Wohnen im botanischen Garten

Pflanzen, Jugendstil und Erinnerungen an den Biologieunterricht lassen jedes Zuhause aufblühen.

Sie sind nicht zart oder bescheiden, die Mauerblümchen, die momentan die Wände vieler Wohnungen schmücken. Sie erinnern oft an den Jugendstil oder kommen sogar tatsächlich aus dieser Zeit. Wie fröhlich-frisch und modern das in einem eklektischen Stilmix aussehen kann, zeigt das Bild vom Blog Skidskoänkans glada dagar.

Die wissenschaftlichen Illustrationen der Biologie- und Botanikbücher haben zu diesem Tapetendesign inspiriert. Es wirkt wie eine Collage aus einzelnen Lehrmitteln und umhüllt einen Raum mit Naturgeschichte und Charme. (Tapete: Baxter von Wallpaper Direct)

Wer denkt, dass die Rückkehr der Liebe zur Handwerkskunst eine neue Bewegung ist, der täuscht sich gewaltig. Gegründet hat die «Arts and crafts»-Bewegung in der Mitte des 19. Jahrhunderts der britische Kunstgewerbler William Morris (1834–1896). Seine ornamentalen Blumenmuster auf Tapeten und Stoffen erfreuen sich gerade wieder grosser Beliebtheit. (Bild über: Hannamw)

Einer der ganz grossen Einrichter Englands ist Ben Penthreat. Man sagt, er habe auch in der Wohnung des Duke und der Duchess of Cambridge Hand angelegt. Bei Penthreats Einrichtungen ist immer wieder seine Liebe zu Joseph Frank, Piero Fornasetti und William Morris zu spüren. In seiner eigenen Wohnung ziert Morris‘ zarte Tapete «Willow Boughs», die Weidenzweige in Ranken zeigt, ein Gästezimmer. (Bild über: 1stdibs, die Tapete gibt es über: Wallpaper Direct

Der österreichisch-schwedische Architekt Joseph Frank (1885–1967) beschäftigte sich nicht nur schon sehr früh mit dem sozialen Wohnungsbau, sondern hat, wie viele seiner Kollegen, auch Möbel und Textilien entworfen. Er gründete zusammen mit Oskar Wlach das Einrichtungshaus Haus und Garten. Dieses wurde übrigens später von seinem Freund, dem Leuchtenfabrikanten Julius Kalmar, übernommen. In den Dreissigerjahren emigrierte Frank, der jüdischer Herkunft war, in die schwedische Heimat seiner Frau. Dort begann die Zusammenarbeit mit der Firma Svenskt Tenn. Franks Stoffe und Tapeten zeigen meist stilisierte, florale Muster. Ein schönes Beispiel ist in diesem Kinderzimmer zu sehen, das ich im Blog The House that Lars built entdeckt habe. 

Den sympathischen, poetischen Trend kann man natürlich auch ganz unkompliziert und einfach umsetzen. Sie suchen auf Flohmärkten und in Antiquariaten nach Botanikdrucken und schmücken damit Ihr Zuhause. (Bild über: Alamodeus)

Eine andere Möglichkeit sind Botanik-Lehrmittel, mit denen Sie sich die Liebe zu Natur und Handwerk nach Hause holen. Ein wunderschönes, einfaches Beispiel vom Blog Gravity Home.

Doch zurück zur Welt von William Morris und dessen Einfluss. Dieses Beispiel, entdeckt über Heart Home, zeigt einen Stoff und eine Tapete von House of Hackney. Die unkonventionellen Briten haben die Designs neu interpretiert auf ihre typische, in eigenen Worten «unkonforme» Art.

Von der dunklen, viktorianisch inspirierten Sinnlichkeit zur fröhlichen Frische von Joseph Frank: Seine Tapete Vårklockor führt hier eine kleine weisse Küche in den ewigen Frühling. (Bild über: Pinterest)

Mir persönlich gefällt die Kombination mit dem gemütlichen englischen Landhausstil auch sehr gut. Sie wirkt harmonisch und warm. (Bild über: Lobster and Swan)

Auch andere, weniger bekannte Designer spielten mit frischen Blumen. Ein Beispiel von Lisbet Jobs aus den 50er-Jahren von Boras Tapeten, entdeckt über Johanna Bradford.

Hier schafft eine Tapete von William Morris eine traumhaft poetische Stimmung in einer ländlich inspirierten Küche. (Bild über: Interior Likes)

Grosse Kunst à la Joseph Frank auf einem Ikea-Möbel. Dazu braucht es «nur» den Schrank Ivar und etwas DIY-Talent für die Decoupage mit botanischen Zeichnungen. (Bild: Home by Eva)

Dass der Jugendstil einen grossen Einfluss hat auf die Mode und das Interiordesign der Siebzigerjahre, wird oft vergessen. Damals mischte man Blümchentapeten mit viel Weiss. So sieht der Look neu und zeitgenössisch aus, interpretiert von der schwedischen Tapetenfirma Sandberg, von der auch diese Blümchentapete ist.

Dass ein wenig Drama durchaus auch für Kinderzimmer funktioniert, zeigt dieses hübsche Beispiel mit einer grossblättrigen Tapete von William Morris, entdeckt bei Petite and small

Modern und doch aus dem Midcentury ist die Tapete «Chiave Segrete» von Piero Fornasetti für Cole and Son. Die Werke des italienischen Künstlers und Interior Designers beeinflussen auch heute noch Einrichtungen und Mode. Fornasetti lebte übrigens in den 40er-Jahren in der Schweiz im Exil und hatte 1944 im Foyer des Etudiants in Genf seine erste Einzelausstellung. (Bild über: Mad about Interior Design)

Dieses Detail aus der gleichen Wohnung wie auf dem ersten Bild zeigt, dass es für William Morris‘ kunstvolle Dessins keinen Palast aus dem 19. Jahrhundert braucht. Sie sind durchaus adaptierbar und passen in einfache Wohnungen und in die heutige Zeit. (Bild über: Skidskoänkans glada dagar)

Falls man aber doch über einen kleinen alten Palast verfügen sollte, dann ist diese Decoupage direkt auf die Wand eine zauberhafte Idee. (Bild über: Pinterest)

Palast hin oder her: Jede Wand kann man mit alten Drucken auskleiden und damit nicht nur viel Stimmung schaffen, sondern auch auf einfache Art kreativ werden. (Bild über: Moon and Trees)

Credits: 

Tapeten: Cole and Son, Wallpaper Direct, Boras Tapeten, Sandberg, House of Hackney
Blogs und Magazine: Moon and Trees, Skidskoänkans glada dagarMad about Interior DesignPetite and smallHome by EvaInterior LikesJohanna BradfordLobster and SwanHeart HomeAlamodeusGravity Home, The House that Lars builtHannamw
Interiordesigners: Ben Penthreat
Shops und Kollektionen: 1stdibs

17 Kommentare zu «Wohnen im botanischen Garten»

  • ULFI sagt:

    Und warum 3 Fotos mit der gleichen Tapete ?

  • Elisabeth sagt:

    Immer wieder, wenn das Sweethome blog von ‚alten Drucken‘ spricht, blutet mir ein wenig das bibliophile Herz, denn im obigen Beispiel wurden die Blätter einfach aus Büchern herausgerissen. Ein Antiquar hat mir mal erklärt, er würde keine Bücher mit botanischen oder anatomischen Drucken an „barbarische“ Innenarchitekten (damals war interior design noch nicht ‚in‘) verkaufen. Es geht auch anders, Bilder scannen (für die Bücher auch nicht unproblematisch, aber besser als sie zu massakrieren) und dann auf Chamois-farbigem Papier ausdrucken.

  • Danielle sagt:

    Tapeten sind einfach schön. Allerdings ohne zusätzlich bunte Bilder davor. Aber auf jeden Fall lieber als der sterile, langweilige, weisse Einheitsbrei von heute.

  • Marusca sagt:

    So wie auf Bild 1 (und weiteren) sah es bei meinen Grosseltern (Jahrgang 1913 und 1916) bis ca. Mitte der Sechzigerjahre aus…

  • tisiedi sagt:

    Vielleicht noch eine kleine Ergänzung? Ich bin eigentlich Fan von echten Blumen, aber eine Leinwand habe ich mit den witzigen, wunderschönen Karten von den Künstlern guggisberg-steudler beklebt.

  • ri kauf sagt:

    die tapete in der küche! wow. so coooool!

  • adam gretener sagt:

    Katharina I wird sich aber über die Tapeten freuen.

    • Katharina I sagt:

      Hihihi. Ja! Da kriegt man ja Kopfweh vor lauter Mustern! Aber gut, das Foto mit dem schlichten, weissen Sofa ging ja noch. Und ich kann mich an den Bildern ohne Tapate festhalten. Dafür erwähne ich auch mit keinem Wort dieses bestimmte Putz-Utensil in Zusammenhang mit einem anderen Putz-Utensil. :-)

      • adam gretener sagt:

        Weisses Ledersofa? Du? Bei mir bricht eine Welt zusammen. Ich duze einfach mal.

        Ich war heute in der Winterthurer Altstadt ein Bier trinken. Cafe toll. Meine Serviceperson charmant und sauhübsch. Aber als ich aufs WC musste, habe ich wegen der Tapeten fast einen epileptischen Anfall bekommen.

  • Bufi sagt:

    Wieder mal ein Blog mit grossem „will ich auch haben!“ Faktor.

  • Peter Maier sagt:

    An Hässlichkeit schwer zu überbieten….aber über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, Schade eigentlich.

  • Filosof sagt:

    Sicher sehen gemusterte Tapeten an der einen oder anderen Wand dekorativ aus, ist halt Geschmacksache. Aber für mich ist es ein No Go, an gemusterten Wänden Bilder anzubringen. Die Ausstrahlung und Aussage eines Bildes gehen dabei völlig unter, Zuviel für die Augen. Ganz besonders schlimm fand ich schon als Kind Tapeten mit Segelschiffen, woran vergoldete Bilderrahmen mit röhrenden Hirschen angebracht wurden. Oder Ozeandampfer auf Blümchentapeten. Die Gefahr, etwas falsch zu machen, ist bei so opulent gemusterten Wänden gross.

  • Lila Flieder sagt:

    inspirierend, die gepimpte DIY Kommode eines namhaften schwedischen Herstellers…

Kommentar

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