Honig über den Käse und nach Geschmack etwas Thymian oder Rosmarin oder beides. Belegen Sie den Käse mit frischen Feigen und legen Sie noch einige Feigen auf das Backblech. Alles im 200 Grad heissen Backofen etwa 25–20 Minuten rösten. Mit frischem, knusprigem Baguette geniessen.

12 — Schönheit und Zeit

Die Schönheit trägt viel zur Entspannung bei. In einem schönen, liebevoll eingerichteten Zuhause fühlt man sich ganz einfach wohler. So kommt es nicht von ungefähr, dass wir den Samstag meist nutzen, um einzukaufen und die Wohnung schön zu machen, damit der Sonntag auch sonntäglich ist. Das Aufräumen und Putzen sehe ich immer ein wenig als Abstecken des Territoriums. Es bekommt so etwas Meditatives und verbindet mich enger mit meinem Zuhause. Schönheit geht aber immer vor. So stelle ich erst mal einen grossen Blumenstrauss hin, der zieht nämlich die Blicke auf sich und lenkt ab von Staub oder anderen Unperfektheiten. Ich finde es auch wichtig, dass es daheim zwar aufgeräumt ist, aber nicht alles weggeräumt wird. Wenn da nichts mehr steht, das animiert, etwas zu tun, wie zu lesen, zu malen, Musik zu hören, dann wirkt es steril. (Bild über: Un Due Tre Illaria)

13 — Sofa und Serien

Bei der Arbeit haben wir kürzlich über Serien diskutiert. Eine junge Freundin hat es klar auf den Punkt gebracht: «Wenn ich mich nach einem langen Arbeitstag aufs Sofa kuschle und eine Serie auf Netflix auf meinem Laptop anschaue, dann entspanne ich sofort und denke nicht mehr an die Arbeit, sondern tauche schnell in eine andere Welt.» Ich stimme ihr voll zu. Denn Serien sind eine leichte, bewegte Art von Büchern und tragen einen schnell weg. Also: Sofa und Serien gehören definitiv mit zum entspannten Chillen. (Bild über: Bird Is The Word)

14 — Rahm und Musik

Ein bisschen mehr «Old School» ist die Kombination: Café- oder Schokolade-Melange und Musikhören. (Bild über: Birdasaurus

15 — Lachen und spielen

Chillen muss nicht passiv sein. Oft vergessen wir das Rumtoben, Spielen und Lachen. Wer Hunde und Kinder zur Familie zählt, macht das ganz selbstverständlich. Andere müssen vielleicht wieder etwas üben. (Bild über: An Early Morning Walk)

16 — Kochen und verwöhnen

Natürlich gehört zum Chillen auch das Geniessen. Damit man dafür aber nicht stundenlang in der Küche stehen muss, bereitet man am besten ein schnelles, unkompliziertes Wohlfühlgericht wie dieses zu: Überbackene Gnocchi. (Bild über: Taste.com.au)

Zutaten:

Zubereitung:

500 g Gnocchi vom Traiteur 

200 g Champignons, gerüstet und in Scheiben geschnitten

200 g Eierschwämmchen, gerüstet und geschnitten

150 g Schinken, in Streifen geschnitten

1 Knoblauchzehe, fein gehackt

1/2 Peperoncino, fein gehackt

Rosmarin, Thymian und Salbei

1 dl Weisswein

2 dl Rahm

etwas Bouillon

100 g Fontina-Käse, geraffelt

50 g geröstete Walnüsse

Salz, Pfeffer und Muskatnuss

Olivenöl, Butter

Die Gnocchi in Salzwasser kochen, abgiessen und mit etwas Butter gemischt in eine Gratinform geben. Geben Sie Olivenöl in eine Bratpfanne und braten die Schinkenstreifen und einige Salbeiblätter an. Herausnehmen und zur Seite stellen. Dann geben Sie etwas Butter bei und braten die Pilze an. Geben Sie die Kräuter, den Knoblauch und den Peperoncino bei. Wenn diese duften, den Wein darübergiessen, einköcheln lassen und etwas Bouillon beigeben. Den Rahm untermischen und mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss abschmecken. Die Pilzmischung mit zu den Gnocchi geben, den Käse, den Schinken und die Salbeiblätter untermischen. Alles im 200 Grad heissen Backofen etwa 20 Minuten backen und mit einem knackigen Salat servieren.

17 — Wasser und Wärme

Es sieht, während ich diesen Blogbeitrag schreibe, nicht gerade so aus, als würde es wieder kalt werden. Dabei habe ich letztes Wochenende viel Chillingzeit geopfert, um die Winterkleider aufzubereiten. Bei Kälte aber, und sie wird schon noch kommen, helfen heisses Wasser und Ruhe. Ein langes Bad, eine ausgiebige Dusche – und schon ist man entspannt und bereit für das köstliche «dolce far niente» (Bild über: Archispaces)

18 — Träumen

Zu diesem Bild gibt es eigentlich nicht viel zu sagen – aber es ist so süss, dass es einfach mit rein musste! Es zeigt aber auch, dass unsere anderen Familienmitglieder das Chillen sehr viel besser können. Ich wünsche Ihnen einen entspannten Sonntag mit Sweet Home und viel süssem Nichtstun. (Bild über: An Early Morning Walk

Credits: 

Blogs und Magazine: An Early Morning WalkArchispaces, BirdasaurusBird Is The WordUn Due Tre Illaria, Inside ClosetTara HurstAnna GillarBritta NickelA Better Happier St. SebastianBoston Girl At HeartCup Of Letters
Foodblogs: Taste.com.au, Not Without Salt

 

4 Kommentare zu «Zeit zum Chillen»

  • tulpe sagt:

    Einfach ein echt chilliger Beitrag :) Vielen Dank Frau Kohler – Sie sind eine echte Geniesserin!!

  • Maike sagt:

    Chillen ist doch absolut nichts neues ! Früher hieß es einfach – am Wochenende Mal nix tun, es sich gut ergehen lassen. Vor allem, man hat die Glotze, Flimmerkiste wie der Fernseher damals hieße, ausgelassen. Es ist heutzutage allerdings eine hohe Kunst geworden, sich richtig zu entspannen – und nicht doch schnell Mal seine Accounts durchzusehen oder bei Netflix nachsehen, ob man nicht doch was verpasst….

  • Barbara sagt:

    Danke für diesen wunderbaren Beitrag, liebe Frau Kohler!

  • Marie Bornand sagt:

    Super fotos danke ! Bei mir kommt der Hund nicht ins Bett aber auch er hat Freude wenn ich den Tage in aller Ruhe anfange. Im Salon mit einer kerze, kaffee, zeitung, dann spazieren im Park, eventuel andere Hundebesitzer spontan treffen, langes frühstück, LA VIE EN ROSE !

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