Maximalismus – der grösste neue Wohntrend

Puristen wegschauen! Ein gewagter, üppiger und sehr persönlicher Einrichtungsstil macht diesen Herbst Furore.

Ausstellen und auftürmen statt aufräumen und reduzieren! Maximalismus nennt sich der Wohnstil, der es diesen Herbst vom individuellen Trend in die kommerziellen Wohnkataloge schafft. Die Entwicklung war absehbar, denn wir wollen gerade viel von allem, und das auch in der Wohnung. Es geht hier aber nicht um Bling-Bling, sondern um die Freude an den Sachen, die man hat, der Dekoration und dem Stilmix. (Bild über: Gravity)

Der grösste aller Wohnkataloge, der von Ikea, ist bestimmt bald in den Briefkästen zu finden. Ich habe aber bereits einige Bilder auf anderen Blogs wie Planete Déco und Gravity Home entdeckt. Sie zeigen eine sinnliche, übervolle und superpersönliche Welt. Maximalismus, der Wohnstil der Individualisten wird damit zum Mainstream.

Klar, die wunderschöne Altbauwohnung, in der die Bilder aufgenommen wurden, hilft, dass die günstigen Möbel chic und edel aussehen. Doch wie ich schon viele Male hier auf dem Blog erläutert habe: die Architektur ist für die Interiorfotografie, was die Models für die Modefotografie sind. Wir möchten ja ein bisschen träumen und die Realität dann aus diesem Traum heraus gestalten. 

Und träumen kann man, bei diesen sinnlich gestylten Fotos. Sie zeigen natürlich wie immer viele Ideen, die sich einfach und überall umsetzen lassen. Schlichte Wandregale im Entree zum Beispiel, gefüllt mit Büchern und Wohnaccessoires, dunkle Wände und ungewohnte Dinge, die neben den Leuchten von der Decke baumeln. 

Dass ein Schlafzimmer mit schlichtem Boxspringbett, Blümchenwäsche, Fertigvorhang und grafischem Teppich aus dem grossen Mitnahme-Möbelhaus so dramatisch und persönlich aussehen kann, würde man nicht denken, wenn es diese toll gestylten Bilder nicht gäbe. Auch wenn viele Möbelhäuser auf den Socialmedia-Hype und Hardselling-Marketingstrategien setzen und dabei die Gefühle vergessen: Ikea weiss, wie wichtig Emotionen sind. Diese sinnlichen Katalogbilder sind der Beweis dafür. 

Tapeten sind grosse Wandbilder geworden und haben sich damit von ihrem Mauerblümchenimage verabschiedet. Eine besonders schöne Version ist hier von Surface View zu sehen. Wie schon beim vorherigen Ikea-Katalogbild, ist die Tapete auch hier Schmuck für eine Einzelwand und Bühnenbild für eine Wohnsituation. Hier ist es ein Arbeitstisch, dem mit der dramatischen Tapete Grossartigkeit verliehen wird. 

Wandschmuck gehört zum maximalistischen Wohnstil. Das geht auch mit vielen Bildern an der Wand. Doppeln Sie gleich nach und geben Sie Ihrem Sofa eine Menge unterschiedlicher Kissen. (Bild über: Gypsy Yaya)

Eine, die schon lange erfolgreich auf Maximalismus und Drama setzt, ist die englische Interiordesignerin Abigail Ahern. Zu ihrem unverkennbaren Einrichtungsstil gehören dunkle Wände, viele Wohnaccessoires, die ruhig auch kitschig sein dürfen, und natürlich starke Möbelstücke. Dabei mischt sie Neues mit Altem, setzt viele Teppiche und künstliche Blumen ein und schafft punktuelles Licht mit dominanten Tisch- und Stehleuchten. Entdecken Sie ihre Kollektion und besuchen Sie ihre Workshops. Die Designerin entwirft auch eine günstige Wohnaccessoire-Linie für das englische Kaufhaus Debenhams, welche auch online erhältlich ist. 

Einen ähnlichen und doch ganz anderen Stil pflegt Pati Robins. Auf ihrem Instagram-Account finden Sie viele Ideen aus ihrer kleinen Londoner Wohnung, dabei sind auch viele DIY-Anregungen.  

 

Maximalismus auf beste Art pflegt der bekannte Interiorfotograf Martyn Thompson. Er ist für mich einer der besten. Seine Bilder vermitteln Sinnlichkeit und viel Gefühl. Er lebt mit seinem Partner, dem Künstler Dove Drury Hornbuckle, in einer Loft in New York. Kunst und viele Stoffe, die Thompson selbst entwirft und entwickelt, spielen eine bedeutende Rolle in der Einrichtung. Das Bild, das ich über den Blog Love is speed gefunden habe, zeigt eine Wandmalerei von Dove Drury Hornbuckle und einen Sessel und Kissen aus Martyn Thompsons Textil-Kollektion

Schon eine ganze Weile grossen Erfolg mit Maximalismus hat die englische Firma House of Hackney. Die Kollektion besteht hauptsächlich aus Stoffen, hat aber auch viele hübsche Wohnaccessoires. Es ist klar, dass das Paar, das die Kollektion entwirft und die Firma gegründet hat, Frieda Gormley and Javvy M Royle, auch alles andere als puristisch wohnt. Entdecken Sie die ganze Wohnung auf dem superschönen französischen Blog The Socialite Family. Wohnaccessoires von House of Hackney, wie zum Beispiel mein rosa Tigerkissen, bekommen Sie im Zürcher Interiorgeschäft Frohsinn

Als Wunderkind wird der erst 28 Jahre alte Luke Edward Hall gefeiert. Er malt, zeichnet, richtet ein, kreiert Kollektionen und hat einen vielgefolgten Instagram-Account. Das Bild zeigt seine Wohnung, die er mit seinem Partner in Camden bewohnt. Sie wurde in praktisch allen bedeutenden Medien, von «Vogue» über GQ bis zum «Telegraph», gezeigt und zeigt einen eklektischen üppigen Wohnstil, der auch vor Kitsch nicht haltmacht.  

Zum Schluss noch eine entzückende weibliche Interpretation des maximalistischen Wohnstils. Das Bild kommt aus dem Magazin «Lonny», entdeckt über den Blog Apartment Therapy. Blümchen und Blumen spielen hier auf ganz unterschiedliche Arten die Hauptrolle. Der Mix erinnert an die romantischen Einrichtungen der Seventies. Weiss und Gartenmöbel sind mit von der Partie: Wunderschön sind auch die Bilder mit den grossen farbigen Passepartouts. 

Credits: 

Shops und Kollektionen: IkeaHouse of Hackney, FrohsinnDebenhams
Design: Luke Edward HallHouse of Hackney, Martyn ThompsonPati RobinsAbigail Ahern
Blogs und Magazine: Apartment TherapyLonnyThe Socialite FamilyLove is speedGypsy YayaPlanete Déco, Gravity Home 
Fotografie: Martyn Thompson 
Kunst: Dove Drury HornbuckleLuke Edward Hall
Tapeten: Surface View 
Stoffe: House of Hackney, Martyn Thompson 

 

 

20 Kommentare zu «Maximalismus – der grösste neue Wohntrend»

  • Johann sagt:

    wow.. total schön! Allerdings würde ich da nicht gerne Wohnen wollen. Das würde mich alle überfordern. Ich habe mich versucht so minimalistisch einzurichten wie möglich, leider kommt dabei immer wieder sehr viel in richtung maximalismus raus! :-) Dabei finde ich auch total schön wenn man verschiedene Materialien kombiniert wie z.B. Holz, Metall, Leder usw. Schöne Produkte habe ich bei unterschiedlichen Schreinern gefunden wie bei Anton Doll oder dawanda

    hab gerade eine Holz-Kommode gekauft und werd da herum jetzt dann lauter solche spiegel und alte ansichtskarten von meinen großeltern hängen!! super schöne wohnung!

  • ivano colombo sagt:

    ob zuviel oder zuwenig es ist immer sehr persoenlich. wichtig ist dass es kein …ramscht ist also nicht Sachen die man nach 3 o 4 Monate wegwirft. und dazu du muss dich wohl fühlen. es ist wie am strand. sehr viele personewn fuehlen sie sich wohl wenn sie allein sie. viele andere brauchen 100 Personen um sich herum um sich wohl zu fuehlen. jedenfalls diese Journalistin kann sehr gut schreeiben und ist immer up to day. moechte sie eigentlich gerne kennenlernen und mit ihr un Espresso trinken…..

  • jeanne sagt:

    Herrlich….unkompliziert, ich liebe auch so viele Dinge und kann mich nicht für eins entscheiden-also alles um ein herum bauen wie ein Nest, und nicht immer alles bewerten. .Aber jeder fühlt sich anders wohl..

  • Esther Villa sagt:

    Zuviel oder zuwenig, immer übertreiben. Schade.

  • Michael sagt:

    Der Biedermeier kommt zurück! Geil!
    Dann knallt es in nächster Zeit endlich wieder einmal.

  • Katharina I sagt:

    Ich glaube, das ist ein von den Herstellern gewollter Stil. Da steht viel rum – es wurde also viel gekauft. Aber in der Gesellschaft sehe ich mehr und mehr einen Überdruss an den vielen Waren, an dem vielen Zeug. Ich bin weiss Gott keine Minimalistin, aber bei diesen Fotos habe ich gedacht, dass da mal jemand ordentlich ausmisten sollte, da kriegt man ja keine Luft. Auch weil ich selber putze, kriege ich bei solchen Arrangements die Krise. Aber Ikea hat es wirklich gut gemacht, die Wohnungen sehen sehr bewohnt aus.

  • Carmen Siegrist sagt:

    Ich finde diese voll dekorierten Wände spannend, und es gibt viel zu sehen.
    Ich liebe Kitsch. Der Mix aus echt antik und modern gefällt mir. Vielfalt und üppig, doch ausgesucht. Alles hat seinen eigenen Platz im Ganzen. Es ist ganz anders als die Nüchternheit der vergangenen Jahre. Mir gefällt das Verspielte.

  • spirig sagt:

    oh ja, genau mein ding!

  • Corno Carlo sagt:

    beim ersten Überfliegen der Titelzeile habe ich „Marxismus“ gelesen, aber das kann ja wohl nicht sein, das wäre ja das pure Gegenteil /Ironie off.

  • Karl Knapp sagt:

    Die Bilder lösen das gleiche Gefühl aus, wie wenn ich nach Hause komme: „hier müsste man mal richtig aufräumen, aber jetzt mag ich gerade nicht“. Altbekannt eben.

  • Abundance sagt:

    Herzlichen Dank! Endlich habe ich für meinen Wohnstil, der jahrzehntelang liebevoll angesammelt wurd,e den richtigen Namen gefunden :-) Maximalismus. Ich höre sofort mit den Ausmisten auf, mache mir eine schöne Tasse Tee und geniesse meine farbenfrohe Wohnfülle.

  • ri kauf sagt:

    uff, da wird mir ganz sturm, ab so viel zeugs in diesen räumen…..für mich: nein danke.

  • Benjamin Zibble sagt:

    …und es liegt eben doch an der Architektur und den ausgesuchten Materialien und deren Design und Qualität um auch die Einrichtung passend zu bekommen… ich denke das es in den heutigen, von Asphalt und anderen auf Rendite getrimmten Materialen, anstatt designtem und gepflegten Grün eben nie ein wirklich wohlfühlendes Lebensgefühl geben kann. Der Mensch und seine Sinne gedeiht im Chaos und der Vielfalt… es ist wie ein Bild aus dem Computer und einem aus der Hand gemalten…

  • Christine Goldinger sagt:

    Ui, bin ich froh, dass ich nicht jeden Trend mitmachen muss, sondern meine Wohnung ganz nach meinem Geschmack einrichten kann und mich darin wohl fühle. Lieber unmodern wohnen als in einem richtig angesagten Gruselkabinett!

  • Heidi Arn sagt:

    Auch nicht meins, doch ich liebe es, verschiedenste Stile anzuschauen und all die Ueberraschungen hier.

  • Christina Staeger sagt:

    Wie üblich, liebe Frau Koller, stürze ich mich auf Ihren neuesten Blog… diesmal aber finde ich Ihren Beitrag einfach furchtbar! Dekadent? Oder einfach überladen?
    Jetzt freue ich mich einfach auf Ihren nächsten Inspirationen und grüsse Sie herzlich,

    • Roberto sagt:

      Würde immerhin passen zu einem Film von Luis Bunuel aus dem Jahr 1972: „Der diskrete Charme der Bourgeoisie (Le charme discret de la bourgeoisie)“.
      – Vornehm muss die Welt zu Grunde gehen (= Dekadenz).

    • Lila Flieder sagt:

      @Staeger: Sie bekommen den Koller wegen Frau Kohler…? oh je! hoffentlich kann Ihnen heute noch etwas Positives den Tag retten… vlt im IKEA-Katalog blättern oder so

      • Marianne Berta sagt:

        Zum drin wohnen: ein Albtraum!
        Zum anschauen: sehr lustig und unterhaltsam!

        @Flieder. Warum so überheblich?

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