Romantik am Stadtrand

Die Künstlerin Eugenia A. Burgo wohnt mit ihrer Familie, einem jungen Hund und vier Katzen in einem wunderbaren Haus in Küsnacht.

Fotos: Rita Palanikumar für Sweet Home

Wie in einem Bilderbuch steht das freundliche Haus aus der Jahrhundertwende am Waldrand von Küsnacht. Es vermittelt trotz heimischer Architektur ein angelsächsisches Gefühl und ist das Zuhause der Künstlerin Eugenia A. Burgo und ihrer Familie. 

Eugenia A. Burgo ist in der Schweiz geboren, ihre Eltern aber sind nach Amerika gezogen. So hat sie auch eine Weile in Massachusetts gewohnt, was ihren charmanten amerikanischen Akzent erklärt sowie ihren angelsächsischen Zugang zum Wohnen. Hierzu gehören viel Wohnlichkeit, Weltoffenheit und Freude an einem lebendigen, eklektischen Stil. Und natürlich auch weiche grosse Sofas. Ein solches teilt sie für unser Porträtfoto mit dem jungen Familienmitglied, der drei Monate alten Weimaranerhündin Bahia.

Die Künstlerin hat in den Massachusetts, in Zürich und Florenz Kunstgeschichte und Kunst studiert und malt Ölbilder. Ihre Inspiration ist die Natur. Blüten, Früchte, Blätter, Sukkulenten, Gemüse, Knospen oder Samen erforscht sie mit Pinsel und Ölfarbe in einer Art Nahaufnahme auf Leinwand. Die Farben und Formen sind beinahe dreidimensional und führen ins Innere. Sie schafft damit nicht nur für sich, sondern auch für die Betrachter eine tiefe Beziehung zur Schönheit und Stärke der Natur. Etwas, was ihrer Meinung nach gerade in der heutigen Zeit wichtig und wertvoll ist. Das Bild an der Wand hinter dem Sofa heisst «My Flowers».

Die Natur ist in allen Bereichen von Eugenias Leben von grosser Bedeutung. Sie arbeitet gerne und mit viel Leidenschaft im Garten. Er ist üppig, grün und scheint durch die grossen Fenster in die Wohnung hineinzuwachsen. Durch Eugenias Liebe zu unterschiedlichen Materialien und Texturen strahlt die Einrichtung viel Natürlichkeit und Sinnlichkeit aus. Man möchte alles anfassen, Dinge hervornehmen und begutachten. 

Sofort spürt man, dass hier gewohnt und gelebt wird. Das Haus strahlt Wärme und echtes Zuhausegefühl aus. Seit vier Jahren wohnt die Familie hier. Der Grund für ein neues Haus war eine veränderte Familiensituation. Eingerichtet hat Eugenia mit vielen Stücken aus ihrem alten Zuhause. Ihr Mann, Tobias, den sie eben erst geheiratet hat, mit dem sie aber schon lange zusammen ist, wohnte davor berufsbedingt im Ausland. «So sind viele Möbel von mir, denn Toby hatte eher eine Art Junggesellenbude», erklärt Eugenia. «Doch wir haben einen ähnlichen Geschmack, wählen oft die gleichen Dinge aus und teilen die Liebe zur Kunst.» In das Haus haben sie sich sofort verliebt. Es ist naturnah, gemütlich und einfach wunderschön. Das sehr hohe Wohnzimmer mit grossen Fenstern wirkt wie ein Künstleratelier. «Hier wohnte tatsächlich lange ein Künstler. Ich stelle mir vor, dass dieser Raum auch mal als Atelier diente», meint Eugenia. 

Im Wohnzimmer stehen sich zwei, mit einem naturfarbenen Leinenstoff bezogene Sofas gegenüber. Dazu sind einzelne Sessel gestellt. Weitere Stühle und Sessel stehen bereit, wenn mehr Gäste kommen. Eugenia liebt es nämlich, Gastgeberin zu sein, und belebt das Haus gerne und oft mit vielen Freunden. Auch die Kinder wohnen noch zu Hause. Sohn Henry, 22, ist gerade aus England zurückgekommen, wo er sein Philosophiestudium abgeschlossen hat. Tochter Alix, 24, hat einen ersten Job in der Kommunikationsbranche. «Es ist schöner und günstiger hier als ein WG-Zimmer in der Stadt», lacht die stolze Mutter. 

Überall entdecken wir spannende, inspirierende Gegenstände. Einige davon sind hier im Couchtisch unter einer abnehmbaren Glasplatte ausgestellt. Die Künstlerin entdeckt, sammelt und liebt schöne Dinge. «Alle sind mit unserem Leben verbunden und haben besondere Bedeutungen.» 

Die Einrichtung ist natürlich gewachsen. Einige Möbel sind Erbstücke, andere kommen aus dem Brockenhaus – Antikes mischt sich mit Neuem, Cooles mit Elegantem.

Eine grosse Liebe hat die Hausherrin zur Jasperware von Wedgwood. Das ist eine besondere von Wedgwood geschaffene Technik, die an antike Überfanggläser anmutet. Der Untergrund ist eine Art Biskuitporzellan, meist in Hellblau. Darauf sind weisse Ornamente und Figuren aus der Etruskerzeit aufgebracht. Diese typisch englischen Porzellanklassiker erinnern Eugenia an die Kindheit.

 

Auch Kristallgläser haben ihre Sammelfreude geweckt. Sie stehen in einer bezaubernden antiken Vitrine, welche Eugenia geerbt hat. Die Gläser werden natürlich gebraucht. Und die Vitrine dient gleich noch als kleine Hausbar. Der Platz daneben wurde genutzt für ein schmales Regal, welches mit Kunstbüchern gefüllt ist.

Antike Stücke aus verschiedenen Epochen mischen sich mit Kunst und Fotografie. Hier ist es ein grosser Keramiktopf, ein Stuhl von Charles Rennie Mackintosh und eine Fotografie von Wolfgang Tillmans, welche ein interessantes Trio abgeben.  

Vom grossen, hohen Wohnraum gelangt man durch eine Schiebetüre zum Esszimmer. Um einen langen Holztisch stehen ganz unterschiedliche Stühle, wobei auch einige an den Wänden platziert sind.

Und überall öffnen sich die alten grossen Fenstertüren zum Garten. Die Sonne scheint ins Haus und die Tiere gehen rein und raus. Neben Bahia gehören auch vier Katzen zur Familie, von denen eine gerade Junge bekommen hat. Nachts können lange, schlichte weisse Vorhänge gezogen werden, welche so angebracht sind, dass sie bis an die Decke gehen. 

Neben dem Esszimmer befindet sich, leicht erhöht, eine Art Réduit. Fotografien von Martin Parr gucken zwischen den Fenstern und durch die Maueröffnung in den Raum. Eugenia hat schon früh begonnen, Kunst, die sie berührt, zu kaufen und zu sammeln. 

Das Réduit ist ausgefüllt mit einem grossen weichen Sofa, das mit vielen Kissen bestückt ist. Hier kann man sich zurückziehen, kuscheln, lesen, fernsehen. Und natürlich hat es auch hier Platz für die Tiere. Alte Waschkörbe, gefüllt mit Kissen und Decken sind Betten für den jungen Weimaraner Bahia und die vier Katzen Twinky, Zulu, Tischa und Lucy Lou. Der bunte Vogel kommt aus Mexiko und ist eine Reiseerinnerung. Nie würde Eugenia einfach Dekogegenstände in Einrichtungshäusern kaufen. «Sie müssen schon eine echte Geschichte haben», meint sie. 

Im oberen Stockwerk befinden sich die Schlafräume. Auch hier finden wir viel Kunst und die charmanten Wäschezeine-Betten für die vierbeinigen Mitbewohner. Die Katze Zulu hat gerade vier Junge bekommen. Die Katzenkinderstube sowie das Büro von Toby befinden sich im neu umgebauten Dachstock. 

Wir wollten aber die viel beschäftigten Familienmitglieder nicht gross stören und werfen auch bloss diskrete Blicke in die verschiedenen Schlafzimmer wie hier in das von Alix, die zum Zeitpunkt des Shootings arbeitet.

Auf der blauen Samtdecke in Eugenias Schlafzimmer gibt uns die Katze Tischa zu verstehen, dass sie lieber ungestört ihr Mittagsschläfchen halten möchte. Die Schlafzimmer haben alle ein wenig Dachschräge, was sie besonders gemütlich macht. Wobei dieses hier mit üppigen gefütterten Vorhängen und persönlichen Dingen noch eine Extraportion «cosyness» bekommen hat.  

Die kleine Treppe führt in einen Zwischenstock, in dem sich Henrys Zimmer befindet – wobei zahlreiche Familienfotos den Aufgang zieren.

Der Student hat seinen Arbeitsplatz direkt unter dem Fenster eingerichtet und kann so die wunderschöne Aussicht auf die Bäume geniessen, die rund um den Eingang des Hauses wachsen. 

Auf der Vorderseite, gegen den See, befindet sich ein hübscher Garten. Dessen altmodisch romantische Anmutung hat Eugenia mit vielen Topfpflanzen und filigranen weissen Gartenmöbeln aus Metall unterstützt. Das runde Glashaus, das für Pflanzen gedacht war und zum Haus gehört, ist mit Gartensesseln versehen. So kann man auch mal an kühleren Tagen draussen sitzen oder feiern.

Das Gartenhäuschen für das Werkzeug hat die Familie selbst gebaut und gestrichen. Drumherum blühen gerade Hortensien, Rosen und Lavendel. 

Eine andere Ecke des Gartens bietet mit verschnörkelten Stühlen, einem kleinen Tischchen, Vogelhäuschen und Laternen ein poetisches Rückzugsgebiet. Rundum wachsen efeuumrankte Bäume. Die verwunschene Anmutung unterstützen grosse Pflanzen in Terrakottatöpfen.

Gemütliche Rückzugsgebiete sind auch im ganzen Haus zu finden. Gar in ungewohnten Räumen wie etwa in der Küche. «Die Küche ist zwar sehr klein, aber sie hat Aussicht und ist mit dem Sofa in der Ecke supergemütlich. Der Kühlschrank ist nie leer, denn dauernd sind Freunde da und ich bin irgendwie immer am Kochen.» Eugenia liebt das Kochen und die Gastgeberei. Über dem Küchensofa hängt ein Bild von Eugenia, das Maiskolben zeigt. 

Am Schluss unseres Besuches steigen wir noch kurz ins Auto und fahren in das nahegelegene Atelier von Eugenia. Begleitet hat uns das müde Hundebaby Bahia, welches am Nachmittag mit Henry spazieren ging und uns danach in Garten und Haus unbedingt alles zeigen wollte. 

Das Atelier befindet sich in einem Abbruchhaus und Eugenia teilt es mit einer jungen Künstlerin. Eugenias Bilder sind oft gross, weshalb sie viel Platz benötigt. Farben und Malutensilien finden in alten Industrieregalen Platz. 

Eugenia malt ganz klassisch oder in ihren Worten «old school», mit Ölfarben. Diese fantastischen Paletten sind Zeugen davon. Sie sind so wunderschön, wir mussten sie ganz einfach kurz für ein Foto auf den Studioboden legen. 

 

Eugenia zeigt uns einige ihrer Werke. Die einen sind fertig, andere noch in Arbeit. Sie malt Bilder, die sowohl in Wohnungen wie auch in öffentliche Gebäude passen. Sie findet, dass ihre farbenfrohe, sinnliche Kunst auch als eine Art Ergänzung und Erweiterung der Architektur und des Interiordesigns eingesetzt werden kann. Manchmal arbeitet sie auch mit Interiordesignern zusammen. Diese oder auch private Kunden bringen bei Aufträgen manchmal Wünsche ein. Das kann eine persönliche Lieblingspflanze sein, eine Farbanmutung oder eine bestimmte Bildgrösse. 

Eugenia A. Burgo auf dem Netz:

Website: Eugenia A. Burgo
Instagram: @eaburgo und @eabpaintings

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