Auszug aus dem Paradies

Diese Homestory ist eine Abschiedsgeschichte: 21 Jahre lang wohnte Gabriela Panchaud mit ihrer Familie in dem schönen Einfamilienhaus zwischen Wald und Wohnquartier in Gockhausen bei Zürich. Nun sind die Kinder erwachsen, ein Enkelkind ist auch schon da, und Gabriela und ihr Mann Reto entschlossen sich, das Haus zu verkaufen und in die Stadt zu ziehen. 

Fotos: Rita Palanikumar für Sweet Home

Sweet Home bei Gabriela Panchaud©Rita Palanikumar

Für Gabriela Panchaud, deren Haus Rita kannte, ist dieser Beitrag so etwas wie ein Abschiedsgeschenk. In diesem Frühling ziehen sie und ihr Mann Reto, der Ökonom ist, aus. So besuchten wir Gabriela Panchaud an einem sonnig sanften Tag im letzten Herbst und fanden das Haus im allerschönsten Licht. Das aussergewöhnliche, naturnahe Haus wurde Mitte der 80er-Jahre vom Atelier Neuenschwander gebaut. Gründer Eduard Neuenschwander (1924–2013) gehört zu den bedeutenden Architekten der Schweiz und hat in den 50er-Jahren in Gockhausen interessante Bauprojekte wie Künstlerateliers, Einfamilienhäuser und Landschaftsgärten umgesetzt. Dazu gehört auch das Architekturbüro Atelier Neuenschwander, das nun seinem Sohn, dem Architekten Matti Neuenschwander gehört. Matti Neuenschwander war verantwortlich für den Bau des Hauses der Panchauds.

Das Haus war perfekt für das Familienleben der Panchauds. Gockhausen liegt unmittelbar bei Zürich, bietet aber viel Naturnähe und ein kinderfreundliches Umfeld. Da dieser Abschnitt des Lebens nun vorbei ist, hat sich das Paar entschlossen, die Zelte in der Vorstadt abzubrechen und mitten in die Stadt zu ziehen, in eine Eigentumswohnung an der Europaallee. Gabriela erklärt: «Mit drei jungen Erwachsenen im Haus standen wir immer mitten im Leben. Jetzt, da alle ausgezogen sind, ist der Alltag hier eher ruhig und beschaulich geworden. Mit dem Umzug in die Stadt möchten mein Mann und ich wieder näher am Geschehen sein, ein urbanes Leben führen und den Puls der Zeit stärker spüren.» 

Sweet Home bei Gabriela Panchaud©Rita Palanikumar

Die Natur, der Garten und der Wohnbereich fliessen zu einem harmonischen Ganzen zusammen. Denn der Garten ist gelungene Landschaftsarchitektur mit kleinem Teich, grossen Bäumen, viel Grün und unterschiedlichen Ebenen. Eduard Neuenschwander hat frühe Lehrjahre in Finnland bei Alvar Aalto absolviert. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz liess er sich in Gockhausen nieder und hat da die Landschaft so umgestaltet, dass die Lebendigkeit der Natur in starkem Bezug zur organischen Asymmetrie seiner Häuser steht. Der Garten der Panchauds ist auch in diesem Stil gehalten: Ein natürlicher Bach fliesst mitten hindurch und wurde in der Mitte zu einem Teich aufgestaut, mit grossen Steinblöcken wurden unterschiedliche Ebenen geschaffen, und überall wachsen Bäume, Blumen und Sträucher. 

Sweet Home bei Gabriela Panchaud©Rita Palanikumar

Die Architektur zeigt die typischen Merkmale der 80er-Jahre: einen sanft postmodernen Stil, Rundungen und eine gelungene Verbindung von Beton, Holz und Stahl. Der kleine Balkon hat Multifunktion: Er bietet einen direkten Ausgang von der Küche in den Garten, ein kleines Vordach für den Parterre-Ausgang und ein Gerüst für die prächtige Glyzinie. Die im Frühjahr lila blühende Kletterpflanze wächst auch noch im Eingangsbereich, dort zusammen mit einer rosa Klematis.

Sweet Home bei Gabriela Panchaud©Rita Palanikumar

Blau zeigt sich draussen und drinnen als Akzentfarbe. So ist eine Wand in der Küche in einem Stahlblau lackiert, ein guter Gegensatz zum warmen Holz der Fensterrahmen und Möbel. Ein grosser Holztisch mit passenden Stühlen ist parallel zum grossen Fenster platziert. Die Wohnküche hat etwas von einem gemütlichen Bistro, da passt die Tageszeitung, die an einem Holzhalter neben getrockneten Blumen am Fensterrahmen hängt, perfekt.

Sweet Home bei Gabriela Panchaud©Rita Palanikumar

Aussergewöhnlich und passend zu den Rundungen der Architektur ist der Kochherd. Er steht als Kochinsel mitten im Raum, gross, rund und mit Abzugshaube und Platz für Pfannen versehen. «Das Schöne an diesem Herd ist, dass man hier auch wunderbar zusammen kochen kann», so Gabriela. 

Sweet Home bei Gabriela Panchaud©Rita Palanikumar

Der Innenausbau des Hauses ist raffiniert, offen und auf unterschiedlichen Ebenen angelegt. So sitzt das Wohnzimmer sozusagen über der Küche. Überall im Haus ist mit Kunst, Wohnaccessoires, Pflanzen und Blumen Wohnlichkeit entstanden. Nichts deutet darauf hin, das ein baldiger Umzug ansteht. 

Sweet Home bei Gabriela Panchaud©Rita Palanikumar

Die Sitzecke im Wohnzimmer mit Sofa, Ledersessel, grossem Hocker und Couchtisch wird mit einem Milieuteppich als Insel zusammengehalten.

Sweet Home bei Gabriela Panchaud©Rita Palanikumar

Die Balustrade, über die man in die Küche sieht, bietet Stau- und Ausstellungsraum für Musikanlage, Schallplatten, Bücher, Pflanzen und viele Windlichter. Das Zentrum ist ein grosses Cheminée mit einer edlen, handgemachten Metallverschalung.

Sweet Home bei Gabriela Panchaud©Rita Palanikumar

Ein grosses Fenster mit Holzrahmen und ein kleiner Balkon öffnen den Blick in den wunderschönen, natürlichen Garten. 

Sweet Home bei Gabriela Panchaud©Rita Palanikumar

Zwischen den sich rot färbenden Weinranken, die das Balkongitter und einen Teil der Fassade umhüllen, sieht man in den Garten, der sich hier im goldenen Licht in allerschönster Pracht zeigt. Im Zentrum steht eine alte Trauerweide, die mit ihren langen herabhängenden Zweigen den Teich zu küssen scheint.

Sweet Home bei Gabriela Panchaud©Rita Palanikumar

Sehr schön spielt auch das Oberlicht in den Räumen und sorgt für eine sanfte, helle Stimmung. Hier sehen wir den Haupteingang ins Haus, der gleich in die Ebene mit dem Wohnzimmer führt. Ein schmaler Gang mit Steinboden führt um die Ecke in ein Zimmer, das als Arbeitszimmer genutzt wird. Auch ist da ein Gästebad.

Sweet Home bei Gabriela Panchaud©Rita Palanikumar

Die Wand, die den Wohnraum vom Eingangsbereich abtrennt, haben die Panchauds für ein Bücherregal genutzt. Davor ist mit Sessel, Beistelltisch und Stehleuchte eine Leseecke eingerichtet. 

Sweet Home bei Gabriela Panchaud©Rita Palanikumar

Im Untergeschoss befinden sich die privaten Räume wie Schlafzimmer und Bäder. Alles ist mit einem warmen Holzboden aus weissgewaschener französischer Eiche ausgelegt, und in den Durchgängen sorgen hübsch eingerichtete Nischen für Wohnlichkeit. 

Sweet Home bei Gabriela Panchaud©Rita Palanikumar

Das Haus, in dem meist fünf bis sechs Personen wohnten, hat nun Zimmer, die nicht mehr so viel genutzt werden. Der grösste Raum dient Gabriela, die als Yogalehrerin arbeitet, für ihre Übungen. Sie gibt Stunden in Räumlichkeiten im Zürcher Seefeld und plant auch regelmässige Yogatage in Mallorca. Dort hat die Familie zusammen mit einem befreundeten Paar ein Ferienhaus. Die beiden Parteien haben eigene Wohnungen, teilen sich aber die Küche. Die Idee, Yoga mit einer kleinen Reise zu verbinden, kommt gut an. Es ist ungezwungen und findet immer dann statt, wenn sich fünf bis sechs Personen zusammengefunden haben. 

Sweet Home bei Gabriela Panchaud©Rita Palanikumar

Ein Bad, bei dem man das Gefühl hat, draussen in der Natur zu sein. Gabriela hat diesen Eindruck noch mit Topfpflanzen auf dem Sims bei der Wanne verstärkt.

Sweet Home bei Gabriela Panchaud©Rita Palanikumar

Die Gartenanlage zeigt Büsche und Sträucher, die mit Farben und unterschiedlichen Blattformen das Auge verwöhnen. Dazwischen blühen saisonal unterschiedliche Blumen. Über allem bieten grosse Bäume ein natürliches Dach und schaffen den optischen Zusammenhalt mit dem nahen Wald. So bekommt man das Gefühl, dass der Garten ein Paradies ohne Grenzen sei.

Sweet Home bei Gabriela Panchaud©Rita Palanikumar

Das unebene Gelände wurde geschickt und harmonisch mit Steinen unterteilt. Idyllisch, und fast wie ein kleines Sommerhaus am See, wirkt das Gartenhaus am kleinen Teich.

Sweet Home bei Gabriela Panchaud©Rita Palanikumar

Hier sieht man vom Eingangsbereich ins Büro, wo Gabriela gerade Böden und Kacheln für ihre neue Stadtwohnung aussucht. Der Abschied fällt ihr, trotz der Freude auf den Neubeginn, schwer. Bei der Suche nach Käufern, ist es ihr ein grosses Anliegen, dass neue Bewohner in diesem Haus auch so glücklich werden, wie sie es gewesen ist mit ihrer Familie. 

Sweet Home bei Gabriela Panchaud©Rita Palanikumar

Die sanfte Melancholie der Jahreszeit passt zum Abschied der Panchauds von ihrem naturnahen Haus, das hier zwischen den farbigen Weinblättern hervorschaut und sich auf eine neue Familie freut. 

 

 

20 Kommentare zu «Auszug aus dem Paradies»

  • Zogg Daniel sagt:

    Wie komme ich zu grossformatigen Bildern, wie sie immer wieder in Ihren Beiträgen zu sehen sind?

  • Gabriella Laura sagt:

    Ein absoluter Traum dieses Haus! Danke Frau Kohler!

  • Sven Glauser sagt:

    Normalerweise bin ich ein „Motzer“ was moderne Architektur angeht. Kann mich mit Sichtbeton, 90° Winkel und diesem kalten, sterilen Zeitgeist nichts anfangen. ABER, hier: Ich habe selten so ein schönes Haus gesehen! Besonders die runden Fenster und die runde Kochinsel finde extrem schön. Die Verbindung mit der Natur, die Stille, das hat alles einen enormen Wohlfühlfaktor. Da würde ich ohne zu überlegen sofort einziehen. Nur die paar Sichtbeton-Wände würde ich streichen ;-) Jaja, liebe Architekten, da könnt ihr rot anlaufen und „Banause“ rufen… nützt alles nichts ;-D

  • ina müller sagt:

    Wunderschön!

  • ariane sagt:

    wow, da würde ich mich, bzw wir uns, sehr glücklich fühlen.
    leider reicht unser budget wohl bei weitem nicht.
    wunderschön.

  • ri kauf sagt:

    Oh! Ist das schön! Schon nur wegen dem Garten würde ich da einziehen! Und dann das kleine „Seehäuschen“! Toll! Auch das Haus ist sehr gelungen! Beim Cheminée allerdings, würde ich die Verschalung wegnehmen. Die wäre mir zu opulent. Toller Betrag! Danke.

  • Rene sagt:

    Eigentlich ganz nett, doch wo kommt hier noch Sonne rein?

  • Geri Marivir sagt:

    Ja, ich kann mich Jens Walter voll und ganz anschliessen.
    Aber da entsteht dann doch in mir die Frage:
    Warum um alles in der Welt ziehen die Panchauds aus?

  • Monisa sagt:

    Küche ist der Hammer! Der Garten ist wunderschön, das wissen wir aber nach zwei, drei, Fotos. Gerne hätte ich einen Eindruck der Bäder und Privaträume bekommen.

    • adam gretener sagt:

      Die Küche sieht optisch genial aus, aber auf dem Herd kochen, da hätte ich einfach zu wenig Platz.

      Und als ich vor 4 Jahren neu hier eingezogen bin, war ich begeistert von den 500 m2 Garten. Aber das macht so viel Arbeit, unglaublich. Leider gibt es in der Schweiz gleich anonyme Zettelchen im Briefkasten, wenn man den Garten mal etwas verwildern lässt.

      • Heidi Arn sagt:

        Jemanden anstellen hie und da? Es muss ja kein richtiger Gärtner sein.

      • Thomas Laager sagt:

        Mein Garten ist auch verwildert, ich hatte aber noch nie Zettelchen im Briefkasten

        • ri kauf sagt:

          Unserer ist auch eher verwildert. Es gab schon mal hämische Bemerkungen von Passanten (Zeit, dass Sie das mal schneiden!) aber meist gibt es Komplimente. Wild ist gut für die Flora und Fauna. Also lassen Sie sich nicht so beindrucken von solchen Zädeli.

        • minder romy sagt:

          ich schon; darauf stand : sie haben eine „schoene“ Uchruut- Hoschtet !!

          • adam gretener sagt:

            Ich muss dazu sagen, mein übernommener Garten bestand aus.

            1. Unten: 1971 angelegte Parzelle. Ausser Brombeeren war da nicht viel. Das heisst, etwa 7 mal jährlich schmerzhafter Aufwand und Entsorgung. Im Herbst Kahlschlag mit 6 100Liter-Säcken.

            2. Beim Gartensitzplatz eine grosse Kiwipflanze. Jahrezehntelang nicht geschnitten, die Triebe/Arme wurden einfach zurück in die Pflanze gestopft.

            3. Weiter oben hatte ich schon Sträucher und Stauden. Die Nachbarin meinte dann, man müsse so eine Kalkstein-Mauer einbauen. Nichts dagegen. Aber die Sträucher/Stauden wurden ohne zu fragen entfernt und mit der Gartenerde aus dem benachbarten Grundstück aufgefüllt. Heisst: Bambus, Zucchini, alles mögliche. Mitte Mai stand das Zeugs Achselhoch.

            4. Ein Apfelbaum, ungepflegt. Er bestand eigentlich nur aus Wassertrieben.

            5. Überall eine Zucht von Winden und Wicken.

            Das alles wurde mir beim Einzug verschweigen. Und ich habe irgendwann die Nerven verloren und bin ausgezogen.

  • Jen Walter sagt:

    Ach, ich würde hier direkt einziehen.

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